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60/40-Portfolio: Die klassische Mischung aus Aktien und Anleihen

Grundlagen8 Min. Lesezeit · aktualisiert am 12. September 2026 · 6 Quellen

Das 60/40-Portfolio legt 60 % in Aktien und 40 % in Anleihen an. Es gilt seit Jahrzehnten als Standard für ausgewogene Portfolios: Die Aktien sorgen für Wachstum, die Anleihen dämpfen Rückschläge. In diesem Artikel rechnen wir Rendite und Risiko durch, zeigen, warum trotzdem fast das ganze Risiko von den Aktien kommt, und wie Euro-Anleger die Mischung umsetzen.

Was das 60/40-Portfolio ist

Die Idee ist einfach: zwei breite Anlageklassen, die sich unterschiedlich verhalten, in festem Verhältnis. Aktien bringen langfristig die höhere Rendite, schwanken aber stark. Hochwertige Anleihen bringen weniger, schwanken weniger und haben in vielen Krisen stabilisiert. Das feste Verhältnis wird regelmäßig wiederhergestellt. Das Rebalancing gehört fest zur Strategie.

Eine feste theoretische Herkunft hat das Verhältnis nicht. Es hat sich in der Praxis gemischter Fonds und Pensionskassen als Mittelweg durchgesetzt: genug Aktien für ein reales Wachstum über Jahrzehnte, genug Anleihen, um Rückschläge erträglich zu halten und Auszahlungen leisten zu können. Gerade weil die Regel so einfach ist, dient sie heute als Vergleichsmaßstab für viele andere Strategien, auch in Portfolio Lab.

Für Anleger in Euro sieht eine typische Umsetzung so aus: 60 % in einem weltweiten Aktien-ETF (etwa auf einen Welt- oder All-World-Index, siehe Weltportfolio) und 40 % in Euro-Staatsanleihen mittlerer Laufzeit. Anleihen in Fremdwährung ohne Absicherung würden die Schwankung durch Wechselkurse erhöhen. Mehr dazu unter Währungsrisiko.

Rendite und Risiko im Rechenbeispiel

Die erwartete Rendite einer Mischung ist der gewichtete Durchschnitt der Einzelrenditen. Beim Risiko kommt die Korrelation ins Spiel: Je weniger Aktien und Anleihen im Gleichschritt laufen, desto stärker sinkt die Volatilität der Mischung.

Rendite = 0,6 × r_A + 0,4 × r_B Volatilität = √(0,6² σ_A² + 0,4² σ_B² + 2 × 0,6 × 0,4 × ρ × σ_A × σ_B)
r_A, r_B
erwartete Renditen von Aktien und Anleihen
σ_A, σ_B
Volatilitäten
ρ
Korrelation zwischen Aktien und Anleihen

Das ist die wichtigste und oft übersehene Eigenschaft des 60/40-Portfolios: Es ist nach Kapital ausgewogen, nicht nach Risiko. Weil Aktien rund dreimal so stark schwanken wie Anleihen, bestimmen sie fast allein, wie sich das Portfolio in einer Krise verhält. Wer das ändern möchte, landet bei Ansätzen wie Risk Parity und dem All-Weather-Portfolio. Wie man Risikoanteile berechnet, erklärt der Artikel zum Risikobeitrag.

Nach Kapital ausgewogen, nach Risiko nicht: die beiden Teile des 60/40-Portfolios

Risikoanteile aus dem Rechenbeispiel oben (Aktien 16 %, Anleihen 5 % Volatilität, Korrelation 0,1): 94,1 % und 5,9 %.

Für Fortgeschrittene: Warum ausgerechnet 60 %?

Eine theoretische Herleitung für genau 60 % gibt es nicht; die Zahl ist eine bewährte Konvention. Rechnet man mit den Annahmen von oben und einem risikofreien Zins von 1,5 % das Portfolio mit der höchsten Sharpe Ratio aus (das Tangentialportfolio der Effizienzlinie), landet man bei nur 37,9 % Aktien: erwartete Rendite 4,21 %, Volatilität 7,09 %, Sharpe Ratio 0,38. Das 60/40-Portfolio kommt auf 0,37. Es ist also fast gleich effizient, bringt aber mehr Rendite und mehr Schwankung.

Daraus folgt eine wichtige Einsicht der Portfoliotheorie: Wer mehr Rendite will, muss nicht unbedingt den Aktienanteil erhöhen; er könnte auch das effizientere Portfolio mit etwas Kredit hebeln. Die meisten Privatanleger nehmen dafür keinen Kredit auf und erhöhen stattdessen die Aktienquote. Genau diese Hebelaversion (Leverage Aversion) nutzen Asness u. a. (2012) als Erklärung für den Erfolg von Risk Parity. Die Zahlen hängen stark von den Annahmen ab: Kleine Änderungen der erwarteten Renditen verschieben das optimale Verhältnis deutlich.

Rebalancing: Das Verhältnis halten

Ohne Eingriff verschiebt sich das Verhältnis mit den Kursen. Steigen Aktien jahrelang, wird aus 60/40 schleichend 75/25, und das Portfolio ist riskanter als geplant. Fallen sie, sinkt die Aktienquote genau dann, wenn Aktien günstig sind.

Perold und Sharpe (1988) haben gezeigt, dass eine Strategie mit festen Gewichten in schwankenden, seitwärts laufenden Märkten im Vorteil ist, in langen Trends dagegen hinter Kaufen und Halten zurückbleibt. In der Praxis haben sich Rebalancing einmal im Jahr oder bei einer Abweichung von etwa 5 Prozentpunkten bewährt; Details und Varianten stehen im Artikel Rebalancing.

Was die Forschung zeigt

Dass eine Mischung weniger schwankt als ihre Teile, ist der Kern der Portfoliotheorie von Markowitz (1952). Wie wichtig die Grundaufteilung für das Ergebnis ist, untersuchten Brinson u. a. (1986) an großen US-Pensionsfonds: Die langfristige Anlagepolitik (also das Verhältnis der Anlageklassen) erklärt den Großteil der Schwankung ihrer Renditen über die Zeit; Market Timing und Titelauswahl spielen eine viel kleinere Rolle.

Ibbotson und Kaplan (2000) haben diese oft falsch zitierte Aussage präzisiert. Sie fanden, dass die Anlagepolitik etwa 90 % der Schwankung eines Fonds über die Zeit erklärt, aber nur etwa 40 % der Unterschiede zwischen verschiedenen Fonds, und im Mittel etwa 100 % der Höhe der Rendite. Für Privatanleger heißt das: Die Entscheidung „wie viel Aktien?“ ist die wichtigste überhaupt; die Wahl einzelner Fonds innerhalb einer Anlageklasse ist zweitrangig.

Weniger beständig ist die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen. In Phasen mit niedriger, stabiler Inflation liefen Anleihen in Aktienkrisen oft nach oben und dämpften die Verluste. Bei steigender Inflation und steigenden Zinsen können beide gleichzeitig fallen. So geschah es 2022, als sowohl Aktien als auch Anleihen deutlich verloren. Das Rechenbeispiel oben zeigt, wie stark die Korrelation das Risiko verändert.

Varianten: 70/30, 80/20 und 50/50

Mischung (Aktien/Anleihen)erwartete RenditeVolatilität (ρ = 0,1)
40/604,30 %7,33 %
50/504,75 %8,62 %
60/405,20 %10,00 %
70/305,65 %11,45 %
80/206,10 %12,94 %

Die Tabelle beruht auf denselben angenommenen Werten wie oben. Mit jedem zusätzlichen Zehntel Aktien steigt die erwartete Rendite um 0,45 Prozentpunkte, die Schwankung aber überproportional. Welche Mischung passt, hängt vom Anlagehorizont und davon ab, welchen Verlust man aushält, ohne zu verkaufen. Faustregeln zur Aktienquote nach Lebensalter bespricht der Artikel Aktienquote nach Alter.

Lange Reihen in Euro

Für Euro-Anleger lässt sich das 60/40-Portfolio mit Anlageklassen weit zurückrechnen, etwa mit weltweiten Aktien und zehnjährigen Bundesanleihen. Solche langen Reihen zeigen Phasen, die in den kurzen Historien von ETFs fehlen: Jahrzehnte mit hoher Inflation, mit steigenden und mit fallenden Zinsen. Gerade diese Vielfalt ist wichtig, um die Mischung nicht nur am letzten Jahrzehnt zu beurteilen, in dem Anleihen von sinkenden Zinsen und Aktien von einem langen Aufschwung profitierten.

Kritik und Grenzen

Einen anderen Weg gingen große Stiftungen: Statt nur Aktien und Anleihen zu mischen, streut etwa das Vermögen der Yale-Universität über viele Anlageklassen bis hin zu Private Equity und Immobilien, beschrieben von Swensen (2000). Für Privatanleger sind solche Anlagen schwer zugänglich und teuer; das Grundprinzip (breiter streuen als nur 60/40) zeigt aber, dass die klassische Mischung nur eine von vielen sinnvollen Aufteilungen ist.

  • Risiko konzentriert: Fast das gesamte Risiko kommt aus den Aktien; die Anleihen wirken vor allem als Puffer.
  • Abhängig vom Zinsumfeld: Bei sehr niedrigen Zinsen tragen Anleihen wenig zur Rendite bei, bei steigenden Zinsen verlieren sie an Kurswert (siehe Duration).
  • Inflation: Gegen eine anhaltend hohe Inflation schützen nominale Anleihen schlecht; Beimischungen wie inflationsgeschützte Anleihen, Rohstoffe oder Gold werden deshalb diskutiert (siehe Gold im Portfolio).
  • Nicht „sicher“: Auch ein 60/40-Portfolio kann in schweren Krisen ein Viertel oder mehr verlieren. Der Maximum Drawdown im Backtest zeigt, was in der Vergangenheit passiert ist.

So rechnet Portfolio Lab

In Portfolio Lab findest du mehrere 60/40-Vorlagen: weltweite Aktien mit Euro-Staatsanleihen als ETF-Variante, eine lange Reihe aus Anlageklassen (Welt-Aktien und zehnjährige Bundesanleihen) und das klassische US-Portfolio aus Indexfonds. Im Backtest wählst du das Rebalancing (keins, monatlich bis jährlich oder mit Toleranzband) und siehst die Entwicklung der Gewichte, den Risikobeitrag je Anlage und die Drawdowns. Die Volatilität wird aus Monats- oder Tagesrenditen hochgerechnet; wie genau, steht in der Methodik des Backtests.

Häufige Fragen

Ist 60/40 für junge Anleger geeignet?

Junge Anleger mit langem Horizont und sicherem Einkommen können oft mehr Aktien tragen. Entscheidend ist, ob man einen tiefen Rückgang aushält, ohne zu verkaufen. Keine Anlageberatung.

Was ist der Unterschied zwischen 60/40 und einem Mischfonds?

Ein Mischfonds hält Aktien und Anleihen in einem Produkt, oft aktiv verwaltet und mit höheren Kosten. Ein 60/40 aus zwei ETFs ist meist günstiger und transparenter, verlangt aber eigenes Rebalancing.

Welche Rendite hat ein 60/40-Portfolio?

Das hängt vom Zeitraum ab. Im Rechenbeispiel mit 7 % für Aktien und 2,5 % für Anleihen sind es 5,20 % pro Jahr. Historische Werte für deinen Zeitraum zeigt der Backtest.

Ist das 60/40-Portfolio tot?

Nach 2022, als Aktien und Anleihen gleichzeitig fielen, wurde das oft behauptet. Die Mischung bleibt sinnvoll, ist aber vom Zins- und Inflationsumfeld abhängig und nicht so ausgewogen, wie das Verhältnis vermuten lässt.

Welche ETFs für ein 60/40-Portfolio?

Typisch sind ein breiter Welt-Aktien-ETF und ein ETF auf Euro-Staatsanleihen mittlerer Laufzeit. Keine Anlageberatung. Entscheidend sind Kosten, Breite und Währung.

Wie oft sollte man ein 60/40-Portfolio rebalancen?

Einmal im Jahr oder bei einer Abweichung von etwa fünf Prozentpunkten ist in der Praxis verbreitet. Häufigeres Umschichten bringt meist wenig, kostet aber Gebühren und Steuern.

Warum kommt das Risiko fast nur aus Aktien?

Weil Aktien etwa dreimal so stark schwanken wie Anleihen. Im Beispiel tragen sie 60 % des Kapitals, aber 94 % des Risikos.

Literatur

  1. Asness, Clifford S.; Frazzini, Andrea; Pedersen, Lasse H. (2012): Leverage Aversion and Risk Parity. Financial Analysts Journal 68 (1), S. 47–59. doi:10.2469/faj.v68.n1.1
  2. Brinson, Gary P.; Hood, L. Randolph; Beebower, Gilbert L. (1986): Determinants of Portfolio Performance. Financial Analysts Journal 42 (4), S. 39–44. doi:10.2469/faj.v42.n4.39
  3. Ibbotson, Roger G.; Kaplan, Paul D. (2000): Does Asset Allocation Policy Explain 40, 90, or 100 Percent of Performance?. Financial Analysts Journal 56 (1), S. 26–33. doi:10.2469/faj.v56.n1.2327
  4. Markowitz, Harry (1952): Portfolio Selection. The Journal of Finance 7 (1), S. 77–91. doi:10.1111/j.1540-6261.1952.tb01525.x
  5. Perold, Andre F.; Sharpe, William F. (1988): Dynamic Strategies for Asset Allocation. Financial Analysts Journal 44 (1), S. 16–27. doi:10.2469/faj.v44.n1.16
  6. Swensen, David F. (2000): Pioneering Portfolio Management: An Unconventional Approach to Institutional Investment. Free Press.

Gesamtes Literaturverzeichnis

Dieser Artikel erklärt eine Methode; er ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Zahlenbeispiele sind vereinfacht und gerundet. Alle Begriffe im Glossar.