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Finanzziele-Methodik: wie Portfolio Lab einen Lebensplan simuliert

Fortgeschritten7 Min. Lesezeit · aktualisiert am 24. Oktober 2026 · 8 Quellen

Diese Finanzziele-Methodik beschreibt, was hinter der Seite Finanzziele steckt: Ein Zahlungsplan aus Sparraten, Einkommen, Entnahmen und einmaligen Zielen läuft Monat für Monat über Tausende simulierte Renditepfade, auf Wunsch mit deutschen Steuern auf jeden Verkauf und einem Gleitpfad vom Aktien- ins Anleiheportfolio. Am Ende steht für jedes Ziel, wie oft es voll bezahlt wird, und welche Sparrate noch fehlt.

Der Zahlungsplan

Jede Zeile des Plans ist eine Zahlung mit Art, Betrag, Rhythmus, Zeitraum, Inflationsbindung, Dynamik und Priorität; dazu kommt das Startvermögen (Voreinstellung 50.000 €). Fünf Arten gibt es:

ArtRichtungWirkung
SparrateEinzahlunglaufend, monatlich, quartalsweise oder jährlich
Einzahlung (einmalig)Einzahlungeinmal am Ende des Januars im Jahr „Von“
Einkommen (laufend)EinzahlungRente, Miete oder Teilzeit, netto; deckt Ausgaben im selben Monat direkt
Entnahme (laufend)Ausgabedarf auch teilweise bezahlt werden
Ziel (einmalig)Ausgabeetwa Eigenkapital oder Auto, am Ende des Januars im Jahr „Von“

Beträge gelten in heutiger Kaufkraft und steigen mit der eingestellten Inflation (Voreinstellung 2 % p. a., wählbar 0 bis 15 %); ohne Häkchen bleiben sie nominal fest. Die Dynamik erhöht den Betrag zusätzlich je Kalenderjahr seit dem Startjahr, etwa eine Sparrate, die mit dem Gehalt wächst. Quartalsweise Zahlungen fallen im Januar, April, Juli und Oktober an, jährliche im Januar. Der Plan beginnt heute; Monat 1 ist das Ende des laufenden Monats und zählt nur mit den restlichen Tagen (am 24.10. also 7 von 31), einmalige Zahlungen im laufenden Jahr fallen dorthin. Das Planungsende ist das letzte Jahr einer Zahlung, mindestens aber zehn Jahre ab heute. Zeilen ohne Betrag oder Jahr werden übersprungen und gemeldet; eine laufende Zahlung ohne „Bis“ gilt nur im Startjahr.

Betrag_m = Betrag heute × (1 + i)^(m/12) × (1 + g)^(Jahr − Startjahr)
i
Inflation p. a. (nur mit Inflationsbindung)
g
Dynamik p. a.
m
Monate ab heute bis zum Termin: im ersten Monat der Rest (7/31 am 24.10.), danach je Monat 1 mehr

Renditepfade

Die Renditen kommen aus dem gewählten Portfolio des Rasters, monatlich auf die Gewichte zurückgesetzt, ohne Kosten. Gezogen wird mit den Verfahren der Monte-Carlo-Methodik; voreingestellt ist hier der Block-Bootstrap mit Jahresblöcken, dazu 2.000 Pfade und ein fester Startwert, sodass gleiche Eingaben gleiche Ergebnisse liefern. Eigene Annahmen für Rendite und Volatilität gibt es bei den parametrischen Verfahren. Mit Gleitpfad zählt immer die gemeinsame Historie beider Portfolios: Beim Bootstrap werden für beide dieselben Monate gezogen, parametrisch gilt ihre historische Kovarianz. So bleibt ihr Zusammenhang erhalten.

Ablauf eines Monats

  1. Im Januar: Vorabpauschale des Vorjahres ermitteln und den Sparer-Pauschbetrag erneuern.
  2. Monatsrendite auf das Depot anwenden, im ersten Monat nur anteilig für die restlichen Tage: (1 + r)^(7/31) − 1 am 24.10.
  3. Einzahlungen des Monats als Barmittel bereitstellen; daraus zuerst die Steuer auf die Vorabpauschale bezahlen, fehlt Geld, per Verkauf.
  4. Im Januar mit Gleitpfad: auf den Zielanteil umschichten, wenn die Abweichung größer als 2 Prozentpunkte ist.
  5. Ausgaben bezahlen: erst Hoch, dann Mittel, dann Niedrig, innerhalb einer Stufe in der Reihenfolge des Plans; Barmittel zuerst, der Rest durch Verkauf.
  6. Übrige Barmittel anlegen, mit Gleitpfad zuerst im untergewichteten Teil.

Verfügbar für eine Ausgabe ist, was beim Verkauf des ganzen Depots nach Steuern übrig bliebe, plus die restlichen Barmittel des Monats. Mehr wird nie bezahlt; ist das Depot leer, bleibt es leer, denn Kredite gibt es nicht.

Prioritäten und Reserve

Ausgaben mit Priorität Hoch werden bezahlt, soweit Geld da ist. Mittel und Niedrig kommen nur zum Zug, wenn danach genug übrig bleibt, um alle künftigen Ausgaben höherer Priorität zu decken: Für Mittel zählt die Reserve für Hoch, für Niedrig die Reserve für Hoch und Mittel. Ein einmaliges Ziel wird dann ganz oder gar nicht bezahlt, eine laufende Entnahme auch teilweise. So streicht das Modell die Weltreise, bevor die Lebenshaltung im Alter in Gefahr gerät. Ohne Prioritäten werden alle Ausgaben wie Hoch behandelt.

Die Reserve ist der Barwert der künftigen Ausgaben, rückwärts Monat für Monat gerechnet. Künftige Einzahlungen mindern sie nur, soweit sie vor der jeweiligen Ausgabe eingehen; Überschüsse späterer Jahre decken keine früheren Lücken. Abgezinst wird mit der erwarteten Rendite der simulierten Pfade (geometrisches Mittel, annualisiert) minus einem Sicherheitsabschlag, voreingestellt 1 Prozentpunkt (wählbar 0 bis 10).

Reserve_m = max(0; Reserve_(m+1) + Ausgaben_(m+1) − Einzahlungen_(m+1)) / (1 + z)
z
Rechenzins je Monat = (1 + erwartete Rendite − Abschlag)^(1/12) − 1

Steuern auf Verkäufe

Mit eingeschalteten Steuern führt die Simulation je Pfad ein Depot mit Wert, Einstandswert, Verlustvortrag und restlichem Sparer-Pauschbetrag (1.000 € ledig, 2.000 € zusammen veranlagt). Gerechnet wird mit Durchschnittskosten statt FIFO: Jeder verkaufte Euro enthält denselben Gewinnanteil 1 − Einstandswert / Wert. Davon bleibt die über alle Titel gewichtete Teilfreistellung frei; Verlustvortrag und Pauschbetrag mindern den Rest, der mit Abgeltungsteuer, Soli und gegebenenfalls Kirchensteuer belastet wird (EStG 2009). Entnahmen werden brutto so hoch verkauft, dass netto der geplante Betrag ankommt. Der Einstandswert des heutigen Depots ist wählbar: 70 % heißt, 30 % des Werts sind bereits Kursgewinne.

Die Vorabpauschale wird jedes Jahr im Januar für das Vorjahr fällig: Basiszins × 0,7 auf den Wert zu Jahresbeginn, höchstens der Wertzuwachs, für Käufe im Jahr um ein Zwölftel je vollem Monat vor dem Kauf gekürzt (InvStG 2016). Sie betrifft nur Investmentfonds und erhöht den Einstandswert. Als Basiszins gilt für alle künftigen Jahre der aktuelle Wert (2026: 3,2 %). Die Regeln je Wertpapierart beschreibt die Steuer-Methodik.

Zum Vergleich zeigt die Seite die Erfolgsquote ohne Steuern auf denselben Pfaden. Der Abstand ist der Preis der Steuer für den Plan.

Gleitpfad zwischen zwei Portfolios

Optional liegt das Vermögen in zwei Töpfen, etwa einem Aktienportfolio A und einem Anleiheportfolio B. Der Zielanteil von A bleibt bis zum Jahr „ab“ auf dem Startwert, sinkt bis zum Jahr „bis“ linear und bleibt dann auf dem Endwert; sind beide Jahre gleich, wechselt er auf einmal. Einzahlungen gehen zuerst in den untergewichteten Topf, Entnahmen kommen anteilig aus beiden, und im Januar wird umgeschichtet, wenn der Anteil mehr als 2 Prozentpunkte vom Pfad abweicht, mit Steuern auf den Verkauf. Die Schaltfläche 110 minus Alter setzt das Jahr „ab“ auf heute, den Startanteil auf 110 − Alter und den Endanteil auf 110 − Alter im Jahr „bis“.

Ob die Aktienquote mit dem Alter sinken sollte, ist weniger klar, als die Faustregel nahelegt: Arbeitseinkommen wirkt bei jungen Menschen wie eine Anleihe im Vermögen (Cocco u. a. 2005; Bodie u. a. 1992), im Ruhestand kann dagegen eine wieder steigende Aktienquote das Risiko früher Verluste mindern (Pfau und Kitces 2013). Mehr dazu im Artikel Aktienquote nach Alter.

Ergebnisse und Sparraten-Rechner

  • Erfolgsquote je Ziel: Anteil der Pfade, in denen die Zahlung in jedem fälligen Monat voll geleistet wurde; dazu der durchschnittlich finanzierte Anteil und das Jahr der ersten Lücke (Median).
  • Gesamtquoten: Anteil der Pfade, in denen alle Ausgaben mit Priorität Hoch beziehungsweise alle Ausgaben voll bezahlt wurden, und Anteil der Pfade, deren Vermögen irgendwann aufgebraucht ist.
  • Vermögensfächer mit den Perzentilen 10 bis 90, nominal oder in heutiger Kaufkraft, dazu Steuern je Jahr und das Endvermögen nach Steuern bei Verkauf.

Der Sparraten-Rechner sucht die zusätzliche monatliche Sparrate in heutiger Kaufkraft, mit der die Ziel-Erfolgsquote (Voreinstellung 90 %, wählbar 50 bis 99 %) für alle Ausgaben mit Priorität Hoch erreicht wird. Die Sparrate läuft ab heute bis zum Jahr vor der ersten solchen Ausgabe. Gesucht wird per Intervallhalbierung auf denselben Pfaden: erst ab 100 € verdoppeln, bis das Ziel erreicht ist, dann auf 1 € genau eingrenzen und aufrunden. Wären mehr als 1 Mio. € im Monat nötig, meldet die Seite das Ziel als nicht erreichbar.

Grenzen

  • Inflation, Basiszins und Steuersätze sind über die ganze Laufzeit fest; Gesetzesänderungen kennt das Modell nicht.
  • Ein gemeinsamer Verlustvortrag für alle Titel: Anders als im Backtest gibt es keinen eigenen Topf für Aktienverluste. Die Simulation kennt nur die Rendite des ganzen Portfolios, nicht die einzelner Aktien; ein getrennter Topf ließe sich so nicht rechnen.
  • Für das laufende Jahr gilt das Vermögen heute als Wert zu Jahresbeginn, denn es ist ein bestehendes Depot: Die Vorabpauschale im nächsten Januar rechnet mit ihm, gedeckelt durch den Wertzuwachs ab heute. Wurde das Depot erst in diesem Jahr gekauft, wäre sie tatsächlich niedriger (ein Zwölftel weniger je vollem Monat vor dem Kauf).
  • Keine Transaktionskosten und keine unsichere Lebensdauer: Der Plan endet in einem festen Jahr. Wie Langlebigkeit das Ruinrisiko verändert, zeigt Milevsky und Robinson (2000).
  • Die Reserve rechnet mit einem festen Zins und ohne Steuern auf künftige Verkäufe. Sie ist eine Regel für die Reihenfolge, keine Garantie.
  • Wie bei jeder Monte-Carlo-Rechnung sind die Ergebnisse nur so gut wie die Historie oder die Annahmen dahinter (Glasserman 2003). Vergleichswerte für feste Entnahmeraten liefert Bengen (1994), mehr im Artikel Entnahmerate.

Häufige Fragen

Was bedeutet Priorität Mittel oder Niedrig?

Solche Ausgaben werden nur bezahlt, wenn danach genug Vermögen für alle künftigen wichtigeren Ausgaben bleibt. Ein einmaliges Ziel fällt dann ganz aus, statt teilweise bezahlt zu werden.

Warum ist die Erfolgsquote mit Steuern niedriger?

Jede Entnahme muss brutto höher verkauft werden, damit netto der geplante Betrag ankommt, und die Vorabpauschale kostet jedes Jahr etwas. Die Seite zeigt beide Quoten auf denselben Pfaden.

Zählt Einkommen wie eine Sparrate?

Einkommen ist eine laufende Einzahlung, die Ausgaben im selben Monat direkt deckt. Nur der Rest wird aus dem Depot entnommen; ein Überschuss wird angelegt.

Bis wann läuft die zusätzliche Sparrate des Rechners?

Bis zum Jahr vor der ersten Ausgabe mit Priorität Hoch. Gibt es keine solche Ausgabe, zählt die erste Ausgabe überhaupt.

Welcher Einstandswert ist richtig?

Der Anteil des heutigen Depotwerts, den du tatsächlich eingezahlt hast. Bei einem neuen Depot sind es 100 %, bei einem alten mit hohen Kursgewinnen weniger.

Literatur

  1. Bengen, William P. (1994): Determining Withdrawal Rates Using Historical Data. Journal of Financial Planning. Quelle
  2. Bodie, Zvi; Merton, Robert C.; Samuelson, William F. (1992): Labor supply flexibility and portfolio choice in a life cycle model. Journal of Economic Dynamics and Control 16 (3-4), S. 427–449. doi:10.1016/0165-1889(92)90044-f
  3. Cocco, João F.; Gomes, Francisco J.; Maenhout, Pascal J. (2005): Consumption and Portfolio Choice over the Life Cycle. Review of Financial Studies 18 (2), S. 491–533. doi:10.1093/rfs/hhi017
  4. Deutscher Bundestag (2009): Einkommensteuergesetz (EStG), § 20 (Kapitalvermögen) und § 32d (Abgeltungsteuer). Bundesgesetzblatt; Fassung auf gesetze-im-internet.de. Quelle
  5. Deutscher Bundestag (2016): Investmentsteuergesetz (InvStG), §§ 16, 18, 19 und 20 (Investmenterträge, Vorabpauschale, Veräußerung, Teilfreistellung). Bundesgesetzblatt; Fassung auf gesetze-im-internet.de. Quelle
  6. Glasserman, Paul (2003): Monte Carlo Methods in Financial Engineering. Springer.
  7. Milevsky, Moshe Arye; Robinson, Chris (2000): Self-Annuitization and Ruin in Retirement. North American Actuarial Journal 4 (4), S. 112–124. doi:10.1080/10920277.2000.10595940
  8. Pfau, Wade D.; Kitces, Michael E. (2013): Reducing Retirement Risk with a Rising Equity Glide-Path. SSRN. doi:10.2139/ssrn.2324930

Gesamtes Literaturverzeichnis

Diese Seite beschreibt, wie Portfolio Lab rechnet; Ergebnisse aus der Vergangenheit sind keine Prognose. Alle Begriffe im Glossar.