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Reale Rendite: was nach der Inflation übrig bleibt

Grundlagen7 Min. Lesezeit · aktualisiert am 7. September 2026 · 6 Quellen

Die reale Rendite zeigt, wie viel mehr du dir von deinem Geld tatsächlich kaufen kannst. Sie ist die Rendite nach Abzug der Inflation und über lange Zeiträume der Unterschied zwischen „Zahl auf dem Konto“ und echtem Wohlstand. Wer Ziele wie den Ruhestand plant, sollte grundsätzlich in realen Größen denken.

Reale Rendite berechnen

reale Rendite = (1 + nominale Rendite) / (1 + Inflation) − 1
nominale Rendite
Rendite in Euro, wie sie auf dem Konto erscheint
Inflation
Anstieg der Verbraucherpreise im selben Zeitraum

Den Zusammenhang hat Irving Fisher formuliert (Fisher 1930): (1 + nominal) = (1 + real) × (1 + Inflation). Die einfache Differenz ist bei niedriger Inflation eine brauchbare Näherung. Bei hoher Inflation wird der Fehler spürbar: 10 % nominal bei 8 % Inflation sind real nicht 2 %, sondern 1,10 / 1,08 − 1 = 1,85 %.

Was das über 30 Jahre bedeutet

100.000 € über 30 JahreErgebnis
nominal mit 7 % pro Jahr761.226 €
in heutiger Kaufkraft (real 4,39 %)362.909 €
100.000 € ohne Rendite, nach 2,5 % InflationKaufkraft von 47.674 €

Selbst moderate Inflation halbiert die Kaufkraft eines nicht angelegten Betrags in knapp 30 Jahren: Bei 2,5 % pro Jahr dauert es ln 2 / ln 1,025 = 28,1 Jahre. Für Planungen wie Entnahmepläne sollten Beträge deshalb real gerechnet werden. Sonst wirken künftige Summen größer, als sie sind. Wer heute 2.000 € im Monat zum Leben braucht, braucht bei 2,5 % Inflation in 30 Jahren rund 4.200 €, um sich dasselbe leisten zu können.

100.000 € über 30 Jahre: nominal und real

Formeln: 100.000 € × 1,07^t, × (1,07 / 1,025)^t und / 1,025^t, Endwerte wie in der Tabelle oben. Die Lücke zwischen Kontostand und Kaufkraft wächst jedes Jahr; ohne Rendite ist nach 28,1 Jahren die Hälfte der Kaufkraft weg.

Steuern treffen die nominale Rendite

Besteuert wird der nominale Ertrag, nicht der reale. Das macht Inflation für Anleger teurer, als die reine Kaufkraftrechnung zeigt. Ein vereinfachtes Beispiel mit Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag (26,375 %) auf den vollen Jahresertrag, etwa bei Zinsen:

Bei Aktien-ETFs ist der Effekt kleiner, weil Kursgewinne erst beim Verkauf versteuert werden und die Teilfreistellung greift (siehe Abgeltungsteuer und Teilfreistellung). Das Prinzip bleibt: Je höher die Inflation, desto größer der Anteil der Steuer an der realen Rendite.

Reale Rendite in der Planung

Für Ziele, die in der Zukunft liegen, ist die reale Rendite die passende Rechengröße. Willst du real 3 % pro Jahr erreichen und rechnest mit 2,5 % Inflation, brauchst du nominal 1,03 × 1,025 − 1 = 5,575 %, nicht 5,5 %. Umgekehrt lässt sich jede nominale Renditeannahme in eine reale übersetzen, bevor man sie mit heutigen Preisen vergleicht.

Praktisch heißt das: Sparraten, Entnahmen und Zielbeträge in heutiger Kaufkraft angeben und mit realen Renditen rechnen. Ein Sparplan, der jedes Jahr mit der Inflation steigt, ist real ein gleichbleibender Sparplan; eine Entnahme, die nominal konstant bleibt, schrumpft real. Werkzeuge wie Finanzziele oder die Monte-Carlo-Simulation können beides. Wichtig ist, nicht nominale Renditen mit realen Ausgaben zu mischen.

Typische Denkfehler

  • Geldillusion: Ein Gehalt oder Depot, das nominal steigt, fühlt sich nach Wohlstand an, auch wenn die Preise schneller gestiegen sind.
  • Renditen verschiedener Jahrzehnte vergleichen: 8 % Zins in den 1980er-Jahren bei 5 % Inflation waren real kaum mehr als 3 % heute bei 0 % Inflation.
  • Ziele nominal setzen: „Eine Million bis zur Rente“ klingt nach viel, ist in 30 Jahren bei 2,5 % Inflation aber nur noch rund 477.000 € in heutiger Kaufkraft.
  • Kosten unterschätzen: Laufende Kosten von 0,5 % pro Jahr sind bei einer realen Rendite von 4 % ein Achtel des Ertrags, nicht ein Zweihundertstel des Vermögens.
  • Die eigene Inflation ignorieren: Wer zur Miete wohnt oder viel fährt, kann deutlich mehr Preissteigerung spüren als der Durchschnittsindex.

Welche Inflation?

  • Für Anleger in Deutschland: der Verbraucherpreisindex (VPI) oder der harmonisierte Index (HVPI) für den Euroraum.
  • Für die eigene Lebenshaltung kann die Inflation abweichen, etwa durch Miete, Mobilität oder Gesundheit.
  • Staatsanleihen mit Inflationsschutz (Linker) zahlen eine reale Rendite plus Inflation. Ihr Zins zeigt, welche reale Rendite der Markt für sichere Anlagen erwartet.

Aus normalen und inflationsgeschützten Staatsanleihen gleicher Laufzeit lässt sich die Breakeven-Inflation ablesen: die Inflation, bei der beide gleich viel bringen. Rentiert die normale Anleihe mit 2,6 % und die inflationsgeschützte real mit 0,5 %, liegt sie bei 1,026 / 1,005 − 1 = 2,09 % pro Jahr. Sie enthält allerdings auch eine Prämie für das Inflationsrisiko, die Bekaert und Wang (2010) für mehrere Länder schätzen. Sie ist also keine reine Prognose.

Was die Geschichte zeigt

Über lange Zeiträume entscheidet die reale Rendite über den Vermögensaufbau. Dimson u. a. (2002) dokumentieren reale Renditen von Aktien, Anleihen und Geldmarkt in 16 Ländern über 101 Jahre: Aktien lagen real fast überall vorn, aber mit großen Unterschieden zwischen Ländern und Jahrzehnten; Anleihen und Geldmarkt brachten real wenig, in Ländern mit hoher Inflation sogar deutliche Verluste. Siegel (2014) zeigt dasselbe Bild für die USA seit 1802.

Eine eigene Auswertung der monatlichen US-Daten von Robert Shiller ergibt für Aktien (mit Dividenden) von 1881 bis Mitte 2023 eine reale Rendite von 6,53 % pro Jahr. Der schlechteste Zwanzigjahreszeitraum endete im Juni 1921 mit −0,22 % pro Jahr real. Selbst für Aktien war Inflation also zwei Jahrzehnte lang ein ebenbürtiger Gegner.

Kurzfristig schützen weder Aktien noch Anleihen zuverlässig vor Inflation. Fama und Schwert (1977) fanden für die USA, dass beide gegen unerwartete Inflation kaum Schutz boten; 2022 verloren Aktien und Anleihen gleichzeitig, als die Inflation sprunghaft stieg. Auch Gold gilt oft als Inflationsschutz. Erb und Harvey (2013) prüfen diese These kritisch und finden, dass der reale Goldpreis stark schwankt (siehe Gold im Portfolio).

Für Fortgeschrittene: real rechnen im Backtest

  • Periode für Periode: Reale Monatsrenditen entstehen aus (1 + r) / (1 + Monatsinflation) − 1. Verkettet ergeben sie dieselbe reale Endrendite wie die Division des Endwerts durch das Preisniveau.
  • Preisindex statt Jahresrate: Für Zeitreihen nimmt man den Preisindex selbst (Deflator) und teilt jeden Vermögenswert durch das Preisniveau zum selben Zeitpunkt.
  • Fehlende Monate: Preisindizes erscheinen monatlich und mit Verzögerung. Zwischen Monatswerten wird interpoliert, am aktuellen Rand fehlt die Inflation noch. Reale Werte der letzten Wochen sind vorläufig.
  • Kettenindizes: Lange Inflationsreihen sind aus mehreren Indizes verkettet (etwa nationaler VPI und HVPI); am Übergang wird das Niveau angeglichen.

So rechnet Portfolio Lab

Im Backtest lässt sich die Inflation für Deutschland, den Euroraum, die USA, die Schweiz oder Großbritannien wählen; automatisch gilt die Region der Basiswährung. Für Deutschland ist der Verbraucherpreisindex mit dem HVPI ab 1996 verkettet, für den Euroraum dient der deutsche Index vor 1997 als Näherung. Aus den Monatswerten entsteht ein Preisniveau je Tag (log-linear zwischen den Monaten); außerhalb der Datenreihe nimmt Portfolio Lab keine Inflation an und weist darauf hin. Angezeigt werden realer Endwert, reale CAGR, der reale Wertverlauf und die Inflation je Kalenderjahr. Die Rechenwege stehen in der Methodik des Backtests. Welche Inflation der Markt einpreist, zeigt der Reiter Markterwartungen auf Makro (siehe Markterwartungen).

Häufige Fragen

Was ist die Fisher-Formel?

Der Zusammenhang (1 + nominal) = (1 + real) × (1 + Inflation) nach Irving Fisher. Das ist genau die Formel oben, nach der realen Rendite aufgelöst.

Ist Tagesgeld real ein Verlust?

Wenn der Zins unter der Inflation liegt, ja: Die Kaufkraft sinkt, auch wenn der Kontostand steigt.

Welche reale Rendite hatten Aktien?

In den USA von 1881 bis 2023 rund 6,5 % pro Jahr mit Dividenden; in vielen anderen Ländern weniger, mit großen Schwankungen zwischen Jahrzehnten. Für die Planung sind vorsichtigere Annahmen sinnvoll.

Sollte ich in der Planung mit realen oder nominalen Werten rechnen?

Mit realen: Dann bleiben Beträge in heutiger Kaufkraft vergleichbar, und du musst Ausgaben nicht mit der Inflation hochrechnen. Wichtig ist nur, Rendite und Ausgaben in derselben Logik zu rechnen.

Was ist Breakeven-Inflation?

Die Inflation, bei der eine normale und eine inflationsgeschützte Staatsanleihe gleicher Laufzeit gleich viel bringen. Sie zeigt grob, welche Inflation der Markt erwartet.

Literatur

  1. Bekaert, Geert; Wang, Xiaozheng (2010): Inflation risk and the inflation risk premium. Economic Policy 25 (64), S. 755–806. doi:10.1111/j.1468-0327.2010.00253.x
  2. Dimson, Elroy; Marsh, Paul; Staunton, Mike (2002): Triumph of the Optimists: 101 Years of Global Investment Returns. Princeton University Press.
  3. Erb, Claude B.; Harvey, Campbell R. (2013): The Golden Dilemma. Financial Analysts Journal 69 (4), S. 10–42. doi:10.2469/faj.v69.n4.1
  4. Fama, Eugene F.; Schwert, G.William (1977): Asset returns and inflation. Journal of Financial Economics 5 (2), S. 115–146. doi:10.1016/0304-405x(77)90014-9
  5. Fisher, Irving (1930): The Theory of Interest. Macmillan. Quelle
  6. Siegel, Jeremy J. (2014): Stocks for the Long Run. McGraw-Hill Education, 5. Auflage.

Gesamtes Literaturverzeichnis

Dieser Artikel erklärt eine Methode; er ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Zahlenbeispiele sind vereinfacht und gerundet. Alle Begriffe im Glossar.