Weltportfolio: Die ganze Welt in einem oder zwei ETFs
Ein Weltportfolio streut das Aktienvermögen über alle wichtigen Börsen der Welt: Industrieländer und Schwellenländer, große und mittlere Unternehmen. Es ist der einfachste Weg, den Home Bias zu vermeiden und am Wachstum der Weltwirtschaft teilzuhaben. Doch zwischen MSCI World, MSCI ACWI und FTSE All-World gibt es Unterschiede, und die Frage nach dem richtigen Anteil der Schwellenländer führt zu verschiedenen Lösungen. Hier sind die Zahlen dazu.
Die wichtigsten Welt-Indizes
Welt-ETFs bilden meist einen der großen Indizes nach. Sie gewichten die Unternehmen nach ihrem frei handelbaren Börsenwert: Je größer ein Unternehmen, desto mehr Gewicht hat es. Die Zahlen unten stammen aus den Factsheets mit Stand 30. September 2026.
| Index | Unternehmen | Länder | Anteil USA |
|---|---|---|---|
| MSCI World | 1.249 | 23 Industrieländer | 72,94 % |
| MSCI ACWI | 2.414 | 23 Industrie- und 24 Schwellenländer | 64,21 % |
| MSCI Emerging Markets | 1.165 | 24 Schwellenländer | – |
Der MSCI World enthält nur Industrieländer; laut MSCI World Factsheet (2026) deckt er in jedem Land etwa 85 % des frei handelbaren Börsenwerts ab. Der MSCI ACWI („All Country World Index“) ergänzt die Schwellenländer und deckt nach MSCI ACWI Factsheet (2026) etwa 85 % des weltweit investierbaren Aktienmarkts ab. Der FTSE All-World verfolgt dasselbe Ziel wie der ACWI mit eigener Methodik; er ordnet einzelne Länder anders ein (Südkorea etwa zählt dort zu den Industrieländern). Für Anleger sind ACWI und All-World weitgehend austauschbar.
Im MSCI Emerging Markets dominieren laut MSCI EM Factsheet (2026) wenige Märkte: Taiwan mit 28,94 %, Südkorea mit 21,4 %, China mit 19,8 % und Indien mit 10,65 %. Wer Schwellenländer beimischt, holt sich damit vor allem asiatische Technologie- und Industrieunternehmen ins Depot.
Wie groß ist der Anteil der Schwellenländer?
Die Factsheets nennen den Anteil der Schwellenländer am ACWI nicht direkt, er lässt sich aber ausrechnen. Wenn die Industrieländer im ACWI dieselben Unternehmen mit denselben Gewichten zueinander enthalten wie im MSCI World, dann ist das Verhältnis der US-Anteile gleich dem Anteil der Industrieländer im ACWI.
Wer einen MSCI-World-ETF mit einem Schwellenländer-ETF im Verhältnis 88 zu 12 kombiniert, bildet damit ungefähr den ACWI nach. Viele Anleger wählen bewusst einen höheren Anteil, etwa 70 zu 30. Mehr dazu unten.
Varianten des Weltportfolios
| Variante | Umsetzung | Schwellenländer |
|---|---|---|
| Ein-ETF-Lösung | MSCI ACWI oder FTSE All-World | Marktgewicht (≈ 12 %) |
| Zwei ETFs nach Marktgewicht | World + Emerging Markets im Verhältnis ≈ 88/12 | ≈ 12 % |
| 70/30-Weltportfolio | World 70 % + Emerging Markets 30 % | 30 % |
| Weltportfolio mit Faktoren | Beimischung von Value-, Nebenwerte- oder weiteren Faktor-ETFs | je nach Aufteilung |
Das 70/30-Weltportfolio wurde in Deutschland unter anderem durch das Buch von Kommer (2018) bekannt. Es gewichtet Schwellenländer etwa nach ihrem Anteil an der Weltwirtschaft statt nach Börsenwert. Die Begründung: Schwellenländer erwirtschaften einen großen Teil der weltweiten Wirtschaftsleistung, sind an der Börse aber kleiner vertreten, weil viele ihrer Unternehmen nicht oder nur teilweise börsennotiert sind.
Eine Abweichung vom Marktgewicht ist eine aktive Entscheidung. Sie kann sich lohnen oder nicht. Eine sichere Mehrrendite der Schwellenländer gibt es nicht.
Was die Forschung zeigt
Den Nutzen internationaler Streuung hat Solnik (1974) früh belegt: Weil Märkte verschiedener Länder nicht im Gleichschritt laufen, sinkt das Risiko eines Aktienportfolios mit ausländischen Aktien deutlich stärker als mit mehr heimischen Titeln. French und Poterba (1991) zeigten, dass Anleger diesen Vorteil trotzdem kaum nutzten und fast nur heimische Aktien hielten.
Langfristige Länderdaten von Dimson u. a. (2002) machen sichtbar, wie unterschiedlich einzelne Märkte über ein Jahrhundert abschnitten. Das ist ein Argument, sich nicht auf ein Land zu verlassen. Und Fama und French (2012) untersuchten Größe, Value und Momentum in Nordamerika, Europa, Japan und dem asiatisch-pazifischen Raum und fanden Value-Prämien in allen vier Regionen, die außer in Japan mit der Unternehmensgröße abnehmen; Momentum zeigte sich überall außer in Japan. Wer sein Weltportfolio um Faktoren ergänzen möchte, findet die Grundlagen im Artikel Fama-French-Faktoren.
Marktgewicht oder eigene Gewichtung?
Die Gewichtung nach Börsenwert hat eine theoretische Grundlage: Das Marktportfolio ist das Portfolio, das alle Anleger zusammen halten (siehe CAPM). Es braucht keine Prognosen, verursacht wenig Handel und passt sich von selbst an. Der Nachteil: Länder und Unternehmen, deren Kurse stark gestiegen sind, bekommen immer mehr Gewicht. Im Moment führt das zu einem sehr hohen US-Anteil.
- Börsenwert: einfach, günstig, keine Prognose nötig, aber hohe Konzentration auf die größten Märkte.
- Wirtschaftsleistung (BIP): mehr Schwellenländer und Europa, weniger USA; erfordert Rebalancing zwischen mehreren ETFs.
- Gleichgewichtung von Regionen: maximale Streuung nach Ländern, aber große Abweichung vom Markt und häufigeres Umschichten.
Alle drei sind vertretbar. Wichtiger als die genaue Gewichtung ist, dass man sie versteht, durchhält und regelmäßig per Rebalancing zurücksetzt.
Große, mittlere und kleine Unternehmen
Die Standardindizes enthalten nur große und mittlere Unternehmen. Kleine Werte fehlen weitgehend; sie stecken in erweiterten Indizes wie dem MSCI ACWI IMI („Investable Market Index“) oder in eigenen Nebenwerte-ETFs. Nach Börsenwert machen kleine Unternehmen nur einen kleineren Teil des Marktes aus, erhöhen aber die Zahl der Titel deutlich. Wer sie beimischt, streut breiter und setzt zugleich auf den Größeneffekt, dessen Prämie in der Forschung umstritten ist (siehe Fama-French-Faktoren).
Schritt für Schritt zum eigenen Weltportfolio
- Aktienquote festlegen: Zuerst entscheiden, welcher Teil des Vermögens überhaupt in Aktien geht und welcher sicher angelegt wird. Das bestimmt das Risiko stärker als jede Indexwahl (siehe 60/40-Portfolio).
- Indexlösung wählen: Ein ETF auf ACWI oder All-World für maximale Einfachheit, oder World plus Emerging Markets für eine eigene Gewichtung.
- Schwellenländeranteil bestimmen: Marktgewicht (gut ein Zehntel) oder bewusst mehr, etwa 20 % bis 30 %. Die Entscheidung einmal treffen und dokumentieren.
- ETF auswählen: Auf laufende Kosten, Fondsgröße, Abbildungsmethode und Ertragsverwendung achten; Details unter ETF-Grundlagen.
- Regeln für später festlegen: Bei zwei ETFs einmal im Jahr oder bei größeren Abweichungen zurück zur Zielgewichtung; neue Sparraten bevorzugt in den untergewichteten Teil lenken.
Wer mehrere ETFs kombiniert, sollte Überschneidungen prüfen: Ein MSCI World und ein zusätzlicher S&P-500-ETF erhöhen den US-Anteil noch weiter; ein ACWI-ETF plus Schwellenländer-ETF zählt die Schwellenländer doppelt. Genau diese Überschneidungen macht das Look-through sichtbar.
Umsetzung und Kosten
- Laufende Kosten: Breite Welt-ETFs gehören zu den günstigsten Fonds. Ein Kostenunterschied von wenigen Zehntelprozent wirkt über Jahrzehnte trotzdem spürbar (siehe Zinseszins).
- Ein oder zwei ETFs: Eine Ein-ETF-Lösung braucht kein Rebalancing zwischen Regionen. Zwei ETFs erlauben eine eigene Gewichtung, verlangen aber regelmäßiges Ausgleichen.
- Währung: Ein Welt-ETF bringt zu einem großen Teil Dollarrisiko mit, unabhängig von der Fondswährung (siehe Währungsrisiko).
- Ausschüttung: Thesaurierend oder ausschüttend ist für die Rendite vor Steuern gleich (siehe thesaurierend oder ausschüttend).
So rechnet Portfolio Lab
Portfolio Lab enthält mehrere Weltportfolios als Vorlagen: je einen ETF auf den FTSE All-World und den MSCI ACWI, das Kommer-Weltportfolio 70/30 und mit Faktoren sowie lange Reihen aus Anlageklassen in Euro. Im Look-through siehst du, wie sich dein Depot tatsächlich auf Länder, Regionen und Sektoren verteilt, auch über mehrere ETFs hinweg. Im Backtest vergleichst du Marktgewicht und 70/30 über denselben Zeitraum. Wie die Länderzuordnung aus den Positionslisten entsteht, beschreibt die Methodik des Look-through.
Häufige Fragen
Reicht ein einziger Welt-ETF?
Für viele Anleger ja: Ein ETF auf ACWI oder All-World streut über Tausende Unternehmen in Industrie- und Schwellenländern. Zusätzliche ETFs sind nur nötig, wenn man bewusst anders gewichten will.
Was ist der MSCI ACWI IMI?
Eine erweiterte Version des ACWI, die zusätzlich kleine Unternehmen enthält. Sie deckt den investierbaren Weltaktienmarkt noch breiter ab.
MSCI World oder MSCI ACWI?
Der MSCI World enthält nur Industrieländer, der ACWI zusätzlich Schwellenländer mit rund 12 % Gewicht. Wer Schwellenländer will, nimmt den ACWI oder kombiniert World und Emerging Markets.
Was ist besser: FTSE All-World oder MSCI ACWI?
Beide bilden den Weltaktienmarkt mit Industrie- und Schwellenländern ab und sind weitgehend austauschbar. Unterschiede liegen in Details wie der Einordnung Südkoreas und in Kosten des jeweiligen ETFs.
Wie viel Schwellenländer gehören ins Depot?
Nach Börsenwert gut ein Zehntel, nach Wirtschaftsleistung deutlich mehr. Beides ist vertretbar; ein höherer Anteil ist eine aktive Entscheidung mit eigenem Risiko. Keine Anlageberatung.
Warum ist der US-Anteil im MSCI World so hoch?
Weil der Index nach Börsenwert gewichtet und die USA den größten Aktienmarkt haben. Ende September 2026 lag ihr Anteil bei 72,94 %.
Was ist das Weltportfolio nach Gerd Kommer?
Eine Aufteilung mit etwa 70 % Industrieländern und 30 % Schwellenländern, in erweiterten Varianten ergänzt um Faktoren, Immobilien und Rohstoffe.
Literatur
- Dimson, Elroy; Marsh, Paul; Staunton, Mike (2002): Triumph of the Optimists: 101 Years of Global Investment Returns. Princeton University Press.
- Fama, Eugene F.; French, Kenneth R. (2012): Size, value, and momentum in international stock returns. Journal of Financial Economics 105 (3), S. 457–472. doi:10.1016/j.jfineco.2012.05.011
- French, Kenneth; Poterba, James (1991): Investor Diversification and International Equity Markets. National Bureau of Economic Research, Working Paper 3609. doi:10.3386/w3609
- Kommer, Gerd (2018): Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen. Campus Verlag, 5. Auflage.
- MSCI Inc. (2026): MSCI World Index (GBP), Factsheet, Stand 30. September 2026. MSCI. Quelle
- MSCI Inc. (2026): MSCI ACWI Index (GBP), Factsheet, Stand 30. September 2026. MSCI. Quelle
- MSCI Inc. (2026): MSCI Emerging Markets Index (USD), Factsheet, Stand 30. September 2026. MSCI. Quelle
- Solnik, Bruno H. (1974): Why Not Diversify Internationally Rather Than Domestically?. Financial Analysts Journal 30 (4), S. 48–54. doi:10.2469/faj.v30.n4.48
Dieser Artikel erklärt eine Methode; er ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Zahlenbeispiele sind vereinfacht und gerundet. Alle Begriffe im Glossar.