Look-through: So durchleuchtet Portfolio Lab Fonds
Der Look-through schaut durch die Fonds hindurch auf die Wertpapiere, die darin stecken. Diese Methodik beschreibt, woher die Positionslisten stammen, wie Portfolio Lab sie liest und vereinheitlicht, wie Länder, Sektoren und Einzeltitel über alle Fonds addiert werden und wie jede Position in die Taxonomie der Anlageklassen kommt. Den Nutzen erklärt der Artikel Look-through.
Woher die Positionen kommen
Für jeden Fonds im Raster versucht Portfolio Lab die Quellen in fester Reihenfolge: zuerst eine eigene Datei oder ein eigener Link (CSV oder Excel, wie Fondsgesellschaften sie als „alle Positionen“ anbieten), dann die Positionsdateien großer ETF-Anbieter, die sich über die ISIN finden lassen. Gelingt das nicht, bleiben die größten Positionen und die Aufteilung nach Sektoren und Anlageklassen aus einem Marktdatendienst, aber ohne Länder und ohne vollständige Liste.
- Einzelaktien bilden sich selbst ab; Sektor und Land kommen aus der Wertpapier-Datenbank.
- Anlageklassen (@-Ticker) zeigen die Positionen ihres Fonds-Abschnitts oder zählen als ganze Position (Anleihen, Geldmarkt, Gold).
- Rohstoff-ETCs zählen als ganze Position im Rohstoffsektor, ohne Länderbezug.
- Gespeicherte Listen gelten nach 35 Tagen als veraltet; ein Admin kann sie mit „Aktualisieren“ neu laden.
Dateien lesen und vereinheitlichen
Positionsdateien sehen bei jedem Anbieter anders aus. Der Parser sucht die Kopfzeile selbst (deutsch oder englisch), erkennt CSV oder Excel, Komma oder Punkt als Dezimaltrenner und Prozent- oder Anteilsangaben. Summenzeilen („Total“, „Gesamt“) fallen heraus. Dann werden die Felder vereinheitlicht:
- Länder auf deutsche Namen und ISO-Codes, gruppiert in sechs Regionen: Nordamerika, Euroraum, Europa ohne Euroraum, Pazifik (Industrieländer), Schwellenländer, Sonstige.
- Sektoren auf die elf Sektoren der GICS-Systematik (Informationstechnologie bis Immobilien).
- Anlageklassen auf Aktien, Anleihen, Kasse, Derivate und Rohstoffe. Kasse, Margin und Devisentermingeschäfte bekommen den Sektor „Kasse/Derivate“ und „Ohne Länderbezug“.
- Anleihedaten, wenn vorhanden: Duration, Fälligkeit, Kupon und Rendite als Grundlage der Risikofaktoren.
Eine Liste gilt als vollständig, wenn ihre Gewichte zusammen mindestens 90 % ergeben und es nicht nur die größten Positionen sind.
Aufteilung nach Ländern und Sektoren
Für jeden Fonds entsteht zuerst eine Aufteilung, die sich zu 100 % summiert. Ist die Liste vollständig und hat mindestens die Hälfte des Gewichts eine Angabe (etwa ein Land), werden die Gewichte je Land addiert und durch die Gesamtsumme geteilt; Positionen ohne Angabe heißen „Nicht zugeordnet“. Sonst nutzt Portfolio Lab eine fertige Aufteilung des Datendienstes, und wenn es auch die nicht gibt, die bekannten Positionen plus „Übrige Positionen“ für den Rest. Ohne Daten steht der ganze Fonds unter „Keine Daten“. Nichts wird erfunden.
Anteil Land L im Portfolio = Σ_Fonds w_Fonds × Anteil von L im FondsEinzeltitel und Konzentration
Für die Liste der größten Einzeltitel werden alle Positionen ohne Kasse und Derivate über alle Fonds zusammengeführt. Dieselbe Aktie heißt in jeder Datei etwas anders („APPLE INC“, „Apple Inc.“) und hat nicht immer eine ISIN. Portfolio Lab verbindet Positionen deshalb in zwei Durchgängen über ISIN und einen bereinigten Namen ohne Rechtsform-Zusätze; so hängt das Ergebnis nicht von der Reihenfolge der Fonds ab. Ganze Positionen (Anlageklassen, Rohstoffe) zählen nicht als Einzeltitel.
Effektive Zahl der Positionen = (Σ e_i)² / Σ e_i²- e_i
- Anteil eines Einzeltitels am Portfolio
- Kehrwert
- des Herfindahl-Index der durchleuchteten Titel
Dazu kommen der Anteil der zehn größten Titel und die Abdeckung: welcher Teil des Portfolios vollständig, nur teilweise oder gar nicht durchleuchtet ist. Der Look-through misst die tatsächliche Zusammensetzung aus den Beständen, im Gegensatz zur renditebasierten Stilanalyse nach Sharpe (1992). Auf Positionsmerkmalen aufgebaute Vergleichsmaßstäbe haben Daniel u. a. (1997) für die Messung von Fondsleistung entwickelt.
Taxonomie: jede Position an ihren Platz
Die Taxonomie ordnet das Portfolio in drei getrennten Dimensionen: Anlageklasse (was man besitzt; 13 Kategorien mit Haupt- und Unterkategorien), Risikotreiber (wodurch Rendite und Risiko entstehen, je Unterkategorie ein primärer und mehrere sekundäre) und Instrument und Strategie (Einzeltitel, ETF, ETC, Fonds, Future; passiv, Faktor, aktiv, gehebelt …). Größe, Stil, Laufzeit und Rating sind Merkmale quer dazu.
- Eigene Zuordnung, die ein Admin für ein Wertpapier gespeichert hat.
- Die Zuordnung der Anlageklasse bei @-Tickern.
- Regeln über Name, Typ und Kategorie (Geldmarkt, Krypto, Volatilität, Optionsstrategien, Hebelprodukte, REITs, Infrastruktur, Rohstoffarten, Anleihearten mit Währung, Laufzeit und Rating).
- Aufteilung über die Positionsliste: Aktien nach Land (Eurozone-Kern: Deutschland, Frankreich, Niederlande, Belgien, Österreich, Finnland, Luxemburg; Peripherie: Italien, Spanien, Portugal, Griechenland, Irland und übrige Euro-Länder; Schwellenländer und Frontier Markets getrennt), Staatsanleihen nach Emittentenland, Kasse als Liquidität im Fonds.
Fonds, die eine Spezialkategorie abbilden (REITs, Infrastruktur, Private Equity, Rohstoffe), zählen als Ganzes, auch wenn ihre Positionsliste aus Aktien besteht. Ist nur ein Teil der Liste bekannt, bekommt der Rest die Zuordnung des Fonds.
Grenzen
- Positionslisten sind Momentaufnahmen mit Stichtag; zwischen zwei Abrufen ändert sich der Fonds.
- Derivate, Swaps und synthetische Nachbildung erscheinen nur so, wie der Anbieter sie ausweist.
- Wo nur die größten Positionen bekannt sind, bleibt ein Rest unbestimmt. Die Abdeckung zeigt, wie groß er ist.
Häufige Fragen
Warum steht bei manchen Fonds „Keine Daten“?
Weil weder eine eigene Datei noch eine Anbieterdatei noch eine Aufteilung gefunden wurde. Portfolio Lab ersetzt fehlende Angaben nicht durch Annahmen.
Wie oft werden die Positionslisten aktualisiert?
Sie bleiben gespeichert und gelten nach 35 Tagen als veraltet. Ein Admin lädt sie mit „Aktualisieren“ neu; eigene Dateien lassen sich jederzeit hochladen.
Warum zählen REIT-ETFs nicht als Aktien?
Weil ihr Risiko und ihre Rolle im Portfolio die von Immobilien sind. Die Taxonomie ordnet solche Fonds als Ganzes ihrer Spezialkategorie zu.
Was bedeutet die effektive Zahl der Positionen?
Die Zahl gleich großer Positionen, die dieselbe Konzentration hätte. Über 1.000 Aktien mit großen Schwergewichten können effektiv deutlich weniger als hundert gleich großen Positionen entsprechen.
Literatur
- Daniel, Kent; Grinblatt, Mark; Titman, Sheridan; Wermers, Russ (1997): Measuring Mutual Fund Performance with Characteristic-Based Benchmarks. The Journal of Finance 52 (3), S. 1035–1058. doi:10.1111/j.1540-6261.1997.tb02724.x
- Sharpe, William F. (1992): Asset allocation. The Journal of Portfolio Management 18 (2), S. 7–19. doi:10.3905/jpm.1992.409394
Diese Seite beschreibt, wie Portfolio Lab rechnet; Ergebnisse aus der Vergangenheit sind keine Prognose. Alle Begriffe im Glossar.