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Core-Satellite mit breitem Kern und gezielten Satelliten: Kosten, Tracking Error und Regeln

Grundlagen9 Min. Lesezeit · aktualisiert am 3. Oktober 2026 · 8 Quellen

Core-Satellite teilt das Depot in zwei Rollen: einen großen, breit gestreuten und günstigen Kern, meist ein Welt-ETF, und einige kleinere Satelliten für Faktoren, Themen, Einzelaktien oder aktive Fonds. Der Kern bestimmt Risiko und Rendite, die Satelliten die Abweichung vom Markt. Hier rechnen wir die Gesamtkosten als gewichtete TER und das aktive Risiko als Tracking Error des ganzen Depots (mit Korrelationen), zeigen, wie ein Risikobudget die Größe der Satelliten begrenzt, und sammeln Regeln für Rebalancing und Verhalten.

Die Idee: ein breiter Kern und wenige Satelliten

Der Kern soll den Markt möglichst genau und billig abbilden: ein ETF auf den MSCI ACWI oder FTSE All-World oder eine Kombination aus World und Schwellenländern (siehe MSCI World vs. ACWI vs. FTSE All-World). Die Satelliten sind bewusste Abweichungen: ein Faktor-ETF auf Value oder Nebenwerte, ein Themen-ETF, einzelne Aktien, ein aktiver ETF oder ein aktiv gemanagter Fonds. Weil die Satelliten klein sind, bleibt das Depot nah am Markt, und Fehler bei der Auswahl kosten wenig.

Ein großer Kern, kleine Satelliten auf ihrer Bahn

Aufteilung wie im Beispiel unten, dort ist der Faktor-ETF ein Small-Cap-Value-ETF. Die Kreisflächen entsprechen den Anteilen am Depot.

Core-Satellite ist keine Antwort auf die Frage, wie viel Aktien, Anleihen und Geldmarkt ins Depot gehören. Diese Frage beantwortet die strategische Asset-Allokation. Es ist eine Frage der Umsetzung: Wie viel innerhalb einer Anlageklasse wird passiv nachgebildet, wie viel aktiv abgewichen? Waring u. a. (2000) behandeln genau das als Optimierung: Für ein gegebenes Budget an aktivem Risiko gibt es eine beste Mischung aus Managern, und der passive Kern ergibt sich umgekehrt proportional zu diesem Risikobudget. Je weniger Abweichung du dir erlaubst, desto größer der Kern.

Gesamtkosten: die gewichtete TER

TER_Depot = Σᵢ wᵢ × TERᵢ (plus Ordergebühren, Spreads und Steuern auf Umschichtungen) Mehrkosten = TER_Depot − TER_Kern
wᵢ
Anteil von Baustein i am Depot
TERᵢ
laufende Kosten von Baustein i; bei Einzelaktien die Ordergebühren pro Jahr im Verhältnis zur Position

Die gewichtete TER zeigt, was die Satelliten das ganze Depot kosten. Teure Satelliten fallen wenig ins Gewicht, wenn sie klein sind. Das ist der Charme der Struktur. Fairer ist der Vergleich mit dem, was die Satelliten an Abweichung bringen: Mehrkosten geteilt durch den Tracking Error ergibt die Information Ratio, die die Satelliten mindestens schaffen müssen, um ihre Kosten zu verdienen.

Aktives Risiko: der Tracking Error des Gesamtdepots

Weil der Kern den Markt abbildet, entsteht die aktive Rendite des Depots allein in den Satelliten, und zwar gemessen an ihrer Abweichung vom Kern, nicht von ihrem eigenen Index. Der Tracking Error des Depots folgt daraus mit den Korrelationen der aktiven Renditen:

Aktive Rendite = Σᵢ sᵢ × (rᵢ − r_Kern) TE_Depot = √( Σᵢ Σⱼ sᵢ sⱼ ρᵢⱼ TEᵢ TEⱼ ), Beitragᵢ = sᵢ TEᵢ × Σⱼ ρᵢⱼ sⱼ TEⱼ / TE_Depot
sᵢ
Anteil von Satellit i am Depot
TEᵢ
Tracking Error von Satellit i gegenüber dem Kern
ρᵢⱼ
Korrelation der aktiven Renditen zweier Satelliten
Beitragᵢ
Anteil am Tracking Error nach Euler; die Beiträge summieren sich zum Ganzen

Ein Tracking Error von 1,86 % heißt grob: In etwa einem von drei Jahren liegt das Depot mehr als 1,86 Prozentpunkte über oder unter dem reinen Kern. Die Korrelation der Satelliten zählt dabei viel: Laufen ihre Abweichungen unabhängig voneinander, bleiben 1,48 %; laufen sie im Gleichschritt, sind es 2,55 %. Zwei Satelliten, die beide auf Technologie und Wachstum setzen, streuen das aktive Risiko kaum.

Tracking Error des Depots nach Zahl der Satelliten (zusammen 20 %, je 15 %)

Formel oben mit n gleich großen Satelliten: TE = 20 % × 15 % × √(1/n + (1 − 1/n) × ρ). Mehr Satelliten senken das aktive Risiko nur, wenn ihre Abweichungen wenig korrelieren; bei ρ = 0,3 bleibt selbst mit vielen Satelliten mehr als die Hälfte.

Wie groß dürfen die Satelliten sein? Ein Risikobudget

Statt die Satelliten nach Gefühl zu bemessen, kannst du ein Budget für den Tracking Error festlegen, etwa 2 % gegenüber dem Kern, und daraus rückwärts rechnen. Ein einzelner Satellit mit 15 % Tracking Error darf dann höchstens 2 / 15 = 13,3 % des Depots ausmachen; zwei unkorrelierte Satelliten dieser Art zusammen √2-mal so viel, je 9,4 %. Wie viel Abweichung du aushältst, ist eine persönliche Frage: Wer sich über zwei Jahre mit drei Prozentpunkten Rückstand auf den Markt ärgert und dann alles umwirft, hat ein zu großes Budget. Dasselbe Prinzip nutzen große Anleger für ihre taktischen Abweichungen (siehe aktives Risikobudget).

Rebalancing-Regeln

  1. Zielgewichte und Bänder festlegen: etwa Kern 80 % mit Band von 75 bis 85 %, jeder Satellit höchstens 10 %. Erst wenn ein Band verletzt ist, wird umgeschichtet (siehe Rebalancing).
  2. Sparraten lenken: Neue Beiträge fließen in den Teil, der unter seinem Ziel liegt, meist in den Kern. Das spart Ordergebühren und Steuern.
  3. Gewinner zurückschneiden: Ein erfolgreicher Satellit wächst von selbst über sein Budget. Wer ihn nicht kappt, lässt aus einer Beimischung ein Klumpenrisiko werden.
  4. Verlierer prüfen, nicht automatisch nachkaufen: Bei einem Faktor-ETF kann Nachkaufen zur Regel gehören, bei einer Einzelaktie mit gebrochener Geschichte eher nicht. Die Regel vorher aufschreiben.
  5. Steuern beachten: Jeder Verkauf mit Gewinn kostet Abgeltungsteuer, sofern der Pauschbetrag aufgebraucht ist. Bänder statt fester Termine halten die Zahl der Verkäufe klein.

Eine dynamische Variante beschreiben Amenc u. a. (2004): Der Anteil der Satelliten wird nach dem Muster der Wertsicherung (CPPI) verändert, damit der Tracking Error unter einer Schwelle bleibt. Nach guten Phasen gibt es mehr Satellit, nach schlechten weniger. Für Privatanleger ist eine feste Obergrenze mit Bändern einfacher und in den meisten Fällen ausreichend.

Verhalten: Spielwiese mit Zaun

Core-Satellite passt zu einer Beobachtung der Verhaltensökonomie: Viele Anleger denken in getrennten Töpfen. Shefrin und Statman (2000) beschreiben Portfolios als Schichten mentaler Konten: eine sichere Schicht gegen Armut und eine riskante Schicht für die Chance auf Reichtum. Der Kern ist die sichere Schicht, die Satelliten sind die Schicht für Ideen. Das kann helfen: Wer den Drang zum Handeln in einen kleinen Teil des Depots lenkt, lässt den Kern in Ruhe.

Es kann aber auch schaden. Privatanleger, die viel handeln, erzielen im Schnitt schlechtere Ergebnisse (Barber und Odean 2000), und sie kaufen bevorzugt Aktien, die gerade Aufmerksamkeit erregen (Barber und Odean 2008). Satelliten, die ständig gewechselt werden, kosten Gebühren und Steuern und bringen selten Mehrrendite. Hilfreich ist, die Satelliten getrennt zu messen: Was hat jeder einzelne gegenüber dem Kern gebracht, nach Kosten? Eine einfache Form der Performance-Attribution zeigt das.

Für Fortgeschrittene: Alpha, Risikobudget und Fundamentalgesetz

Nach Waring und Siegel (2003) lässt sich das, was ein aktiver Manager liefert, in Marktfaktoren und reines Alpha zerlegen. Marktfaktoren bekommt man über Indexfonds fast umsonst; das reine Alpha kostet aktives Risiko, das mit dem Risiko der Grundaufteilung unkorreliert ist. Deshalb lassen sich Grundaufteilung und Auswahl der aktiven Bausteine getrennt optimieren, und die optimale Struktur besteht vor allem aus Indexfonds und risikokontrollierten aktiven Fonds, mit wenig Gewicht für hoch konzentrierte Fonds. Für Privatanleger heißt das: Ein Faktor-ETF als Satellit liefert vor allem Faktorrisiko, das man auch direkt und günstig kaufen kann. Echtes Alpha ist selten.

IR ≈ IC × √Breite (Fundamentalgesetz des aktiven Managements) Erwartete aktive Rendite = IR × TE_Depot
IR
Information Ratio der Satelliten zusammen
IC
Treffsicherheit: Korrelation von Prognose und Ergebnis
Breite
Zahl unabhängiger Entscheidungen pro Jahr

Das Fundamentalgesetz nach Grinold und Kahn (2000) zeigt, warum wenige Einzelaktien selten eine hohe Information Ratio erreichen: Zehn Entscheidungen im Jahr bei einer Treffsicherheit von 0,05 ergeben IR ≈ 0,05 × √10 = 0,16. Bei 1,86 % Tracking Error wären das im Erwartungswert 0,29 Prozentpunkte pro Jahr vor Kosten, und das nur, wenn die Treffsicherheit wirklich positiv ist. Für den Durchschnitt aller aktiven Anleger gilt nach Sharpe (1991) ohnehin: vor Kosten die Marktrendite, nach Kosten darunter.

Was die Forschung zeigt

Die Forschung behandelt Core-Satellite als Frage des Risikobudgets: Waring u. a. (2000) optimieren die Mischung aus passiven und aktiven Bausteinen unter einem Budget für aktives Risiko, Waring und Siegel (2003) trennen reines Alpha von Faktorrisiko und kommen zu Strukturen mit viel Index und wenig konzentrierten Fonds. Amenc u. a. (2004) argumentieren, dass Tracking Error nicht per se schlecht ist (Abweichungen nach oben sind erwünscht), und schlagen eine dynamische Aufteilung vor, die das Risiko nach unten begrenzt. Auf der Verhaltensseite zeigen Shefrin und Statman (2000), warum Anleger überhaupt in Schichten denken, und Barber und Odean (2000), was übermäßiges Handeln kostet. Die Arithmetik von Sharpe (1991) erinnert daran, dass Satelliten im Durchschnitt aller Anleger nach Kosten verlieren müssen; wer sie hält, setzt darauf, besser als der Durchschnitt zu sein.

Grenzen und typische Fehler

  • Zu viele Satelliten: Acht Beimischungen mit je 2,5 % sind schwer zu überblicken und überschneiden sich oft stark. Das bringt mehr Fonds, nicht mehr Streuung.
  • Tracking Error gegen den falschen Maßstab: Für das Depot zählt die Abweichung jedes Satelliten vom Kern, nicht von seinem eigenen Index.
  • Korrelationen ignorieren: Drei Satelliten auf Technologie, Wachstum und KI sind im Grunde eine Wette.
  • Kosten nur in TER denken: Ordergebühren für Einzelaktien, Spreads und Steuern beim Umschichten gehören in die Rechnung.
  • Kein Zaun: Ohne Obergrenze wachsen erfolgreiche Satelliten in den Kern hinein, und erfolglose werden aus Trotz aufgestockt. Keine Anlageberatung.

So rechnet Portfolio Lab

Im Backtest wählst du den Kern als Benchmark und siehst für dein Depot mit Satelliten Tracking Error, Information Ratio, Beta sowie Upside und Downside Capture; Rebalancing nach Kalender oder Toleranzband, Sparraten in untergewichtete Positionen, Handelskosten und deutsche Steuern lassen sich einstellen. Auf der Seite Risiko zerlegt die App den Tracking Error aus den aktiven Gewichten gegenüber einer Benchmark nach Euler in Beiträge je Position. Das ist genau die Rechnung aus dem Beispiel, mit geschätzten Kovarianzen. Die laufenden Kosten der Fonds findest du unter Wertpapiere; eine gewichtete TER des Depots rechnet die App nicht aus, die Kosten stecken in den Kursen der Fonds. Wie stark sich Kern und Satelliten überschneiden, zeigt das Look-through. Die Kennzahlen beschreibt die Methodik der Kennzahlen.

Häufige Fragen

Was ist eine Core-Satellite-Strategie?

Ein Depot aus einem großen, breit gestreuten und günstigen Kern (meist ein Welt-ETF) und kleineren Beimischungen für Faktoren, Themen, Einzelaktien oder aktive Fonds. Der Kern bestimmt das Risiko, die Satelliten die Abweichung vom Markt.

Wie viel Prozent Kern, wie viel Satelliten?

Eine feste Regel gibt es nicht; der Kern sollte den größten Teil ausmachen. Besser als eine Faustregel ist ein Budget für den Tracking Error: Bei 2 % Budget darf ein Satellit mit 15 % Tracking Error höchstens 13,3 % ausmachen.

Wie berechne ich die Kosten eines Core-Satellite-Depots?

Mit der gewichteten TER: Anteil jedes Bausteins mal seine TER, aufsummiert, plus Ordergebühren, Spreads und Steuern. 80 % Kern mit 0,20 % und 20 % Satelliten mit 0,50 % ergeben 0,26 %.

Wie berechnet man den Tracking Error des ganzen Depots?

Aus den Anteilen der Satelliten, ihren Tracking Errors gegenüber dem Kern und den Korrelationen ihrer Abweichungen: TE = √(Σ Σ sᵢ sⱼ ρᵢⱼ TEᵢ TEⱼ). Im Beispiel mit 20 % Satelliten ergibt das 1,86 %.

Lohnt sich Core-Satellite?

Als Rahmen für bewusste Abweichungen ja: Der Kern sichert die Marktrendite fast vollständig, und Fehler in den Satelliten bleiben begrenzt. Ob die Satelliten Mehrrendite bringen, ist offen. Im Durchschnitt aller Anleger tun sie es nach Kosten nicht.

Literatur

  1. Amenc, Noël; Malaise, Philippe; Martellini, Lionel (2004): Revisiting Core-Satellite Investing. The Journal of Portfolio Management 31 (1), S. 64–75. doi:10.3905/jpm.2004.443322
  2. Barber, Brad M.; Odean, Terrance (2000): Trading Is Hazardous to Your Wealth: The Common Stock Investment Performance of Individual Investors. The Journal of Finance 55 (2), S. 773–806. doi:10.1111/0022-1082.00226
  3. Barber, Brad M.; Odean, Terrance (2008): All That Glitters: The Effect of Attention and News on the Buying Behavior of Individual and Institutional Investors. The Review of Financial Studies 21 (2), S. 785–818. doi:10.1093/rfs/hhm079
  4. Grinold, Richard C.; Kahn, Ronald N. (2000): Active Portfolio Management. McGraw-Hill, 2. Auflage.
  5. Sharpe, William F. (1991): The Arithmetic of Active Management. Financial Analysts Journal 47 (1), S. 7–9. doi:10.2469/faj.v47.n1.7
  6. Shefrin, Hersh; Statman, Meir (2000): Behavioral Portfolio Theory. The Journal of Financial and Quantitative Analysis 35 (2). doi:10.2307/2676187
  7. Waring, M. Barton; Whitney, Duane; Pirone, John; Castille, Charles (2000): Optimizing Manager Structure and Budgeting Manager Risk. The Journal of Portfolio Management 26 (3), S. 90–104. doi:10.3905/jpm.2000.319719
  8. Waring, M. Barton; Siegel, Laurence B. (2003): The Dimensions of Active Management. The Journal of Portfolio Management 29 (3), S. 35–51. doi:10.3905/jpm.2003.319882

Gesamtes Literaturverzeichnis

Dieser Artikel erklärt eine Methode; er ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Zahlenbeispiele sind vereinfacht und gerundet. Alle Begriffe im Glossar.