Index nachbauen: Methodik
Diese Seite beschreibt, wie das Werkzeug Index nachbauen rechnet: welche Index-ETFs als Ziel und welche Bausteine zur Wahl stehen, wie die Gewichte aus der Zusammensetzung des Index-ETFs und aus den Renditen entstehen, warum der Nachbau nach Zusammensetzung als Buy-and-hold mit zurückgerechneten Startgewichten läuft und welche Kennzahlen den Nachbau mit dem Original vergleichen.
Ziele und Bausteine
Ziel ist immer ein ETF auf einen bekannten Index: MSCI World, ACWI, Emerging Markets, Europe, EMU und Pacific ex Japan, FTSE All-World und FTSE Developed, S&P 500 und S&P Composite 1500, Russell 3000 und 1000 sowie zwei Indizes von Solactive. Zu jedem Ziel gibt es einen oder mehrere Bausteinsätze: ETFs auf Regionen (MSCI USA, Europe, Japan …), auf einzelne Länder, auf die Sektoren des S&P 500, auf Größensegmente (S&P 500, MidCap 400, SmallCap 600; Russell 1000 und 2000) oder auf Stile (Value und Growth). Einige Sätze mischen Indexfamilien, etwa den S&P 500 für die USA mit MSCI für den Rest der Welt.
Die Kurse des Ziels kommen, wo möglich, von derselben Börse wie die der Bausteine. Beim S&P 500 etwa rechnet die Seite mit dem US-ETF, weil auch die Sektor-ETFs in New York gehandelt werden; die Sektorgewichte stammen aus der Positionsdatei eines europäischen ETFs auf denselben Index. Alles wird in die gewählte Währung umgerechnet, Euro oder US-Dollar, und auf Monatsenden der abgeschlossenen Monate gerechnet.
Gewichte aus der Zusammensetzung
Für Bausteinsätze nach Ländern oder Sektoren liest die Seite die Positionsdatei des Index-ETFs, wie sie auch der Look-through nutzt, und summiert die Gewichte je Baustein: Der Baustein MSCI Europe bekommt die Anteile aller 15 europäischen Länder, der Baustein Technologie den Anteil der Informationstechnologie. Kasse, Terminkontrakte und Positionen ohne Länderbezug zählen nicht. Länder ohne passenden Baustein stehen als nicht abgedeckt in einem Hinweis, die abgedeckten Gewichte werden auf 100 % hochgerechnet.
Der MSCI EMU ist genau der Teil des MSCI Europe, der auf den Euroraum entfällt: Beide folgen derselben Methodik und decken je Land etwa 85 % des Streubesitzes ab (MSCI GIMI-Methodik 2024). Deshalb nimmt die Seite für den EMU die Ländergewichte des MSCI Europe und behält nur die Länder des Euroraums. Positionsdateien gibt es nur für ETFs mit abrufbarer Datei; für FTSE-, Russell- und Solactive-Ziele bleiben nur die Gewichte aus den Renditen.
Buy-and-hold mit zurückgerechneten Startgewichten
Ein Index nach Börsenwert verhält sich wie Buy-and-hold seiner Teile: Steigt ein Land stärker als der Rest, wächst sein Gewicht von allein, ohne dass der Index umschichtet. Die Gewichte von heute sind deshalb das Ende eines Buy-and-hold seit dem Start des Vergleichs. Die Seite rechnet die Startgewichte zurück und lässt den Nachbau von dort ohne Rebalancing laufen; am Ende hat er genau die Gewichte von heute.
w0_i = (w_i / G_i) / Σ_j (w_j / G_j)- w_i
- Gewicht des Bausteins i heute (aus der Positionsdatei)
- G_i
- Wertzuwachs des Bausteins i über den Zeitraum (letzter durch ersten Kurs)
- w0_i
- Startgewicht des Bausteins i
Wählbar sind auch jährliches oder monatliches Zurücksetzen auf die Gewichte von heute. Diese Varianten zeigen den Fehler, der entsteht, wenn man heutige Anteile in die Vergangenheit überträgt, denn Länder- und Sektoranteile verschieben sich über die Jahre deutlich. Abweichungen des Buy-and-hold-Nachbaus entstehen nur noch durch Aufnahmen und Streichungen, Änderungen des Streubesitzes, Neuordnungen von Sektoren, Kosten und Datenfehler.
Gewichte aus den Renditen
Der zweite Weg braucht keine Positionsdatei: Die Seite sucht wie die Stilanalyse nach Sharpe (1992) die Gewichte w_i ≥ 0 mit Σ w_i = 100 %, bei denen die Schwankung der monatlichen Differenz zwischen Ziel und gewichteten Bausteinen am kleinsten ist. Dieser Nachbau wird jeden Monat auf die geschätzten Gewichte zurückgesetzt, so wie die Regression sie annimmt.
Weil die Gewichte aus genau den Monaten stammen, an denen sie gemessen werden, schmeichelt der Vergleich dem Nachbau. Ehrlicher ist die rollierende Schätzung: Für jeden Monat werden die Gewichte nur aus den vorangehenden 24, 36 oder 60 Monaten geschätzt und auf den Folgemonat angewandt. Mindestens 24 gemeinsame Monate sind nötig; bei vielen Bausteinen und kurzer Historie warnt die Seite, wenn weniger als dreimal so viele Monate wie Bausteine vorliegen.
Kennzahlen
- Abweichung p.a.: Rendite p.a. des Nachbaus minus Rendite p.a. des Index-ETFs; Kostenunterschiede zwischen den ETFs stecken darin.
- Tracking Error: Standardabweichung der monatlichen Differenz, mal √12 aufs Jahr gerechnet; mehr dazu im Artikel Tracking Error.
- Korrelation und R²: wie eng Nachbau und Ziel Monat für Monat zusammenlaufen.
- Größte Abweichung: der größte Abstand der Wertentwicklung, Wert des Nachbaus geteilt durch den Wert des Ziels minus 1, über den ganzen Zeitraum.
- Kalenderjahre: Renditen von Ziel und Nachbau je Jahr und ihre Differenz.
Grenzen
Gerechnet wird mit ETF-Kursen nach Fondskosten und wieder angelegten Ausschüttungen. Ziel und Bausteine schließen teils an verschiedenen Börsen zu verschiedenen Uhrzeiten; das erhöht den Tracking Error auf Monatsbasis, ohne die Abweichung p.a. zu verzerren. Bei US-ETFs ist die Quellensteuer auf Ausschüttungen an europäische Anleger nicht abgezogen. Die ersten Monate einzelner ETFs enthalten Datenfehler; die Seite beginnt den Vergleich dann später und sagt das. Für einige Länder gibt es keinen ETF mehr (etwa Portugal), für MSCI Europe ex EMU keinen mit langer Historie: Dort stehen einzelne Länder-ETFs.
Häufige Fragen
Kann man den MSCI World aus Länder-ETFs nachbauen?
Ja, mit den 22 Länder-ETFs der Industrieländer. Mit Gewichten aus der Zusammensetzung von heute, auf den Start zurückgerechnet und ohne Rebalancing gehalten, läuft der Nachbau sehr nah am Original; teurer ist er wegen der höheren Kosten vieler Länder-ETFs und der vielen Positionen.
Warum ohne Rebalancing?
Weil ein Index nach Börsenwert selbst nicht umschichtet: Die Gewichte wachsen mit den Kursen. Ein Nachbau, der jedes Jahr auf feste Gewichte zurücksetzt, verkauft Gewinner und kauft Verlierer und entfernt sich damit vom Index.
Was bedeutet nicht abgedeckt?
Länder oder Sektoren des Index, für die der Bausteinsatz keinen ETF enthält. Ihr Anteil wird auf die übrigen Bausteine verteilt; die Seite nennt ihn im Hinweis.
Warum unterscheiden sich die Gewichte aus der Zusammensetzung und aus den Renditen?
Die Regression wählt die Mischung, die in der Vergangenheit am besten passte, und kann ähnlich verlaufende Bausteine gegeneinander tauschen. Die Zusammensetzung zeigt die tatsächlichen Anteile von heute.
Literatur
- MSCI Inc. (2024): MSCI Global Investable Market Indexes Methodology. MSCI, November 2024; abgerufen am 25.10.2026. Quelle
- Sharpe, William F. (1992): Asset allocation. The Journal of Portfolio Management 18 (2), S. 7–19. doi:10.3905/jpm.1992.409394
Diese Seite beschreibt, wie Portfolio Lab rechnet; Ergebnisse aus der Vergangenheit sind keine Prognose. Alle Begriffe im Glossar.