Beta und Alpha: wie stark ein Fonds mit dem Markt geht
Beta zeigt, wie stark ein Fonds im Schnitt mitgeht, wenn sich der Markt bewegt: Ein Beta von 1,2 heißt, dass er bei 10 % Marktplus etwa 12 % zulegt und bei 10 % Minus etwa 12 % verliert. Alpha ist die Rendite, die sich mit diesem Marktrisiko nicht erklären lässt. Beides kommt aus einer einfachen Regression.
Beta berechnen
Beta = Kovarianz(Fonds, Markt) / Varianz(Markt)- Kovarianz
- wie stark Fonds und Markt gemeinsam schwanken
- Varianz
- wie stark der Markt allein schwankt
Gleichwertig ist die Steigung der Regressionsgeraden, wenn man die Renditen des Fonds gegen die des Markts aufträgt. Der Achsenabschnitt dieser Geraden ist das Alpha pro Periode, die Güte der Anpassung das R²: der Anteil der Schwankungen des Fonds, den der Markt erklärt.
r_Fonds − r_f = α + β × (r_Markt − r_f) + ε- r_f
- risikofreier Zins der Periode
- α
- Achsenabschnitt: Rendite über dem Marktrisiko
- β
- Steigung: Empfindlichkeit für den Markt
- ε
- Rest: Schwankung, die der Markt nicht erklärt
Schematisch: Alpha ist zur Verdeutlichung größer gezeichnet als im Rechenbeispiel unten (0,16 % pro Monat). Je enger die Punkte an der Geraden liegen, desto höher ist das R².
Sechs Monate sind nur ein Rechenbeispiel. In der Praxis nimmt man 36 bis 60 Monatsrenditen, damit Ausreißer einzelner Monate das Ergebnis nicht bestimmen.
Woher Beta kommt: das CAPM
Beta stammt aus dem Capital Asset Pricing Model, das Sharpe (1964) und unabhängig davon Lintner (1965) entwickelt haben. Die Idee: Das eigene Risiko einer Aktie lässt sich durch Streuung fast vollständig beseitigen, das Marktrisiko nicht. Im Gleichgewicht wird deshalb nur das Marktrisiko mit einer Prämie entlohnt, und Beta misst genau dieses Marktrisiko.
Erwartete Rendite = r_f + β × (erwartete Marktrendite − r_f)Trägt man erwartete Renditen gegen Beta auf, liegen nach dem Modell alle Anlagen auf einer Geraden, der Wertpapiermarktlinie. Mehr zur Theorie und ihren Grenzen im Artikel CAPM.
Beta richtig deuten
| Beta | Bedeutung |
|---|---|
| über 1 | verstärkt Marktbewegungen (Nebenwerte, Technologie, gehebelte Produkte) |
| etwa 1 | bewegt sich wie der Markt (breiter Index-ETF) |
| 0 bis 1 | dämpft Marktbewegungen (defensive Aktien, Mischfonds) |
| etwa 0 | kaum Zusammenhang mit dem Aktienmarkt (Geldmarkt, Gold in vielen Phasen) |
| unter 0 | läuft eher gegen den Markt (zeitweise Staatsanleihen, Volatilitätsprodukte) |
Beta ist nur so gut wie der Vergleichsindex und das R²: Ein Goldminen-ETF mit Beta 0,8 und R² 0,2 bewegt sich überwiegend aus anderen Gründen als dem Aktienmarkt. Im Look-through von Portfolio Lab steht deshalb neben dem Beta je Position immer das R² und der t-Wert.
Ein niedriges Beta heißt auch nicht automatisch geringes Risiko. Ein Rohstoff-ETF kann ein Beta nahe null und trotzdem eine höhere Volatilität als der Aktienmarkt haben. Sein Risiko ist nur ein anderes. Beta misst die Verbindung zum Markt, nicht die Schwankung insgesamt. Umgekehrt gilt: Wer das Beta seines Gesamtportfolios kennt, weiß ungefähr, wie es in einem Aktiencrash reagiert. Ein Portfolio mit Beta 0,6 verliert bei einem Marktrückgang von 30 % im Schnitt etwa 18 %, im Einzelfall mehr oder weniger.
Upside und Downside Capture
Ein einziges Beta unterstellt, dass ein Fonds in steigenden und fallenden Märkten gleich stark mitgeht. Die Capture Ratios trennen beides: Die Upside Capture vergleicht die durchschnittliche Rendite des Fonds in Monaten mit steigendem Markt mit der des Markts, die Downside Capture dasselbe für fallende Monate. Ideal ist eine hohe Upside und eine niedrige Downside Capture.
Alpha: Rendite über dem Marktrisiko
Das Jensen-Alpha ist die Rendite über dem, was der Fonds nach seinem Beta hätte bringen sollen. Jensen (1968) hat es eingeführt, um Investmentfonds zu bewerten, mit einem ernüchternden Ergebnis: Die Fonds seiner Stichprobe konnten den Markt im Schnitt nicht schlagen, schon gar nicht nach Kosten. Ein positives Alpha kann Können sein, aber auch Glück oder ein Faktor, den der Markt allein nicht abbildet, etwa ein Hang zu kleinen oder günstigen Unternehmen. Mehrere Faktoren auf einmal berücksichtigt die Faktorregression nach Fama und French; Carhart (1997) zeigte, dass scheinbar beständige Fondserfolge großteils verschwinden, wenn man Momentum mit einbezieht.
„the high costs of active management show up intact as lower returns to investors“Fama und French (2010) fanden für US-Aktienfonds, dass nur wenige Fonds genug Alpha erzielen, um ihre Kosten zu decken; die Verteilung der Alphas passt weitgehend zu Glück. Ein Alpha aus drei oder fünf Jahren ist deshalb selten ein verlässlicher Hinweis auf Können.
Für Fortgeschrittene: Wie sicher ist ein Beta?
Beta und Alpha sind Schätzungen mit Standardfehlern. Der Standardfehler des Betas wird kleiner mit mehr Beobachtungen, mehr Schwankung des Markts und einem besseren Modell (kleinere Reste ε):
Standardfehler(β) = s_ε / (s_Markt × √(n − 1))- s_ε
- Standardabweichung der Reste der Regression
- s_Markt
- Standardabweichung der Marktrenditen
- n
- Anzahl der Beobachtungen
Im Beispiel ergibt sich ein Standardfehler von 0,09 und ein t-Wert von rund 13. Bei nur sechs Monaten ist das ein Glücksfall des sehr hohen R². Für Alpha ist die Lage viel schlechter: Selbst über zehn Jahre ist ein Alpha von 1 % pro Jahr bei einem Tracking Error von 4 % statistisch kaum von null zu unterscheiden (t-Wert ≈ 1 / 4 × √10 = 0,79).
Betas schwanken außerdem über die Zeit. Sehr hohe und sehr niedrige geschätzte Betas liegen im nächsten Zeitraum oft näher an 1; Datenanbieter schrumpfen sie deshalb häufig zur 1 hin („adjustiertes Beta“, etwa zwei Drittel geschätztes Beta plus ein Drittel mal 1). Und schließlich hängt alles am gewählten Marktindex: Roll (1977) hat darauf hingewiesen, dass das wahre Marktportfolio aller Anlagen nicht beobachtbar ist. Jeder Test des CAPM testet auch den Index.
Was die Forschung zeigt
Das CAPM ist elegant, aber empirisch schwach. Fama und French (2004) fassen zusammen, dass die Wertpapiermarktlinie in den Daten zu flach ist: Aktien mit niedrigem Beta brachten mehr, Aktien mit hohem Beta weniger, als das Modell vorhersagt. Black (1972) hatte eine Erklärung schon früh geliefert: Wer keinen Kredit zum risikofreien Zins aufnehmen kann, greift für mehr Rendite zu Anlagen mit hohem Beta und treibt deren Preise. Frazzini und Pedersen (2014) bestätigen das für US-Aktien, 20 internationale Aktienmärkte, Anleihen und Futures: Hohes Beta ging mit niedrigem Alpha einher. Daraus entstand die Strategie Betting against Beta, siehe Low-Volatility-Anomalie.
Treynor Ratio
Treynor Ratio = (Rendite p. a. − risikofreier Zins) / BetaDie Treynor Ratio ist die Schwester der Sharpe Ratio: Sie teilt nicht durch die gesamte Volatilität, sondern nur durch das Marktrisiko. Sinnvoll ist das für einen Baustein in einem breit gestreuten Portfolio, dessen eigenes Risiko sich wegdiversifiziert. Ein Fonds mit 8 % Rendite, 2 % Zins und Beta 1,2 hat eine Treynor Ratio von (8 − 2) / 1,2 = 5,00 %: So viel Überrendite gab es je Einheit Marktrisiko. Der Markt selbst hat per Definition ein Beta von 1, seine Treynor Ratio ist also einfach seine Überrendite.
So rechnet Portfolio Lab
Im Backtest rechnet Portfolio Lab Beta, Alpha und R² gegen die gewählte Benchmark über alle gemeinsamen Perioden (mindestens sechs). Beta ist Kovarianz durch Varianz der Periodenrenditen. Alpha p. a. ist die mittlere Überrendite des Portfolios minus Beta mal die mittlere Überrendite der Benchmark, mit 12 bzw. 252 auf ein Jahr hochgerechnet; die Überrenditen beziehen sich auf den risikofreien Zins der Periode. R² ist das Quadrat der Korrelation. Upside und Downside Capture vergleichen die geometrischen Mittel in Perioden mit steigender bzw. fallender Benchmark, die Treynor Ratio teilt die annualisierte mittlere Überrendite durch Beta. Im Look-through kommt das Aktien-Beta der Fonds aus 60 Monatsrenditen gegen einen Weltaktienindex. Mehr in der Methodik der Kennzahlen.
Häufige Fragen
Welchen Index soll ich für das Beta nehmen?
Den, der zum Portfolio passt: für ein Weltportfolio einen Weltaktienindex in derselben Währung. Ein deutscher Fonds gegen den S&P 500 in Dollar liefert ein verzerrtes Beta.
Wie viele Daten brauche ich?
Üblich sind 36 bis 60 Monatsrenditen. Mit weniger als 24 ist das Beta sehr unsicher.
Warum hat ein Anleihen-ETF ein positives Beta?
In Phasen, in denen Aktien und Anleihen gleichzeitig auf Zinsen reagieren (etwa 2022), steigt die Korrelation. Über andere Zeiträume kann das Beta von Anleihen nahe null oder negativ sein.
Was ist ein gutes Alpha?
Jedes dauerhaft positive Alpha nach Kosten ist selten. Wichtiger als die Höhe ist, ob es über viele Jahre und gegen einen passenden Maßstab (auch mit Faktoren) besteht.
Was bedeutet ein R² von 0,7?
70 % der Schwankung des Fonds lassen sich mit dem Index erklären, 30 % nicht. Je kleiner das R², desto weniger sagen Beta und Alpha über den Fonds aus.
Kann ich Beta senken, ohne Rendite zu verlieren?
Im CAPM nicht: Weniger Beta heißt weniger erwartete Rendite. In den Daten brachten Aktien mit niedrigem Beta aber oft fast so viel wie der Markt. Ob das so bleibt, ist offen; ein niedriges Beta kostet in starken Aufschwüngen jedenfalls Rendite.
Literatur
- Black, Fischer (1972): Capital Market Equilibrium with Restricted Borrowing. The Journal of Business 45 (3). doi:10.1086/295472
- Carhart, Mark M. (1997): On Persistence in Mutual Fund Performance. The Journal of Finance 52 (1), S. 57–82. doi:10.1111/j.1540-6261.1997.tb03808.x
- Fama, Eugene F; French, Kenneth R (2004): The Capital Asset Pricing Model: Theory and Evidence. Journal of Economic Perspectives 18 (3), S. 25–46. doi:10.1257/0895330042162430
- Fama, Eugene F.; French, Kenneth R. (2010): Luck versus Skill in the Cross-Section of Mutual Fund Returns. The Journal of Finance 65 (5), S. 1915–1947. doi:10.1111/j.1540-6261.2010.01598.x
- Frazzini, Andrea; Pedersen, Lasse Heje (2014): Betting against beta. Journal of Financial Economics 111 (1), S. 1–25. doi:10.1016/j.jfineco.2013.10.005
- Jensen, Michael C. (1968): The Performance of Mutual Funds in the Period 1945–1964. The Journal of Finance 23 (2), S. 389–416. doi:10.1111/j.1540-6261.1968.tb00815.x
- Lintner, John (1965): The Valuation of Risk Assets and the Selection of Risky Investments in Stock Portfolios and Capital Budgets. The Review of Economics and Statistics 47 (1). doi:10.2307/1924119
- Roll, Richard (1977): A critique of the asset pricing theory's tests Part I: On past and potential testability of the theory. Journal of Financial Economics 4 (2), S. 129–176. doi:10.1016/0304-405x(77)90009-5
- Sharpe, William F. (1964): Capital Asset Prices: A Theory of Market Equilibrium under Conditions of Risk. The Journal of Finance 19 (3), S. 425–442. doi:10.1111/j.1540-6261.1964.tb02865.x
Dieser Artikel erklärt eine Methode; er ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Zahlenbeispiele sind vereinfacht und gerundet. Alle Begriffe im Glossar.