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DAX im Porträt: 40 Werte, wenig Deutschland, viel Welt

Vertiefung13 Min. Lesezeit · aktualisiert am 5. November 2026 · 27 Quellen

Der DAX ist der bekannteste deutsche Aktienindex: 40 große Unternehmen, die an der Frankfurter Wertpapierbörse im regulierten Markt notiert sind, nach dem Börsenwert ihres Streubesitzes ausgewählt und gewichtet und mit wieder angelegten Dividenden berechnet. Dieses Porträt zeigt, nach welchen Regeln der Index entsteht, wie stark wenige Werte ihn prägen, warum seine Unternehmen nur rund ein Fünftel ihres Umsatzes in Deutschland machen und wie er sich seit 1988 verändert hat. Dazu kommt der Vergleich mit dem MSCI Germany, dem deutschen Länderindex von MSCI. Alle Zahlen stammen aus Factsheets und Berichten mit Stand 30. September 2026, sofern nichts anderes dabeisteht.

Die Regeln: 40 Plätze, Rangliste nach Streubesitz, Gewinnhürde für Neulinge

MerkmalDAX
AnbieterSTOXX Ltd. (Gruppe Deutsche Börse), Administrator seit September 2019
Start und Basis1. Juli 1988; 1.000 Punkte am 30. Dezember 1987
Zahl der Wertefest 40 (bis 19. September 2021: 30)
RanglisteBörsenwert des Streubesitzes, bewertet mit dem Durchschnittskurs aus 20 Handelstagen
VoraussetzungenRegulierter Markt in Frankfurt, fortlaufender Handel auf Xetra, Streubesitz ab 10 %, Mindestumsatz, Sitz in EU oder EFTA oder Hauptverwaltung in Deutschland
Neuaufnahmenzusätzlich positives EBITDA in den zwei letzten Geschäftsjahren
GewichtungBörsenwert des Streubesitzes, je Unternehmen höchstens 15 % (bis März 2024: 10 %)
Überprüfungvierteljährlich im März, Juni, September und Dezember, regulär halbjährlich im März und September
LeitversionPerformanceindex mit wieder angelegten Dividenden; daneben Kursindex und Net-Return-Index

Quellen: Regelwerk (DAX-Methodik 2026) und Factsheet von STOXX (STOXX, DAX-Factsheet 2026).

Die Auswahl folgt einer Rangliste nach dem Börsenwert des Streubesitzes, also der frei handelbaren Aktien. Bei den vierteljährlichen Überprüfungen kommt ein Unternehmen sofort in den Index, wenn es auf Rang 33 oder besser steht (Fast Entry), und fliegt sofort heraus, wenn es schlechter als Rang 60 abschneidet (Fast Exit). Im März und September kommt außerdem regulär hinein, wer Rang 40 oder besser erreicht, und fällt heraus, wer schlechter als Rang 53 steht. Für den Mindestumsatz braucht ein Neuling in den letzten zwölf Monaten einen Orderbuchumsatz von 1 Mrd. € oder einen Umschlag von 20 % seines Streubesitzes (DAX-Methodik 2026).

Eine Besonderheit unter den großen Länderindizes: Der DAX, den du in den Nachrichten siehst, ist ein Performanceindex. Dividenden werden ohne Abzug von Steuern wieder angelegt, wie in einem Gross-Return-Index. Der Dow Jones, der S&P 500 oder der CAC 40 werden dagegen als Kursindex gemeldet. Wie viel das ausmacht, zeigt ein Vergleich von STOXX: Von Anfang 2013 bis Dezember 2024 lag der Performanceindex 75 Prozentpunkte vor dem Kursindex (STOXX, Dezember 2024). Punktestände des DAX lassen sich deshalb nicht direkt mit denen anderer Länder vergleichen.

Siemens, SAP und Allianz tragen fast ein Drittel des DAX

RangDAXGewichtMSCI GermanyGewicht
1Siemens11,70 %Siemens12,15 %
2SAP10,80 %SAP11,47 %
3Allianz9,16 %Allianz9,66 %
4Siemens Energy7,10 %Siemens Energy6,74 %
5Airbus6,49 %Deutsche Telekom5,40 %
6Deutsche Telekom5,23 %Infineon4,74 %
7Infineon4,50 %Münchener Rück3,89 %
8Münchener Rück3,69 %Deutsche Bank3,34 %
9Deutsche Bank3,52 %DHL Group3,20 %
10DHL Group3,12 %Deutsche Börse3,17 %
Zehn größte zusammen65,31 %Zehn größte zusammen63,75 %

Stand 30.9.2026. DAX: Bestand eines physisch nachbildenden DAX-ETFs (iShares Core DAX Factsheet 2026), weil das Factsheet von STOXX keine Einzelgewichte zeigt; der größte Wert stimmt mit dem Factsheet von STOXX überein (11,7 %, STOXX, DAX-Factsheet (2026)). MSCI Germany: Factsheet (MSCI Germany Factsheet 2026).

Drei Unternehmen, Siemens, SAP und Allianz, bringen es zusammen auf fast ein Drittel des Index. Die fünf größten Werte wiegen 45,25 %, die zehn größten 65,31 %. Auf die übrigen 30 Unternehmen bleibt gut ein Drittel. Das mittlere DAX-Unternehmen (Median) ist 19,3 Mrd. € wert, das kleinste 4,6 Mrd. €. Die 40 Werte decken 74,2 % des gesamten Börsenwerts am Regulierten Markt in Frankfurt ab (2.052,5 von 2.764,6 Mrd. €, STOXX, DAX-Factsheet (2026)).

Auch die Branchen haben sich verschoben. Industrie und Technologie dominieren, die Autoindustrie, lange das Aushängeschild, wiegt nur noch 4 %. Ein direkter Vergleich der Sektoren mit dem MSCI Germany ist allerdings schwierig: STOXX ordnet nach der Industry Classification Benchmark (ICB), MSCI nach dem Global Industry Classification Standard (GICS). Ein Beispiel: Siemens Energy zählt nach ICB zum Sektor Energie, nach GICS zur Industrie. Deshalb fehlt der Sektor Energie beim MSCI Germany ganz, während er beim DAX 7,1 % ausmacht, fast genau das Gewicht von Siemens Energy.

DAX: Supersektor (ICB)GewichtMSCI Germany: Sektor (GICS)Gewicht
Industriegüter und -dienstleistungen26,9 %Industrie29,72 %
Technologie15,6 %Finanzwesen22,86 %
Versicherungen13,7 %Informationstechnologie16,42 %
Energie7,1 %Gesundheitswesen7,22 %
Gesundheitswesen6,6 %Zyklische Konsumgüter6,65 %
Telekommunikation5,2 %Kommunikationsdienste5,40 %
Versorger4,6 %Grundstoffe4,87 %
Banken4,5 %Versorger4,63 %
Chemie4,3 %Basiskonsumgüter1,47 %
Automobile und Zulieferer4,0 %Immobilien0,75 %

Stand 30.9.2026; beim DAX zeigt STOXX nur die zehn größten von 20 Supersektoren (STOXX, DAX-Factsheet 2026; MSCI Germany Factsheet 2026).

Effektiv streut der DAX wie höchstens 18 Aktien

Die Zahl 40 überzeichnet die Streuung. Ein besseres Maß ist der Herfindahl-Hirschman-Index, die Summe der quadrierten Gewichte, und sein Kehrwert, die effektive Anzahl der Titel. Weil nur die zehn größten Gewichte bekannt sind, rechnen wir wie im Artikel MSCI World vs. ACWI mit einer Untergrenze für den Rest: Die Quadratsumme ist am kleinsten, wenn sich der Rest gleichmäßig verteilt.

Gewicht der zehn größten Werte in Prozent
Gewicht und Zahl der übrigen Werte (beim DAX 34,69 % auf 30 Werte)
Zahl gleich großer Aktien mit derselben Konzentration

Für den DAX ergibt die Quadratsumme der zehn größten Gewichte 513,31 (in %²), der gleichmäßig verteilte Rest mindestens 34,69² / 30 = 40,11. Der HHI liegt also bei mindestens 553,42 %², die effektive Zahl der Titel bei höchstens 18,07. Der DAX streut demnach höchstens wie 18 gleich große Aktien. Der MSCI Germany kommt trotz 50 Werten auf höchstens 18,22, weil seine Spitze noch etwas schwerer ist. Zum Vergleich: Der MSCI World streut wie höchstens 93 gleich große Aktien. Ein DAX-ETF ist damit ein Länderinvestment mit deutlichem Klumpenrisiko, kein breit gestreutes Basisinvestment.

Die Kappung bei 15 % begrenzt nur die Spitze. Im Dezember 2024 erreichte SAP vor der Kappung 16,2 % (STOXX, Dezember 2024). Bei der Überprüfung schneidet STOXX das Gewicht auf 15 % zurück und verteilt den Überschuss anteilig auf die übrigen Werte. Zwischen den Terminen greift die Kappung erst, wenn ein Wert 20 % übersteigt (DAX-Methodik 2026). Bei der alten Grenze von 10 % musste STOXX in zehn Jahren 38-mal kappen, bei vier Unternehmen; bei 15 % wäre es kein einziges Mal nötig gewesen (STOXX, Konsultation zur Kappung 2023).

Nur ein Fünftel des Umsatzes kommt aus Deutschland

Der DAX enthält deutsche Börsenwerte, er misst aber nicht die deutsche Wirtschaft. Laut der Deutschen Bank erzielen die DAX-Unternehmen nur rund 20 % ihres Umsatzes in Deutschland; im übrigen Europa sind es 28 %, in Asien-Pazifik 23 % und in Nordamerika 21,6 % (der Rest ist keiner Region zugeordnet, Deutsche Bank (2025)). Eine Auswertung von HQ Trust kommt für das Geschäftsjahr 2023 auf im Mittel 20 % Inlandsumsatz bei den 40 DAX-Werten und 35 % bei den MDAX-Werten (HQ Trust 2025). Entsprechend schwach ist der Zusammenhang mit der heimischen Konjunktur: Der DAX korreliert stärker mit dem Wachstum der Weltwirtschaft (0,41) als mit dem der deutschen (0,33, STOXX, Dezember (2024)).

Umsatz nach Regionen: vier große DAX-Werte im Geschäftsjahr 2025

Nach Sitz der Kunden; Siemens und Siemens Energy mit Geschäftsjahr bis 30.9.2025, Deutsche Telekom ohne Nahost und Afrika in der mittleren Gruppe (Siemens 2025; SAP 2026; Siemens Energy 2025; Deutsche Telekom 2026).

Die Geschäftsberichte der größten Werte bestätigen das Bild. Siemens macht 28,0 % seines Umsatzes in den USA und 9,1 % in China, SAP 31,4 % in den USA. Die Deutsche Telekom ist über T-Mobile US zu 65,6 % ein nordamerikanisches Unternehmen. Bei Airbus fehlt eine Angabe für Deutschland: Europa insgesamt steht für 40,8 % des Umsatzes, Asien-Pazifik für 28,0 % (Airbus 2026). Die Allianz weist ihr Geschäftsvolumen nach Regionen aus, davon 25 % in Deutschland und 14 % in den USA (Allianz 2026).

Auch die Eigentümer sind international. Laut EY halten ausländische Investoren mindestens 52,6 % der DAX-Aktien, Anleger aus Nordamerika allein 25,4 % (EY 2025). Für dich als Anleger in Deutschland gilt also das, was der Artikel Home Bias beschreibt: Ein Depot nur aus DAX-Werten ist kein Spiegel der Welt, aber auch kein reines Deutschland-Investment.

Seit 1988: Dotcom-Crash, Wirecard und der Sprung auf 40 Werte

  • 1988: Der DAX startet am 1. Juli, rückgerechnet ab 1.000 Punkten Ende 1987. Er setzt den Index der Börsen-Zeitung fort, dessen Geschichte bis 1959 reicht (DAX-Methodik 2026). Berechnet wurde er anfangs einmal pro Minute, seit 2006 jede Sekunde (STOXX, Juli 2024).
  • 2000 bis 2003: Nach dem Platzen der Dotcom-Blase fällt der DAX von März 2000 bis März 2003 um 73 %. Von Juli 2007 bis März 2009 verliert er 55 %, im Corona-Crash 2020 39 % in weniger als einem Monat (STOXX, Juli 2024).
  • 2018 bis 2020: Wirecard steigt im September 2018 in den DAX auf. Nach der Insolvenz im Juni 2020 führt die Deutsche Börse eine neue Regel für insolvente Mitglieder ein und streicht Wirecard zum 24. August 2020, für das Unternehmen rückt Delivery Hero nach (Deutsche Börse 2020).
  • 2021: Nach einer Konsultation mit mehr als 600 Antworten wächst der Index im September von 30 auf 40 Werte. Neu sind Airbus, Zalando, Siemens Healthineers, Symrise, HelloFresh, Sartorius, Porsche SE, Brenntag, Puma und Qiagen (Deutsche Börse 2021). Dazu kommen Qualitätsregeln: positives EBITDA für Neuaufnahmen, fristgerechte testierte Berichte und ein Prüfungsausschuss (STOXX, DAX-Reform 2020).
  • 2024: Die Kappung steigt am 18. März von 10 auf 15 % (STOXX, Konsultation zur Kappung 2023). Am 3. Dezember schließt der DAX erstmals über 20.000 Punkten; SAP trägt gut 40 % zum Anstieg des Jahres bei (STOXX, Dezember 2024).
  • 2025 und 2026: GEA und Scout24 kommen im September 2025 neu dazu (STOXX, September 2025), Hochtief im Juni 2026 für Porsche SE (STOXX, Juni 2026).

Noch deutlicher als die Mitglieder haben sich die Gewichte der Branchen verändert. Laut einer Auswertung der Deutschen Bank vom August 2025 fiel der Anteil der Autohersteller und Zulieferer innerhalb von zehn Jahren von 19 auf 6 %, der des Gesundheitswesens von 16 auf 6 % und der der Chemie von 13 auf 3 %, vor allem weil Linde den Index 2023 verließ. Die Industrie stieg von 13 auf 27 %, die Technologie von 8 auf 18 % (Deutsche Bank 2025). Elf der ursprünglichen Werte von 1988 waren Mitte 2024 noch dabei, darunter BASF, Bayer, BMW, Deutsche Bank, Siemens und Volkswagen (STOXX, Juli 2024).

Höher bewertet als der MSCI Germany und seit 2018 vorn

Kennzahl (30.9.2026)DAXMSCI Germany
Zahl der Werte4050
KGV der letzten zwölf Monate18,715,58
KGV erwartet16,214,04
KBV2,01,90
Dividendenrendite2,1 %2,60 %
Rendite 1 Jahr (brutto)5,5 %6,34 %
Rendite 3 Jahre p.a. (brutto)17,9 %17,14 %
Rendite 5 Jahre p.a. (brutto)10,5 %8,80 %
Volatilität 3 Jahre / 5 Jahre15,5 % / 17,3 %13,01 % / 15,52 %
Größter Verlust−73 % (März 2000 bis März 2003)−71,07 % (29.2.2000 bis 12.3.2003)

DAX: Factsheet von STOXX mit kumulierten Renditen (3 Jahre 63,8 %, 5 Jahre 65,1 %), daraus p.a. gerechnet (STOXX, DAX-Factsheet 2026; STOXX, Juli 2024). MSCI Germany: Factsheets mit Renditen brutto und netto (MSCI Germany Factsheet 2026; MSCI Germany Factsheet (brutto) 2026). Die Volatilitäten beruhen auf unterschiedlichen Datenreihen und sind nur grob vergleichbar.

Beim KGV liegt der DAX laut STOXX bei 18,7, der MSCI Germany laut MSCI bei 15,58. Ein Teil der Lücke kommt aus der Methode: STOXX rechnet hier mit negativen Gewinnen (ohne sie: 17,8), und beide Anbieter definieren Gewinne verschieden. Ein anderer Teil kommt aus der Mitgliedschaft, denn Airbus fehlt im MSCI Germany, dafür sind zehn Werte mehr dabei. Die Dividendenrendite von gut 2 bis 2,6 % liegt deutlich über der des S&P 500 mit 1,10 % (SPDR S&P 500 Factsheet 2026).

DAX und MSCI Germany in Kalenderjahren (netto, in Euro)

Beide mit Dividenden nach pauschaler Quellensteuer (iShares Core DAX Factsheet 2026; MSCI Germany Factsheet 2026). Zusammen 2018 bis 2025: DAX +79,34 %, MSCI Germany +61,98 %.

Über acht Jahre zusammengerechnet hat der DAX den MSCI Germany deutlich geschlagen: +79,34 % gegen +61,98 %, das sind 7,57 % gegen 6,21 % pro Jahr. Der größte Unterschied entstand 2022 mit 4,15 Prozentpunkten. Daraus folgt kein Urteil über die Methoden: Einzelne Unternehmen wie Airbus, das nur im DAX steckt, und die unterschiedliche Kappung reichen, um Länderindizes mit so wenigen großen Werten auseinanderlaufen zu lassen.

MSCI Germany: zehn Werte mehr, keine Kappung, offenbar ohne Airbus

  • Umfang: Der MSCI Germany hat 50 Werte und deckt nach eigenen Angaben rund 85 % des Aktienmarkts ab, wie alle Standardindizes von MSCI (MSCI GIMI-Methodik 2024). Der DAX hat fest 40 Werte und gut 74 % des Börsenwerts am Regulierten Markt.
  • Länderzuordnung: Airbus mit Sitz in den Niederlanden ist ein DAX-Wert, fehlt aber unter den zehn größten Werten des MSCI Germany, obwohl das Gewicht dafür reichen würde; MSCI ordnet den Konzern offenbar einem anderen Land zu. Scout24, seit September 2025 im DAX, zählt bei MSCI zu den kleinen Unternehmen und steckt im MSCI Germany Small Cap (MSCI Germany Small Cap Factsheet 2026).
  • Regeln: Der DAX verlangt eine Notierung am Regulierten Markt in Frankfurt und für Neulinge positives EBITDA. MSCI wählt nach Größe und Handelbarkeit ohne Gewinnkriterium und überprüft im Februar, Mai, August und November.
  • Kappung: Im DAX wiegt ein Unternehmen höchstens 15 %. Der Standardindex von MSCI kennt keine Obergrenze je Titel; dafür gibt es eigene Capped-Varianten.
  • Sektoren: ICB beim DAX, GICS bei MSCI, mit abweichenden Zuordnungen wie bei Siemens Energy.
  • Renditeversion: Der DAX wird in erster Linie brutto als Performanceindex gemeldet, MSCI stellt in den Factsheets den Net-Return-Index nach pauschaler Quellensteuer nach vorn. Für Vergleiche musst du gleiche Versionen nehmen.

Liquide und geprüft, aber eng gestreut: der DAX in der Abwägung

PunktWas es für dich heißt
Stärke: HandelbarkeitAuf den DAX werden an der Eurex Futures und Optionen mit mehr als zwei Millionen Kontrakten im Monat gehandelt; europäische ETFs auf den Index verwalteten im Februar 2025 rund 19 Mrd. € (STOXX, DAX-Infografik 2025). Du kannst den Index mit großen, viel gehandelten Produkten abbilden.
Stärke: QualitätsregelnSeit der Reform 2021 prüft STOXX Gewinne bei Neuaufnahmen, Berichtsfristen und die Aufsicht. Der Ökonom Volker Brühl sieht den Index dadurch gestärkt, fordert aber, die Gewinnprüfung laufend und nicht nur bei der Aufnahme anzuwenden (Brühl 2022). Die Gewinnhürde gilt also beim Eintritt, nicht für Mitglieder.
Stärke: internationale UmsätzeRund 80 % des Umsatzes entstehen im Ausland; der DAX hängt weniger am deutschen Konjunkturzyklus, als sein Name vermuten lässt.
Schwäche: KonzentrationZehn Werte tragen 65 %, effektiv streut der Index wie höchstens 18 Aktien. Ein Kurssturz bei Siemens oder SAP trifft einen DAX-ETF deutlich.
Schwäche: BranchenmixIndustrie, Software und Versicherungen dominieren; Konsum und Immobilien spielen kaum eine Rolle. Diese Branchen musst du anderswo abdecken.
Schwäche: VergleichbarkeitDer Performanceindex lässt den DAX neben Kursindizes anderer Länder besser aussehen, als er im Vergleich gleicher Versionen ist. Vergleiche deshalb nur gleiche Versionen, etwa Net Return mit Net Return.

DAX-ETFs: welche Version sie abbilden und wie sie zum Welt-ETF passen

Für Privatanleger gibt es physisch nachbildende OGAW-ETFs auf den DAX; die meisten messen sich am Net-Return-Index, auch wenn in den Nachrichten der Performanceindex steht. Die Grenzen der OGAW-Richtlinie für einzelne Titel (5/10/40) passen nicht zur Kappung bei 15 %, deshalb berechnet STOXX auch gekappte Varianten wie den DAX 10 % Capped und eine Variante nach den OGAW-Grenzen (DAX-Methodik 2026). Achte beim Vergleich zweier DAX-ETFs deshalb darauf, welche Version sie abbilden.

Wie sich ein DAX-ETF neben einem Welt-ETF verhält, kannst du im Backtest ausprobieren. Der Look-through zeigt, wie viel Deutschland, Industrie oder Siemens dein Depot insgesamt enthält, wenn du DAX- und Welt-ETF kombinierst. Ein Welt-ETF enthält deutsche Aktien bereits zu einem kleinen Teil; jeder DAX-ETF daneben ist eine bewusste Übergewichtung.

Häufige Fragen

Ist der DAX ein Performanceindex?

Ja. Der DAX, der in den Nachrichten genannt wird, legt Dividenden ohne Abzug von Steuern wieder an. Daneben gibt es einen Kursindex ohne Dividenden und einen Net-Return-Index nach pauschaler Quellensteuer. Die meisten ETFs messen sich am Net-Return-Index.

Wie viele Unternehmen sind im DAX?

40, seit September 2021; vorher waren es 30. Neulinge brauchen unter anderem ein positives EBITDA in den letzten zwei Geschäftsjahren, eine Notierung am Regulierten Markt in Frankfurt und einen Streubesitz von mindestens 10 %.

Welche Unternehmen wiegen im DAX am meisten?

Siemens mit 11,70 %, SAP mit 10,80 % und Allianz mit 9,16 %, zusammen fast ein Drittel des Index (Stand 30.9.2026). Die zehn größten Werte kommen auf 65,31 %; rechnerisch streut der DAX damit wie höchstens 18 gleich große Aktien. Mehr als 15 % darf ein einzelnes Unternehmen bei den Überprüfungen nicht wiegen.

Wie viel Umsatz machen DAX-Unternehmen in Deutschland?

Rund ein Fünftel. Studien kommen auf 18 bis 20 %, die fünf größten Werte im Mittel auf etwa 17 %. Der Rest entfällt vor allem auf das übrige Europa, Nordamerika und Asien.

Was ist der Unterschied zwischen DAX und MSCI Germany?

Der MSCI Germany hat 50 Werte, rechnet ohne Gewinnkriterium und ohne Kappung bei 15 %, ordnet Sektoren nach GICS und führt Airbus offenbar nicht als deutschen Wert. Die zehn größten Werte und die Rendite über drei Jahre sind ähnlich, über längere Zeit liefen beide Indizes aber spürbar auseinander.

Wie oft wird der DAX angepasst?

Vierteljährlich im März, Juni, September und Dezember mit Fast Entry und Fast Exit, regulär halbjährlich im März und September. Gewichte werden zu jedem Termin auf höchstens 15 % gekappt, zwischendurch erst ab 20 %.

Literatur

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  9. Kielkopf, Pierre (2025): DAX-Rekorde trotz Flaute: Ist das Auslandsgeschäft wirklich der Schlüssel?. fundresearch.de, 3. März 2025; abgerufen am 3.11.2026. Quelle
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  24. STOXX Ltd. (2025): DAX (Infografik). STOXX, Juni 2025; abgerufen am 3.11.2026. Quelle
  25. STOXX Ltd. (2026): DAX Equity Index Methodology Guide. STOXX, Fassung August 2026; abgerufen am 26.10.2026. Quelle
  26. STOXX Ltd. (2026): DAX, Factsheet, Stand 30. September 2026. STOXX; abgerufen am 3.11.2026. Quelle
  27. STOXX Ltd. (2026): STOXX announces scheduled adjustments to DAX blue-chip indices. STOXX, 3. Juni 2026; abgerufen am 3.11.2026. Quelle

Gesamtes Literaturverzeichnis

Dieser Artikel erklärt eine Methode; er ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Zahlenbeispiele sind vereinfacht und gerundet. Alle Begriffe im Glossar.