Währungsrisiko: Wie Wechselkurse die Rendite verändern
Wer als Euro-Anleger in amerikanische, japanische oder Schwellenländer-Aktien investiert, trägt ein Währungsrisiko: Der Wert der Anlage in Euro hängt nicht nur vom Kurs der Aktien ab, sondern auch vom Wechselkurs. Ein schwacher Dollar kann einen guten US-Börsenjahrgang auffressen, ein starker ihn verdoppeln. Dieser Artikel zeigt, wie das rechnerisch funktioniert, welche Währung wirklich zählt und wann sich eine Absicherung lohnt.
So wirkt der Wechselkurs auf die Rendite
Die Rendite in Euro setzt sich aus zwei Teilen zusammen: der Rendite der Anlage in ihrer eigenen Währung und der Veränderung des Wechselkurses. Beide werden multipliziert, nicht einfach addiert.
Rendite in Euro = (1 + Rendite in Fremdwährung) × (1 + Veränderung der Fremdwährung gegenüber dem Euro) − 1- Rendite in Fremdwährung
- z. B. Kursgewinn und Dividenden von US-Aktien in Dollar
- Veränderung der Fremdwährung
- positiv, wenn der Dollar gegenüber dem Euro steigt
Maßstäblich mit Start = 100. Weil die beiden Teile multipliziert werden, wirkt der Wechselkurs auf 108: −10 % sind 10,8 Punkte, das Ergebnis liegt bei 97,2.
Wechselkurse schwanken stark. Bei Aktien fällt das weniger ins Gewicht, weil die Aktien selbst noch stärker schwanken und sich beide Effekte teilweise ausgleichen. Bei Anleihen ist es anders: Eine Staatsanleihe in Dollar schwankt in ihrer Währung wenig, der Wechselkurs aber viel. Für Euro-Anleger wird aus einer ruhigen Anleihe so eine schwankende Währungswette.
Welche Währung wirklich zählt
Ein häufiger Irrtum betrifft die Fondswährung. Viele ETFs auf den Welt-Aktienmarkt werden in Dollar berechnet und an deutschen Börsen in Euro gehandelt. Weder die Fondswährung noch die Handelswährung bestimmt das Währungsrisiko. Entscheidend sind die Währungen der Wertpapiere im Fonds. Ein Welt-ETF enthält Aktien in Dollar, Yen, Pfund, Euro und weiteren Währungen, unabhängig davon, in welcher Währung der Fondspreis angegeben wird.
Im MSCI World lag der US-Anteil laut MSCI World Factsheet (2026) Ende September 2026 bei 72,94 %, Japan bei 5,91 %. Ein Euro-Anleger mit einem Welt-ETF trägt also zu rund drei Vierteln ein Dollarrisiko, auch wenn er den ETF in Euro kauft und der Kurs in Euro angezeigt wird. Umgekehrt hat ein ETF auf europäische Aktien, der in Dollar notiert, für Euro-Anleger kaum Dollarrisiko.
Faustregel: Das Währungsrisiko eines Fonds folgt den Ländern, in denen er investiert, nicht der Währung auf dem Factsheet.
Absicherung und ihre Kosten
Währungsgesicherte Fondsklassen („EUR Hedged“) sichern den Wechselkurs laufend mit Devisentermingeschäften ab, meist monatlich. Der Anleger erhält dann annähernd die Rendite in der Fremdwährung plus die Zinsdifferenz zwischen Euro und Fremdwährung. Liegt der Dollarzins über dem Eurozins, kostet die Absicherung diese Differenz; liegt er darunter, bringt sie etwas ein. Dazu kommen höhere laufende Kosten der gesicherten Klasse.
Ob die Absicherung im Erwartungswert „kostet“, ist umstritten. Nach einer verbreiteten Sicht gleicht ein höherer Zins einer Währung ihre erwartete Abwertung aus; dann wäre die Absicherung im Mittel kostenlos. In der Praxis hält diese Gleichung über kurze Zeiträume oft nicht, über lange eher.
Für Fortgeschrittene: Warum die Absicherung die Zinsdifferenz kostet
Ein Devisentermingeschäft legt heute den Wechselkurs für einen späteren Tag fest. Banken bestimmen diesen Terminkurs so, dass sich keine risikolose Gewinnmöglichkeit ergibt (gedeckte Zinsparität): Wer Euro heute in Dollar tauscht, dort zum Dollarzins anlegt und den Rücktausch per Termin sichert, darf nicht mehr verdienen als mit einer Anlage zum Eurozins.
Terminkurs = Kassakurs × (1 + Zins Fremdwährung) / (1 + Zins Euro)- Kassakurs
- heutiger Kurs, hier in Dollar je Euro
- Terminkurs
- vereinbarter Kurs für den Rücktausch in einem Jahr
Beispiel: Ein Euro kostet heute 1,10 Dollar, der Dollarzins liegt bei 4 %, der Eurozins bei 2 %. Dann liegt der Terminkurs für ein Jahr bei 1,10 × 1,04 / 1,02 = 1,1216 Dollar je Euro. Wer seine Dollaranlage absichert, tauscht in einem Jahr also zu einem für ihn um rund 2 % schlechteren Kurs zurück. Das ist genau die Zinsdifferenz. Liegt der Eurozins über dem Dollarzins, dreht sich das Vorzeichen, und die Absicherung bringt einen kleinen Ertrag.
Was die Forschung zeigt
Perold und Schulman (1988) argumentierten, die Absicherung von Fremdwährungen sei ein „Free Lunch“: Sie senke das Risiko eines internationalen Portfolios, ohne die erwartete Rendite zu schmälern, weil Währungen langfristig keine eigene Rendite bringen. Diese Sicht prägte lange die Praxis vieler Pensionsfonds.
Froot (1993) widersprach für lange Horizonte: Die Fähigkeit von Absicherungen, die Schwankung zu verringern, gilt über kurze Zeiträume, aber nicht über mehrere Jahre. Über lange Horizonte senkte eine volle Absicherung die Schwankung nicht, bei vielen Portfolios erhöhte sie sie sogar. Ein Grund: Wechselkurse neigen langfristig dazu, Unterschiede in Preisniveaus auszugleichen.
Campbell u. a. (2010) zeigten, dass sich Währungen in Krisen sehr unterschiedlich verhalten. Von 1975 bis 2005 bewegten sich der US-Dollar, der Euro und der Schweizer Franken entgegen den Weltaktienmärkten: Sie gewannen tendenziell, wenn Aktien fielen. Für Aktienanleger, die Risiko minimieren wollen, sind solche Währungen deshalb attraktiv, auch wenn sie im Mittel wenig bringen. Für reine Anleiheportfolios kamen sie dagegen auf eine fast vollständige Absicherung.
Wann sich Absicherung lohnt
| Anlage | Typische Empfehlung |
|---|---|
| Fremdwährungsanleihen (sicherer Teil) | absichern, sonst dominiert das Währungsrisiko |
| Aktien, lange Anlagedauer | meist ungesichert; Währungen gleichen sich teils aus und können in Krisen stützen |
| Aktien, kurzer Horizont | Absicherung kann Schwankung senken, kostet aber ggf. Zinsdifferenz |
| Gold und Rohstoffe | Preise in Dollar; gesicherte Varianten nehmen den Dollareffekt heraus |
Viele Anleger entscheiden sich für einen einfachen Weg: Aktien weltweit ungesichert, den sicheren Teil in Euro-Anleihen oder Tagesgeld. Damit ist das Währungsrisiko dort, wo es am wenigsten stört, und der sichere Teil bleibt wirklich sicher. Mehr zur Länderverteilung im Weltportfolio, zur Rolle des sicheren Teils im 60/40-Portfolio.
Schwellenländer und kleinere Währungen
Bei Schwellenländern ist das Währungsrisiko oft größer, und eine Absicherung ist teurer, weil die Zinsen dort meist höher sind als im Euroraum. Abgesicherte Schwellenländer-Aktien-ETFs sind deshalb selten. Bei Anleihen aus Schwellenländern unterscheidet man zwischen Anleihen in Dollar (Hartwährung), bei denen das Dollarrisiko abgesichert werden kann, und Anleihen in Landeswährung, bei denen die Währung ein wesentlicher Teil der erwarteten Rendite und des Risikos ist.
Grenzen und Missverständnisse
- „Ein Euro-ETF hat kein Währungsrisiko.“ Falsch, wenn er außereuropäische Aktien enthält. Nur die Wertpapiere zählen.
- „Absicherung ist kostenlos.“ Sie kostet die Zinsdifferenz und meist etwas höhere Gebühren; ob das im Erwartungswert ein Verlust ist, ist offen.
- „Absicherung macht Aktien sicher.“ Sie nimmt nur das Wechselkursrisiko heraus; das Kursrisiko der Aktien bleibt vollständig.
- „Kurzfristige Wechselkursprognosen helfen.“ Wechselkurse sind kurzfristig kaum vorhersagbar; Absicherung nach Gefühl ist Market Timing mit Währungen.
So rechnet Portfolio Lab
Portfolio Lab rechnet jede Kursreihe in die gewählte Währung um, standardmäßig in Euro, und zwar mit täglichen Wechselkursen. Ein US-Indexfonds in Dollar zeigt im Backtest also die Rendite, die ein Euro-Anleger tatsächlich erlebt hätte, inklusive Wechselkurs. Währungsgesicherte Fondsklassen sind eigene Wertpapiere mit eigener Kursreihe und lassen sich direkt mit der ungesicherten Variante vergleichen. Wie die Umrechnung genau abläuft, beschreibt die Methodik des Backtests.
Häufige Fragen
Was bedeutet EUR Hedged bei einem ETF?
Die Fondsklasse sichert die Fremdwährungen der enthaltenen Wertpapiere gegen den Euro ab, meist monatlich mit Devisentermingeschäften. Die Rendite entspricht dann ungefähr der Rendite in Landeswährung plus der Zinsdifferenz.
Lohnt sich eine Absicherung bei Gold?
Gold wird in Dollar gehandelt. Eine gesicherte Variante nimmt den Dollareffekt heraus; ungesichert schwankt Gold für Euro-Anleger zusätzlich mit dem Wechselkurs. Ob das stört, hängt von der Rolle des Goldes im Portfolio ab.
Was ist Währungsrisiko bei ETFs?
Das Risiko, dass sich der Wert ausländischer Wertpapiere in Euro durch Wechselkursänderungen verändert. Es hängt von den Wertpapieren im Fonds ab, nicht von der Fondswährung.
Spielt die Fondswährung eines ETFs eine Rolle?
Für das Währungsrisiko nein. Entscheidend sind die Währungen der enthaltenen Aktien oder Anleihen.
Lohnen sich währungsgesicherte ETFs?
Bei Anleihen in Fremdwährung meist ja, bei Aktien mit langem Horizont eher nicht. Die Absicherung kostet ungefähr die Zinsdifferenz zwischen den Währungen.
Wie viel Dollarrisiko hat ein MSCI-World-ETF?
Ungefähr so viel wie der US-Anteil im Index, Ende September 2026 also rund drei Viertel (72,94 %).
Warum stieg der Dollar oft, wenn Aktien fielen?
In Krisen suchen Anleger weltweit sichere Häfen, darunter den Dollar. Studien zeigen, dass Dollar, Euro und Schweizer Franken sich über Jahrzehnte eher entgegen den Aktienmärkten bewegten.
Literatur
- Campbell, John Y.; Serfaty-de Medeiros, Karine; Viceira, Luis M. (2010): Global Currency Hedging. The Journal of Finance 65 (1), S. 87–121. doi:10.1111/j.1540-6261.2009.01524.x
- Froot, Kenneth A. (1993): Currency Hedging over Long Horizons. National Bureau of Economic Research, Working Paper 4355. doi:10.3386/w4355
- MSCI Inc. (2026): MSCI World Index (GBP), Factsheet, Stand 30. September 2026. MSCI. Quelle
- Perold, Andre F.; Schulman, Evan C. (1988): The Free Lunch in Currency Hedging: Implications for Investment Policy and Peformance Standards. Financial Analysts Journal 44 (3), S. 45–50. doi:10.2469/faj.v44.n3.45
Dieser Artikel erklärt eine Methode; er ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Zahlenbeispiele sind vereinfacht und gerundet. Alle Begriffe im Glossar.