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Aktiv oder passiv investieren: ETF gegen Fondsmanager

Grundlagen8 Min. Lesezeit · aktualisiert am 7. September 2026 · 7 Quellen

Aktiv oder passiv? Diese Frage steht hinter fast jeder Fondsauswahl. Passive Fonds wie ETFs bilden einen Index nach und kosten wenig. Aktive Fonds versuchen, den Index durch Auswahl und Timing zu schlagen, und verlangen dafür höhere Gebühren. Die Forschung ist hier ungewöhnlich eindeutig: Im Durchschnitt und über lange Zeiträume liegen die meisten aktiven Fonds nach Kosten hinter ihrem Vergleichsindex. Warum das fast zwangsläufig so ist, zeigt eine einfache Rechnung.

Was aktiv und passiv bedeutet

Ein passiver Fonds kauft die Wertpapiere eines Index in dessen Gewichtung und verändert sie nur, wenn sich der Index ändert. Er will nicht besser sein als der Markt, sondern den Markt möglichst günstig liefern. Ein aktiver Fonds weicht bewusst ab: Er übergewichtet Aktien, die er für aussichtsreich hält, meidet andere oder verändert den Anteil an Aktien und Anleihen. Dafür bezahlt er Analysten und Fondsmanager und handelt häufiger.

Die Grenze ist nicht ganz scharf. Auch ein ETF beruht auf Entscheidungen: Welcher Index, welche Gewichtung, welche Länder? Faktor-ETFs, etwa auf Value oder Momentum, folgen festen Regeln, weichen aber vom Marktportfolio ab (siehe Fama-French-Faktoren). Die Grundfrage bleibt: Lohnt es sich, für Abweichungen vom Markt höhere Kosten zu zahlen?

Die Arithmetik des aktiven Managements

Sharpe (1991) hat in einem kurzen Aufsatz gezeigt, warum aktive Anleger im Mittel verlieren müssen. Teile alle Anleger eines Marktes in zwei Gruppen: Passive halten den Markt, Aktive weichen ab. Zusammen halten beide Gruppen genau den Markt. Vor Kosten muss deshalb die durchschnittliche Rendite der Aktiven gleich der Marktrendite sein: Was einige mehr verdienen, verdienen andere weniger. Nach Kosten liegen die Aktiven im Mittel dahinter, weil sie mehr für Management und Handel bezahlen.

„the average actively managed dollar must underperform the average passively managed dollar“
Auf Deutsch: Der durchschnittlich aktiv verwaltete Dollar muss hinter dem durchschnittlich passiv verwalteten zurückbleiben.Sharpe (1991)

Ein Beispiel macht das greifbar: Ein Markt bringt in einem Jahr 8 %. Die Hälfte des Geldes ist passiv angelegt und erzielt nach 0,2 % Kosten 7,8 %. Die andere Hälfte ist aktiv: Manche Manager schaffen 12 %, andere 4 %, im Durchschnitt vor Kosten genau 8 %. Denn zusammen halten sie, was die Passiven nicht halten, also ebenfalls den Markt. Nach 1,5 % Kosten bleiben den aktiven Anlegern im Mittel 6,5 %.

Diese Aussage braucht keine Annahme über Märkte, Effizienz oder Talent. Sie gilt für den Durchschnitt, nicht für jeden einzelnen Fonds. Ein einzelner Fondsmanager kann besser sein, aber dann muss ein anderer schlechter sein, und vorher weiß man nicht, wer wer ist.

Kosten im Rechenbeispiel

Weil sich Kostenunterschiede jedes Jahr wiederholen, wirken sie über den Zinseszins. Aktive Fonds kosten in Deutschland häufig deutlich über 1 % pro Jahr an laufenden Kosten, dazu können Ausgabeaufschläge kommen; breite ETFs liegen oft bei 0,1 % bis 0,3 %.

French (2008) hat diese Kosten für den ganzen US-Aktienmarkt geschätzt: Im Durchschnitt der Jahre 1980 bis 2006 gaben Anleger jedes Jahr 0,67 % des gesamten Marktwerts für die Suche nach besseren Renditen aus, und zwar für Gebühren, Handelskosten und Beratung. Ein typischer Anleger hätte nach seiner Rechnung 0,67 Prozentpunkte pro Jahr mehr verdient, wenn er passiv investiert hätte.

Was die Daten zeigen

Die regelmäßigen SPIVA-Berichte vergleichen aktive Fonds mit ihren Vergleichsindizes. Für in Europa angebotene Fonds blieben laut SPIVA Europe (2025) über zehn Jahre im fondsgewichteten Durchschnitt aller Kategorien 93 % der Aktienfonds und 79 % der Rentenfonds hinter ihrem Index zurück. Fonds, die in dieser Zeit geschlossen oder verschmolzen wurden, zählen dabei als Verlierer, sonst sähe das Bild zu gut aus.

Dieses Problem heißt Survivorship Bias: Schlechte Fonds verschwinden aus den Datenbanken, und die überlebenden wirken besser, als die Fondsbranche insgesamt war. Brown u. a. (1992) zeigen, dass dieser Effekt fast alle älteren Leistungsstudien verzerrte, nicht nur bei der durchschnittlichen Leistung, sondern auch bei der Rangfolge der Manager. Malkiel (1995) fand mit Daten, die alle Fonds jedes Jahres enthielten, dass Aktienfonds ihre Vergleichsportfolios nach Kosten und sogar vor Kosten verfehlten.

Gibt es dauerhaft gute Manager?

Einzelne Fonds schlagen den Markt über Jahre. Die Frage ist, ob das Können oder Glück ist und ob man die Gewinner vorher erkennen kann. Carhart (1997) untersuchte die Beständigkeit von Fondsrenditen ohne Survivorship Bias. Fast die ganze scheinbare Beständigkeit ließ sich durch gemeinsame Faktoren wie Momentum und durch Kostenunterschiede erklären. Beständig war vor allem eines: Die schlechtesten Fonds blieben schlecht. Hinweise auf systematisch überlegene Manager fand er nicht.

Fama und French (2010) kommen zu einem ähnlichen Ergebnis: Das Gesamtportfolio der aktiven US-Aktienfonds ist dem Marktportfolio sehr ähnlich, aber die hohen Kosten zeigen sich vollständig als niedrigere Rendite der Anleger. Nach ihren Simulationen erwirtschaften nur wenige Fonds genug, um ihre Kosten zu decken; echtes Können vor Kosten zeigt sich höchstens an den äußersten Rändern der Verteilung.

FrageAntwort der Forschung
Schlägt der Durchschnitt der aktiven Fonds den Markt?Vor Kosten nein (Arithmetik), nach Kosten liegt er darunter
Gibt es Fonds, die den Markt schlagen?Einzelne ja, aber kaum mehr, als der Zufall erwarten lässt
Kann man sie vorher erkennen?Kaum: Vergangene Gewinner bleiben selten Gewinner
Was ist am beständigsten?Hohe Kosten und sehr schlechte Ergebnisse

Aktive Fonds prüfen

Wer einen aktiven Fonds in Betracht zieht, kann einige Fragen stellen, die sich mit Daten beantworten lassen:

  • Welcher Index ist der faire Vergleich? Ein Fonds für europäische Nebenwerte muss sich mit einem Nebenwerte-Index messen, nicht mit dem DAX.
  • Wie viel Abweichung gibt es überhaupt? Ein niedriger Tracking Error bei hohen Kosten deutet auf einen „Indexfonds zum Aktivpreis“.
  • Woher kommt die Mehrrendite? Eine Faktorregression oder Stilanalyse zeigt, ob sie aus günstig nachbildbaren Faktoren wie Value oder Nebenwerten stammt.
  • Wie sicher ist das Alpha? Selbst eine gute Sharpe Ratio über einige Jahre ist statistisch unsicher; viele Fonds im Angebot bedeuten viele Zufallsgewinner.

Passiv heißt nicht planlos

Wer passiv investiert, trifft trotzdem wichtige Entscheidungen: Aktienquote, Länderverteilung, Anteil der Schwellenländer, Rebalancing-Regeln und den Umgang mit Krisen. Diese Entscheidungen bestimmen das Ergebnis weit stärker als die Auswahl zwischen zwei ähnlichen Indexfonds. Der Kern passiven Investierens ist nicht Nichtstun, sondern der Verzicht auf Prognosen über einzelne Wertpapiere und Zeitpunkte und auf die Kosten, die solche Prognosen verursachen.

Grenzen und Einwände

Passives Investieren hat eigene Fragen. Wenn immer mehr Geld passiv angelegt wird, wer sorgt dann für richtige Preise? Die Arithmetik von Sharpe gilt unabhängig davon; nur der verbleibende Wettbewerb der Aktiven wird härter. Kapitalgewichtete Indizes kaufen zudem mehr von dem, was schon teuer geworden ist. Deshalb setzen manche auf Gleichgewichtung oder Faktoren. Und auch ETFs haben kleine Abweichungen vom Index durch Kosten und Steuern im Fonds (siehe ETF-Grundlagen).

So rechnet Portfolio Lab

Portfolio Lab bietet mehrere Werkzeuge für den Vergleich. Unter Assets vergleicht der Fondsvergleich Trailing Returns von einem Monat bis 15 Jahren zum gemeinsamen Stichtag samt Rängen und Quartilen. Im Backtest mit Benchmark erscheinen Alpha, Beta, Tracking Error und Information Ratio. Die Stilanalyse und die Faktoren zerlegen die Rendite eines Fonds. Wie diese Kennzahlen berechnet werden, steht in der Methodik der Kennzahlen.

Häufige Fragen

Was ist ein Closet Indexer?

Ein aktiver Fonds, der sich kaum von seinem Index unterscheidet, aber aktive Gebühren verlangt. Erkennbar an einem sehr niedrigen Tracking Error gegenüber dem Vergleichsindex.

Sind Faktor-ETFs aktiv oder passiv?

Dazwischen: Sie folgen festen Regeln und kosten wenig, weichen aber bewusst vom Marktportfolio ab. Ihr Erfolg hängt davon ab, ob die Faktorprämien fortbestehen.

Ist ein ETF besser als ein aktiver Fonds?

Im Durchschnitt nach Kosten ja: Über zehn Jahre blieben laut SPIVA 93 % der in Europa angebotenen aktiven Aktienfonds hinter ihrem Index zurück. Einzelne aktive Fonds können besser sein, sind aber vorher schwer zu erkennen.

Warum schlagen aktive Fonds den Markt so selten?

Weil alle aktiven Anleger zusammen den Markt halten und vor Kosten nur die Marktrendite erzielen können. Ihre höheren Kosten drücken sie im Durchschnitt darunter.

Was kostet ein aktiver Fonds im Vergleich zum ETF?

Oft 1 % bis 2 % pro Jahr gegenüber 0,1 % bis 0,3 % bei breiten ETFs. Über 20 Jahre kostet der Unterschied im Beispiel mehr als 35.000 € bei 50.000 € Anlage.

Was ist Survivorship Bias?

Die Verzerrung, die entsteht, wenn nur noch existierende Fonds betrachtet werden. Schlechte Fonds werden geschlossen und fehlen dann in den Statistiken.

Gibt es Bereiche, in denen aktive Fonds besser sind?

Die Daten zeigen auch für Nebenwerte und Anleihen mehrheitlich Rückstände. Ein dauerhafter Vorteil ist in keiner Kategorie verlässlich nachgewiesen.

Literatur

  1. Brown, Stephen J.; Goetzmann, William; Ibbotson, Roger G.; Ross, Stephen A. (1992): Survivorship Bias in Performance Studies. Review of Financial Studies 5 (4), S. 553–580. doi:10.1093/rfs/5.4.553
  2. Carhart, Mark M. (1997): On Persistence in Mutual Fund Performance. The Journal of Finance 52 (1), S. 57–82. doi:10.1111/j.1540-6261.1997.tb03808.x
  3. Edwards, Tim; Di Gioia, Davide; Chapman, Florence; Didio, Nick (2025): SPIVA Europe Year-End 2024. S&P Dow Jones Indices. Quelle
  4. Fama, Eugene F.; French, Kenneth R. (2010): Luck versus Skill in the Cross-Section of Mutual Fund Returns. The Journal of Finance 65 (5), S. 1915–1947. doi:10.1111/j.1540-6261.2010.01598.x
  5. French, Kenneth R. (2008): Presidential Address: The Cost of Active Investing. The Journal of Finance 63 (4), S. 1537–1573. doi:10.1111/j.1540-6261.2008.01368.x
  6. Malkiel, Burton G. (1995): Returns from Investing in Equity Mutual Funds 1971 to 1991. The Journal of Finance 50 (2), S. 549–572. doi:10.1111/j.1540-6261.1995.tb04795.x
  7. Sharpe, William F. (1991): The Arithmetic of Active Management. Financial Analysts Journal 47 (1), S. 7–9. doi:10.2469/faj.v47.n1.7

Gesamtes Literaturverzeichnis

Dieser Artikel erklärt eine Methode; er ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Zahlenbeispiele sind vereinfacht und gerundet. Alle Begriffe im Glossar.