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Tracking Error und Information Ratio: Abweichung vom Index

Vertiefung7 Min. Lesezeit · aktualisiert am 17. September 2026 · 7 Quellen

Der Tracking Error misst, wie stark die Rendite eines Fonds um die seines Vergleichsindex schwankt. Bei einem ETF soll er klein sein, bei einem aktiven Fonds ist er der Preis für die Chance, besser zu sein. Ob sich diese Abweichung lohnt, zeigt die Information Ratio.

Tracking Error berechnen

Tracking Error = Standardabweichung (Rendite Fonds − Rendite Index)
Rendite Fonds − Rendite Index
aktive Rendite je Periode; jährlich oder monatlich (dann × √12)

Wichtig ist, was abgezogen wird: Der Tracking Error misst die Schwankung der Differenz, nicht die Differenz selbst. Ein Fonds, der jedes Jahr genau 1 % hinter dem Index liegt, hat einen Tracking Error von null und trotzdem eine schlechte Bilanz.

Tracking Error: Schwankung der Differenz, nicht die Differenz

Fonds B mit den aktiven Renditen aus dem Beispiel oben. Die gestrichelte Linie ist der Durchschnitt der Differenzen (bei ETFs die Tracking Difference), das Band reicht eine Standardabweichung, also einen Tracking Error, darüber und darunter.

Ex post und ex ante

Aus vergangenen Renditen gemessen heißt der Tracking Error ex post (realisiert). Vermögensverwalter steuern dagegen den erwarteten, ex ante Tracking Error: Er folgt aus den Abweichungen der Gewichte vom Index und der Kovarianzmatrix der Anlagen.

TE ex ante = √( (w − b)ᵀ × Σ × (w − b) )
w − b
aktive Gewichte: Portfoliogewicht minus Indexgewicht
Σ
geschätzte Kovarianzmatrix der Renditen

Daraus folgt eine Faustregel für die Praxis: Abweichungen zwischen ähnlichen Bausteinen (zwei Aktienregionen) erzeugen wenig, Abweichungen zwischen unterschiedlichen Anlagen (Aktien gegen Anleihen) viel Tracking Error.

Tracking Error oder Tracking Difference?

Bei ETFs wird oft die Tracking Difference genannt: der durchschnittliche Renditeunterschied zum Index, meist leicht negativ wegen der Kosten (siehe TER). Der Tracking Error dagegen misst die Schwankung dieses Unterschieds. Ein ETF kann eine Tracking Difference von −0,2 % und trotzdem einen sehr kleinen Tracking Error haben. Er liegt dann jedes Jahr recht genau 0,2 % hinten.

Ganz vermeiden lässt sich die Abweichung nicht. Der Index ist ein Papierportfolio ohne Kosten, der Fonds handelt in echten Märkten; Frino und Gallagher (2001) beschreiben für S&P-500-Indexfonds, dass Tracking Error wegen dieser Reibungen unvermeidbar ist. Schon der erste US-ETF blieb laut Elton u. a. (2002) um seine Kosten und durch die Behandlung der Dividenden hinter dem Index zurück. Typische Ursachen:

  • Laufende Kosten (TER): Sie sind der größte und stetigste Posten.
  • Quellensteuer auf Dividenden: Indizes werden oft mit einem Steuersatz gerechnet, der Fonds kann je nach Sitz mehr oder weniger zahlen.
  • Optimiertes Sampling: Wer nicht alle Titel kauft, weicht zufällig ab.
  • Barbestand und Handelszeitpunkte: Zuflüsse werden verzögert angelegt, Indexänderungen nicht exakt zum Schlusskurs umgesetzt.
  • Wertpapierleihe und Swaps: Erträge aus Leihe verbessern die Tracking Difference, Swap-Kosten verschlechtern sie.
FondstypTypischer Tracking Error p. a.
Großer Index-ETF (MSCI World, S&P 500)unter 0,2 %
ETF mit optimiertem Sampling, Nebenwerte0,2–1 %
Smart-Beta- und Faktor-ETF gegen Marktindex2–6 %
Aktiver Aktienfonds3–8 %

Tracking Difference prüfen: was sie in Euro kostet

Kleine Unterschiede summieren sich. Bringt ein Index 7 % pro Jahr und liegt ein ETF jedes Jahr 0,2 Prozentpunkte darunter, werden aus 10.000 € in zehn Jahren 19.306,90 € statt 19.671,51 €, also 364,61 € weniger. Bei 0,5 Prozentpunkten Rückstand sind es schon 900,14 €. Ein aktiver Fonds mit höheren Kosten muss diesen Rückstand erst aufholen, bevor er überhaupt Mehrwert liefert.

  1. Wähle den richtigen Index: denselben, den der Fonds abbildet, in derselben Währung und mit derselben Behandlung der Dividenden (meist „Net Return“).
  2. Vergleiche ganze Kalenderjahre und bilde den Durchschnitt der jährlichen Differenzen. Das ist die Tracking Difference.
  3. Prüfe, wie stark die Differenz von Jahr zu Jahr schwankt. Das ist der Tracking Error. Große Ausreißer deuten auf Sondereffekte wie Steuern oder Indexumstellungen hin.
  4. Vergleiche mit ähnlichen ETFs auf denselben Index: Die TER allein sagt wenig, die tatsächliche Tracking Difference zählt.

Information Ratio

Information Ratio = Ø aktive Rendite p. a. / Tracking Error p. a.

Sie ist die Sharpe Ratio der Abweichung: Wie viel Mehrrendite pro Einheit aktivem Risiko? Über viele Jahre gelten 0,5 als gut und Werte über 1 als außergewöhnlich. Wie bei allen Kennzahlen aus kurzen Zeiträumen ist viel Zufall dabei.

Woher eine gute Information Ratio kommen kann, beschreibt das Fundamentalgesetz des aktiven Managements von Grinold (1989): Sie ist ungefähr die Treffsicherheit eines Managers (der Informationskoeffizient, die Korrelation zwischen Prognose und Ergebnis) mal der Wurzel aus der Zahl unabhängiger Entscheidungen pro Jahr. Grinold und Kahn (2000) bauen darauf ein ganzes Lehrbuch auf.

IR ≈ IC × √Breite
IC
Informationskoeffizient: Korrelation von Prognose und tatsächlicher Rendite
Breite
Anzahl unabhängiger Entscheidungen pro Jahr

Was die Forschung zeigt

Wer seinen Tracking Error gegen den Index minimiert und dabei Mehrrendite sucht, landet nicht automatisch bei einem guten Portfolio. Roll (1992) hat gezeigt, dass solche Portfolios ein Beta über 1 haben und gemessen an Rendite und Gesamtrisiko nicht effizient sind:

„Usually the selected portfolio will not be total return mean/variance efficient.“
Auf Deutsch: Meist ist das gewählte Portfolio bezogen auf die Gesamtrendite nicht effizient im Sinne von Mittelwert und Varianz.Roll (1992)

Seine Abhilfe: das Beta des Portfolios begrenzen. Der zweite große Befund betrifft aktive Fonds insgesamt. Sharpe (1991) zeigt mit einer einfachen Rechnung, dass die aktiv verwalteten Euros vor Kosten im Schnitt genau den Markt erzielen müssen (zusammen halten sie ja den Markt) und nach Kosten darunter liegen. French (2008) schätzt die Kosten aktiven Investierens in den USA von 1980 bis 2006 auf 0,67 % des Marktwerts pro Jahr. Eine positive Information Ratio nach Kosten ist deshalb die Ausnahme, nicht die Regel; mehr im Artikel aktiv oder passiv.

Für Fortgeschrittene: Wie lange bis zum Beweis?

Die Information Ratio hängt eng mit der Statistik zusammen: Der t-Wert der durchschnittlichen aktiven Rendite ist ungefähr die Information Ratio mal der Wurzel der Jahre. Wer mit 95 % Sicherheit zeigen will, dass ein Manager mit einer wahren Information Ratio von 0,5 besser ist als null, braucht also etwa (1,96 / 0,5)² = 15,4 Jahre Daten und damit länger, als die meisten Fondsmanager einen Fonds betreuen.

t ≈ Information Ratio × √Jahre

Zwei weitere Feinheiten: Bei autokorrelierten aktiven Renditen (etwa durch Stilneigungen, die jahrelang laufen) unterschätzt die einfache Annualisierung den Tracking Error. Und Faktorneigungen erzeugen scheinbares Alpha: Ein Value-Fonds gegen einen Marktindex hat einen hohen Tracking Error und in guten Value-Jahren eine hohe Information Ratio, ohne dass der Manager etwas Besonderes geleistet hat. Eine Faktorregression trennt beides.

Im Portfolio

Wer eine bestimmte Faktor-Ausrichtung mit möglichst wenig Abweichung nachbilden will, minimiert den Tracking Error gegen ein Zielportfolio. So arbeitet das Werkzeug „Faktoren nachbilden“ auf der Seite Faktoren. Ein Tracking Error ist dabei nicht gut oder schlecht, sondern eine bewusste Entscheidung für eine andere Gewichtung. Für Privatanleger ist die praktischere Frage meist umgekehrt: Wie weit darf mein Portfolio vom Weltmarkt abweichen, bevor ich die Abweichung bereue? Ein Tracking Error von 5 % gegenüber dem Weltaktienindex heißt, dass dein Portfolio in einem von drei Jahren mehr als fünf Prozentpunkte besser oder schlechter läuft als der Markt. Das muss man aushalten können.

So rechnet Portfolio Lab

Im Backtest ist die aktive Rendite die Differenz der Periodenrenditen von Portfolio und Benchmark über alle gemeinsamen Perioden. Der Tracking Error ist deren Standardabweichung mal √12 (bzw. √252), die Information Ratio die mittlere aktive Rendite mal 12 (bzw. 252) geteilt durch den Tracking Error. Im Fondsvergleich der Seite Assets stehen Beta, Alpha, R², Tracking Error, Information Ratio und Capture Ratios gegen einen wählbaren Vergleichsfonds im gewählten Zeitfenster. Mehr in der Methodik der Kennzahlen.

Häufige Fragen

Ist ein Tracking Error von 0 möglich?

Praktisch nicht: Kosten, Steuern auf Dividenden, Bargeld im Fonds und Handelszeitpunkte sorgen immer für kleine Abweichungen.

Ist ein hoher Tracking Error schlecht?

Bei einem ETF ja, bei einem aktiven Fonds ist er gewollt. Entscheidend ist dann die Information Ratio.

Welche Werte nutzt Portfolio Lab?

Periodenrenditen in Basiswährung; im Fondsvergleich der Seite Assets stehen Tracking Error und Information Ratio gegen einen wählbaren Vergleichsfonds.

Was ist eine gute Information Ratio?

Über viele Jahre und nach Kosten gilt 0,5 als gut, über 1 als außergewöhnlich. Werte aus drei Jahren sind stark vom Zufall geprägt.

Was ist besser: niedrige Tracking Difference oder niedriger Tracking Error?

Für einen ETF zählt vor allem die Tracking Difference, denn sie kostet Rendite. Ein niedriger Tracking Error zeigt zusätzlich, dass der Fonds verlässlich nachbildet.

Wie wähle ich den richtigen Vergleichsindex?

Er sollte dieselben Märkte, dieselbe Währung und dieselbe Dividendenbehandlung haben wie der Fonds selbst. Ein Fonds mit europäischen Nebenwerten gegen den MSCI World liefert einen hohen Tracking Error, der nichts über die Qualität des Managements sagt.

Warum haben Faktor-ETFs einen hohen Tracking Error?

Weil sie absichtlich anders gewichten als der Marktindex, etwa mehr günstige oder kleine Unternehmen. Das ist ihr Zweck. Der Tracking Error zeigt, wie unterschiedlich ihre Jahre im Vergleich zum Markt ausfallen können, und das auch über mehrere Jahre hinweg.

Literatur

  1. Elton, Edwin J.; Gruber, Martin J.; Comer, George; Li, Kai (2002): Spiders: Where Are the Bugs?. The Journal of Business 75 (3), S. 453–472. doi:10.1086/339891
  2. French, Kenneth R. (2008): Presidential Address: The Cost of Active Investing. The Journal of Finance 63 (4), S. 1537–1573. doi:10.1111/j.1540-6261.2008.01368.x
  3. Frino, Alex; Gallagher, David R. (2001): Tracking S&P 500 Index Funds. The Journal of Portfolio Management 28 (1), S. 44–55. doi:10.3905/jpm.2001.319822
  4. Grinold, Richard C. (1989): The fundamental law of active management. The Journal of Portfolio Management 15 (3), S. 30–37. doi:10.3905/jpm.1989.409211
  5. Grinold, Richard C.; Kahn, Ronald N. (2000): Active Portfolio Management. McGraw-Hill, 2. Auflage.
  6. Roll, Richard (1992): A Mean/Variance Analysis of Tracking Error. The Journal of Portfolio Management 18 (4), S. 13–22. doi:10.3905/jpm.1992.701922
  7. Sharpe, William F. (1991): The Arithmetic of Active Management. Financial Analysts Journal 47 (1), S. 7–9. doi:10.2469/faj.v47.n1.7

Gesamtes Literaturverzeichnis

Dieser Artikel erklärt eine Methode; er ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Zahlenbeispiele sind vereinfacht und gerundet. Alle Begriffe im Glossar.