Portfolio Lab

Glossar: Begriffe mit S

100 Begriffe von s-Score bis Systematisches Risiko, kurz erklärt und wo möglich mit Quelle. Alle Begriffe von A bis Z

s-Score (S-Score, s score)

Maß von Avellaneda und Lee für den Abstand des aufsummierten Residuums einer Aktie von seinem Gleichgewicht, in Standardabweichungen des Gleichgewichts. Unter −1,25 wird die Aktie gekauft und der Faktor leerverkauft, über +1,25 umgekehrt.

Quelle: Avellaneda und Lee (2010)

Mehr: Pairs-Trading und statistische Arbitrage: Idee, Methoden, Forschung · Methodik: Long/Short und statistische Arbitrage: Methodik

Saisonbereinigung (saisonbereinigt, Kalenderbereinigung, kalender- und saisonbereinigt, Seasonal Adjustment)

Herausrechnen der Muster, die sich jedes Jahr, jeden Monat oder jede Woche wiederholen, und meist auch der Kalendereffekte wie Feiertage und Zahl der Arbeitstage. Bei Tagesdaten überlagern sich mehrere solcher Muster; die Bundesbank hat dafür ein eigenes Verfahren entwickelt.

Quelle: Ollech (2021)

Methodik: Konjunktur-Puls: wie Portfolio Lab Frühindikatoren rechnet

Schattenflotte (Dark Fleet, Shadow Fleet, Dunkle Flotte, Dark Ships)

Tanker, die ohne westliche Dienstleistungen fahren, um Sanktionen wie die Preisobergrenze für russisches Öl zu umgehen. Wer nicht gesehen werden will, kann das AIS abschalten oder falsche Angaben senden; solche Schiffe fehlen dann in öffentlichen Ortungsdaten.

Quelle: Cardoso u. a. (2025); Paolo u. a. (2024)

Mehr: Schiffsdaten und Satellitenbilder: Was sie über Rohstoffe verraten · Methodik: Schiffe an Engpässen (Beta): Methodik

Schätzfehler (Estimation Error, Parameterunsicherheit)

Abstand zwischen einer aus Daten geschätzten Größe, etwa einer erwarteten Rendite, und ihrem wahren Wert. Bei Renditemitteln sinkt er nur mit der Wurzel der Zahl der Jahre und bestimmt die Gewichte einer Optimierung oft stärker als die Information.

Quelle: Michaud (1989); Chopra und Ziemba (1993)

Mehr: Resampling-Optimierung nach Michaud: stabilere Portfoliogewichte durch Simulation

Schedule 13D (13D, 13D-Meldung, Schedule 13G, 13G)

Meldung an die SEC, sobald jemand mehr als 5 % einer Aktiengattung eines US-Unternehmens hält und Einfluss nehmen will, typisch für aktivistische Investoren. Seit einer Reform von 2023 ist sie binnen fünf Geschäftstagen fällig (vorher zehn Tage), Änderungen binnen zwei Geschäftstagen. Passive Anleger melden in der Regel mit der kürzeren Schedule 13G.

Quelle: SEC, Schedule 13D (2023); Brav u. a. (2008)

Mehr: Investorenlegenden: Anlagestile der bekanntesten Investoren von Graham bis Simons

Schiefe (Skewness)

Maß für die Asymmetrie einer Verteilung. Negative Schiefe heißt: seltene, große Verluste und viele kleine Gewinne, typisch für Aktienindizes und das Verkaufen von Optionen. Anleger verlangen für negative Schiefe eine Prämie.

Quelle: Harvey und Siddique (2000)

Mehr: Schiefe und Kurtosis: Warum Börsencrashs häufiger sind, als die Normalverteilung sagt

Schlussauktion (Closing Auction, Closing Cross, Schlusskursauktion)

Auktion am Ende des Handelstags, die den offiziellen Schlusskurs feststellt. Indexfonds handeln dort, weil Nettoinventarwert und Index mit Schlusskursen rechnen; auf Xetra beginnt die Aufrufphase um 17:30 Uhr und endet zufällig.

Quelle: Deutsche Börse, Handelsparameter (2026); Bogousslavsky und Muravyev (2021)

Mehr: Ordertypen und Ausführung: von der Limit-Order über MOC und VWAP bis zu TAS und BTIC

Schuldendienstdeckungsgrad (DSCR) (DSCR, Debt Service Coverage Ratio, Kapitaldienstdeckungsgrad, CFADS, Schuldendienstdeckung)

Debt Service Coverage Ratio: Cashflow, der für den Schuldendienst zur Verfügung steht (CFADS), geteilt durch Zins und Tilgung der Periode. Werte über 1 heißen, der Schuldendienst ist gedeckt. Kreditgeber bemessen den Kredit nach einem Mindest-DSCR und knüpfen Covenants an Schwellen; der Verlauf des DSCR ist die Grundlage struktureller Kreditrisikomodelle für Projektfinanzierungen.

Beispiel: CFADS 13 Mio. € und ein Mindest-DSCR von 1,30 erlauben 10 Mio. € Schuldendienst pro Jahr; fällt der CFADS um mehr als 23,08 %, ist er nicht mehr gedeckt.

Quelle: Blanc-Brude und Hasan (2016); Blanc-Brude u. a. (2018)

Mehr: Infrastruktur-Investments: Equity und Debt, Erlösmodelle, Bewertung und Forschung

Schwache Markteffizienz

Vergangene Kurse helfen nicht, künftige vorherzusagen; technische Analyse bringt dann nichts. Momentum und Trendfolge stellen diese Form in Frage.

Quelle: Fama (1970)

Mehr: Effizienzmarkthypothese: Warum es so schwer ist, den Markt zu schlagen

Schwellenland (Emerging Market)

Land mit mittlerem Einkommen und noch nicht voll entwickeltem Kapitalmarkt, etwa China, Indien oder Brasilien (Emerging Market). Höhere Schwankung, eigene politische und Währungsrisiken.

Mehr: Weltportfolio: Die ganze Welt in einem oder zwei ETFs

Schwellenländeranleihe (EM-Anleihe, Emerging Market Debt)

Anleihe eines Schwellenlandes, entweder in harter Währung (meist US-Dollar) oder in der Landeswährung. Bei Lokalwährung kommt das Wechselkursrisiko zur Kreditqualität hinzu.

Schwellenmodell (TAR-Modell, SETAR, Threshold Autoregression)

Zeitreihenmodell, das sein Verhalten ändert, sobald eine beobachtete Größe eine Schwelle überschreitet. Beim SETAR-Modell ist diese Größe die eigene verzögerte Reihe. Die Schwelle muss geschätzt werden, oft aus derselben Stichprobe.

Quelle: Tong und Lim (1980)

Mehr: Regime-Modelle: Hidden Markov, Markov-Switching und Co.

Schwimmdachtank (Floating Roof Tank, Schwimmdach, Öltank Schatten)

Großer Öltank, dessen Dach auf dem Öl schwimmt und mit dem Füllstand steigt und sinkt. Von oben wirft die Tankwand einen Schatten auf das Dach; aus seiner Breite schätzen Auswerter hochauflösender Satellitenbilder, wie voll der Tank ist.

Quelle: Mukherjee u. a. (2021)

Mehr: Schiffsdaten und Satellitenbilder: Was sie über Rohstoffe verraten

Schwimmendes Lager (Floating Storage, Lagerung auf See)

Beladene Tanker, die Öl auf See lagern, statt es zu liefern. Nach einer Definition der EIA gilt das, wenn sie mindestens sieben Tage vor Anker liegen oder langsam treiben. Das lohnt sich, wenn die Lager an Land voll sind und Terminkurse deutlich über dem Kassakurs liegen (Contango).

Quelle: EIA (2020)

Mehr: Schiffsdaten und Satellitenbilder: Was sie über Rohstoffe verraten

Scope-1-Emissionen (Scope 1, direkte Emissionen)

Treibhausgase aus Anlagen, die ein Unternehmen selbst besitzt oder kontrolliert, etwa Kraftwerke, Hochöfen oder Fahrzeugflotten.

Quelle: GHG Protocol (2011)

Mehr: ESG-ETFs: SFDR, Ratings, Rendite und die Grenzen nachhaltiger Fonds

Scope-2-Emissionen (Scope 2)

Indirekte Emissionen aus der Erzeugung eingekaufter Energie: Strom, Dampf, Wärme und Kälte, die ein Unternehmen verbraucht.

Quelle: GHG Protocol (2011)

Mehr: ESG-ETFs: SFDR, Ratings, Rendite und die Grenzen nachhaltiger Fonds

Scope-3-Emissionen (Scope 3, Lieferkettenemissionen)

Alle übrigen indirekten Emissionen der Wertschöpfungskette, von Zulieferern bis zur Nutzung und Entsorgung der verkauften Produkte, gegliedert in 15 Kategorien. Oft die größte Quelle eines Unternehmens, aber am schwersten zu messen.

Quelle: GHG Protocol (2011)

Mehr: ESG-ETFs: SFDR, Ratings, Rendite und die Grenzen nachhaltiger Fonds

Secondaries (Secondary, Zweitmarkt Private Equity, LP-led, GP-led, Continuation Fund, Continuation Vehicle, Fortführungsfonds)

Handel mit bestehenden Beteiligungen an Private-Markets-Fonds. LP-led: Ein Anleger verkauft seinen Fondsanteil samt offener Zusage, zu einem Preis mit Ab- oder Aufschlag auf den NAV. GP-led: Der Verwalter verkauft Beteiligungen aus einem alten Fonds in ein neues Vehikel, meist einen Continuation Fund; die bisherigen Anleger wählen zwischen Verkauf und Mitgehen. Weil der Verwalter dabei auf beiden Seiten steht, empfiehlt die ILPA unter anderem eine Fairness Opinion und mindestens 30 Kalendertage Bedenkzeit.

Quelle: ILPA (2023); Saccone (2024)

Mehr: Private Equity erklärt: Strategien, Fondsstruktur, Gebühren und was die Forschung zur Rendite zeigt

Seed (Zufallszahlen-Startwert)

Startwert des Zufallsgenerators. Mit gleichem Startwert liefert eine Simulation exakt dieselben Pfade; das macht Ergebnisse nachvollziehbar und Vergleiche zwischen Varianten fair.

Sektor (Branche, GICS)

Branchengruppe, in die Unternehmen nach ihrem Geschäft eingeteilt werden, etwa Technologie, Gesundheit oder Finanzen. Gängig ist eine Gliederung in elf Sektoren (GICS).

Mehr: Look-through: was wirklich in deinen ETFs steckt

Selbstgemachte Dividende (Homemade Dividend, Entnahme durch Verkauf)

Statt eine Ausschüttung abzuwarten, verkauft der Anleger Anteile im selben Wert. Vor Steuern und Kosten ist das Ergebnis gleich; nach deutschem Steuerrecht ist beim Verkauf nur der Gewinnanteil steuerpflichtig, bei der Dividende der ganze Betrag.

Beispiel: 3.000 € aus Einzelaktien mit 40 % Gewinnanteil: Steuer auf den Verkauf 316,50 €, auf eine Dividende 791,25 € (Pauschbetrag ausgeschöpft, ohne Kirchensteuer).

Quelle: Miller und Modigliani (1961)

Mehr: Dividendenstrategie und Dividenden-ETFs kritisch betrachtet: Irrelevanz, Steuern, Faktoren

Selbstgenutzte Immobilie (Eigenheim, Eigentumswohnung)

Wohnung oder Haus, in dem der Eigentümer selbst wohnt. Sie ist Anlage und Konsum zugleich, meist mit Kredit gehebelt, schwer verkäuflich und ein Klumpenrisiko an einem Ort.

Quelle: Flavin und Yamashita (2002); EStG § 23 (2009)

Mehr: Das ganze Vermögen: Gesamtvermögen aus Depot, Haus, Humankapital und Auto

Selbstüberschätzung (Overconfidence)

Anleger halten ihr Wissen und ihre Treffsicherheit für größer, als sie sind. Folge ist häufiges Handeln: Haushalte mit dem höchsten Umschlag erzielten in einer großen Studie deutlich weniger Rendite als der Markt.

Quelle: Barber und Odean (2000)

Selection Bias (Auswahlverzerrung)

Verzerrung durch die Auswahl dessen, was gezeigt wird: Nur die beste von vielen getesteten Strategien wird veröffentlicht. Ihre Kennzahlen überschätzen die zu erwartende Leistung.

Quelle: Bailey und López de Prado (2014)

Mehr: Backtest-Overfitting: Wenn die Vergangenheit zu gut aussieht

Selektionseffekt (Selection Effect, Auswahleffekt)

Teil der aktiven Rendite aus der Auswahl innerhalb eines Segments, gerechnet mit dem Benchmarkgewicht: Wᵢ × (rᵢ − bᵢ).

Beispiel: 30 % Benchmarkgewicht, Portfolio im Segment 10 % statt 8 %: 0,30 × 2 = 0,60 Prozentpunkte.

Quelle: Brinson u. a. (1986)

Mehr: Performance-Attribution: Brinson-Zerlegung, Faktoren und Verkettung über die Zeit

Semi-liquider Fonds (Evergreen-Fonds, Semi-liquid, offener ELTIF)

Fonds mit illiquiden Anlagen ohne feste Laufzeit, der laufend Geld annimmt und zu festen Terminen zurücknimmt, begrenzt durch Kündigungsfristen und Obergrenzen. Ausgezahlt wird aus einer Reserve liquider Anlagen und aus Zuflüssen.

Quelle: Delegierte Verordnung (EU) 2024/2759 (2024)

Mehr: ELTIF: Private Markets für Privatanleger nach den Regeln von ELTIF 2.0

Semitransparenter ETF (nicht transparenter ETF, Non-transparent ETF, semi-transparenter ETF)

Aktiver ETF, der seine Positionen nicht täglich vollständig veröffentlicht. In den USA arbeiten solche Modelle etwa mit einem vertraulichen Konto für die Authorized Participants und einem laufend veröffentlichten indikativen Wert; in Irland dürfen ETFs seit April 2025 ihre Positionen auch nur zum Quartalsende offenlegen, wenn täglich genug Informationen für die Arbitrage bereitstehen.

Quelle: Dechert LLP (2019); Doyle und Deane (2025)

Mehr: Aktive ETFs: Wie sie funktionieren und was sie bringen

Semivarianz

Varianz, die nur Abweichungen nach unten zählt, also unter dem Mittelwert oder unter einer Mindestrendite. Ihre Wurzel ist die Downside Deviation.

Quelle: Sortino und van der Meer (1991)

Mehr: Sortino Ratio und Calmar Ratio: Risiko nach unten

Sensitivitätsanalyse (Sensitivity Analysis, Ceteris-paribus-Analyse)

Änderung einer einzigen Einflussgröße bei sonst gleichen Bedingungen, etwa nur der Zinsen um 100 Basispunkte. Sie zeigt die Empfindlichkeit eines Portfolios, ist aber noch kein stimmiges Szenario.

Mehr: Szenarioanalyse und Sensitivitätsanalyse: Aktien-, Zins-, Kredit- und Währungsrisiko im Stresstest

Sentimentanalyse (Stimmungsanalyse, Textanalyse, Sentiment Analysis)

Maschinelle Messung der Stimmung in Texten wie Nachrichten, Geschäftsberichten oder Forenbeiträgen, mit Wortlisten, maschinellem Lernen oder großen Sprachmodellen. Allgemeine Wörterbücher stufen in Finanztexten viele Fachwörter fälschlich als negativ ein; deshalb gibt es eigene Wortlisten für Finanztexte.

Quelle: Loughran und McDonald (2011); Lopez-Lira und Tang (2026)

Mehr: Alternative Daten: Stellenanzeigen, Reddit, X, Satelliten, Kartenzahlungen

Separationstheorem (Tobin-Separation)

Alle Anleger können dasselbe Portfolio riskanter Anlagen halten und ihr Risiko allein über den Anteil an der sicheren Anlage steuern. Die Wahl des riskanten Teils ist von der Risikoneigung getrennt.

Quelle: Tobin (1958)

Mehr: CAPM: Das Capital Asset Pricing Model und die Wertpapiermarktlinie

Sequenzrisiko

Risiko, dass schlechte Renditen ausgerechnet am Anfang einer Entnahmephase kommen. Bei gleicher Durchschnittsrendite bleibt dann deutlich weniger übrig.

Mehr: Sichere Entnahmerate: was die 4-%-Regel taugt

SFDR (Offenlegungsverordnung, Sustainable Finance Disclosure Regulation)

Offenlegungsverordnung der EU, Verordnung (EU) 2019/2088, anzuwenden seit März 2021. Sie verlangt offenzulegen, wie Finanzprodukte Nachhaltigkeitsrisiken berücksichtigen und welche Nachhaltigkeitsmerkmale oder -ziele sie haben; nach ihren Artikeln 6, 8 und 9 werden Fonds eingeordnet.

Quelle: SFDR (2019)

Mehr: ESG-ETFs: SFDR, Ratings, Rendite und die Grenzen nachhaltiger Fonds

Shadow Trading (Schattenhandel)

Handel mit Wertpapieren eines anderen, vergleichbaren Unternehmens auf Grundlage vertraulicher Informationen über das eigene. Im Fall SEC gegen Panuwat entschied eine Jury in den USA im April 2024 zugunsten der SEC: Ein Mitarbeiter hatte vor der Übernahme seines Arbeitgebers Calls auf ein vergleichbares Unternehmen gekauft.

Quelle: SEC, Panuwat (2024)

Mehr: Insiderhandel: was verboten ist, was erlaubt ist und was Directors' Dealings verraten

Sharpe Ratio

Überrendite über dem risikofreien Zins geteilt durch die Volatilität.

Beispiel: (7 % − 2 %) / 15 % = 0,33.

Mehr: Sharpe Ratio: Rendite pro Einheit Risiko

Short Squeeze (Eindeckungsrally)

Steigt der Kurs einer stark leerverkauften Aktie, decken sich Leerverkäufer mit Käufen ein, um Verluste zu begrenzen. Das treibt den Kurs weiter. Bei GameStop 2021 war das laut SEC nicht der Haupttreiber; getragen wurde der Anstieg von positiver Stimmung.

Quelle: SEC (2021)

Mehr: Alternative Daten: Stellenanzeigen, Reddit, X, Satelliten, Kartenzahlungen

Short-Volatilität

Positionen, die vom Verkauf von Schwankung leben, etwa verkaufte Optionen oder Short-VIX-Produkte. Lange stetige Gewinne, dann seltene, sehr große Verluste (negative Schiefe).

Quelle: Carr und Wu (2009)

Sichere Entnahmerate (Safe Withdrawal Rate, SWR)

Höchste Entnahme pro Jahr in Prozent des Startvermögens, die, laufend an die Inflation angepasst, im betrachteten Zeitraum gerade nicht zum Aufbrauchen des Vermögens geführt hätte.

Mehr: Sichere Entnahmerate: was die 4-%-Regel taugt · Methodik: Backtest-Methodik: Daten, Ablauf, Rebalancing und Kosten

Sicherer Hafen (Safe Haven)

Anlage, die in Krisen nicht mit Aktien fällt oder sogar steigt, etwa kurz laufende Staatsanleihen, Gold oder bestimmte Währungen. Die Wirkung hält oft nur kurz und ist nicht garantiert.

Quelle: Baur und Lucey (2010)

Mehr: Gold im Portfolio: sicherer Hafen, Inflationsschutz oder nur glänzend?

Sicherheitsleistung (Margin, Collateral)

Geld oder Wertpapiere, die bei Futures, Optionen oder Swaps hinterlegt werden, um Verluste abzudecken. Steigen die Verluste, muss nachgeschossen werden (Margin Call).

Sicherheitsmarge (Margin of Safety)

Abstand zwischen geschätztem innerem Wert und Kurs als Puffer gegen Fehler in der eigenen Bewertung. Benjamin Graham machte sie zum zentralen Begriff des Value Investing.

Beispiel: Wert 31,22 €, Kurs 25 €: Sicherheitsmarge 1 − 25 / 31,22 = 19,9 %.

Quelle: Graham (2003)

Mehr: Fundamentalanalyse: Unternehmen bewerten wie ein Investor

SKEW

Index von Cboe für den Preis der Absicherung gegen starke Kursstürze im S&P 500. Werte um 100 heißen geringe, über 140 hohe Nachfrage nach Crash-Schutz.

Mehr: VIX: das Angstbarometer der Börse richtig lesen

Smart Beta (Faktor-ETF, Strategic Beta)

Indexfonds, die nicht nach Marktkapitalisierung gewichten, sondern nach Faktoren wie Value, Momentum, Qualität oder niedriger Volatilität. Regelbasiert und günstiger als aktive Fonds, aber mit Faktor-Risiko.

Quelle: Ang (2014)

Mehr: Faktorinvesting: die Fama-French-Faktoren verstehen

Smart Contract (Smart Contracts, intelligenter Vertrag)

Programm auf einem Distributed Ledger, das vereinbarte Schritte selbst ausführt, sobald die Bedingungen erfüllt sind, etwa einen Kupon zahlen, Sicherheiten nachfordern oder Token gegen Geld tauschen. Fehler im Code werden mit ausgeführt, und ob der Code dem rechtlichen Vertrag entspricht, muss gesondert geprüft werden.

Quelle: Cong und He (2019)

Mehr: Digital Assets: Tokenisierung, Stablecoins, Kryptowertpapiere und digitaler Euro

Smart Indexing

Umsetzung eines Indexfonds, die Spielräume des Marktes nutzt, ohne den Index aus den Augen zu verlieren: günstigere Wahl bei Kapitalmaßnahmen, Handel bei Indexänderungen außerhalb des Stichtags oder das Auslassen sehr kleiner Änderungen.

Quelle: Harding (2016)

Mehr: Smart Indexing: Mehrwert für Indexfonds rund um Corporate Actions und Indexänderungen

SMB (Größenfaktor, Size)

Small minus Big: Rendite kleiner minus großer Unternehmen. Eine positive Ladung zeigt eine Neigung zu Nebenwerten.

Quelle: Fama und French (1993); Banz (1981)

Mehr: Faktorinvesting: die Fama-French-Faktoren verstehen · Methodik: Faktorregression, Faktor-Allokation und Faktorstatistik: Methodik

Social Trading (Copy Trading, Copytrading, Spiegelhandel)

Plattformen, auf denen Händler ihre Depots zeigen und andere Anleger in deren Strategie investieren, über ein Zertifikat oder durch automatisches Kopieren der Orders (Copy Trading). Studien finden mehr Verhaltensfehler und höhere Risikobereitschaft.

Quelle: Heimer (2016); Apesteguia u. a. (2020)

Solidaritätszuschlag (Soli)

Zuschlag von 5,5 % auf die Abgeltungsteuer. Anders als bei der Lohnsteuer gibt es auf Kapitalerträge keine Freigrenze, die ihn für die meisten Anleger entfallen ließe.

Mehr: Abgeltungsteuer, Teilfreistellung und Sparerpauschbetrag bei ETFs

Sondervermögen

Das Fondsvermögen ist rechtlich vom Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt. Geht die Gesellschaft pleite, gehört es weiter den Anlegern, anders als bei ETCs oder ETNs.

Mehr: ETF-Grundlagen: Kosten, Replikation und Ertragsverwendung

Sonstiger Bezug (Sonstige Bezüge, Einmalzahlung, Jahresmethode, Lohnsteuer auf Weihnachtsgeld)

Arbeitslohn, der nicht als laufender Lohn für einen Monat gezahlt wird, etwa Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Bonus oder Tantieme. Die Lohnsteuer darauf berechnet der Arbeitgeber nach der Jahresmethode (§ 39b Abs. 3 EStG): Jahreslohnsteuer auf den voraussichtlichen Jahreslohn mit der Zahlung minus Jahreslohnsteuer ohne sie. So trifft die Zahlung den Grenzsteuersatz und nicht den Durchschnitt.

Beispiel: 4.500 € Monatsbrutto, Steuerklasse 1, kinderlos, Zusatzbeitrag 2,9 %, Weihnachtsgeld 4.500 €: Jahreslohnsteuer 8.984 € statt 7.802 €, also 1.182 € Lohnsteuer auf das Weihnachtsgeld.

Methodik: Methodik der freien Finanzrechner: Lohn, Rente, FIRE, Auto, Immobilie und Depot

Sonstiger Fonds

Fonds ohne Teilfreistellung, etwa Anleihe-, Geldmarkt- oder Rohstofffonds. Ihre Erträge sind voll steuerpflichtig, auch die Vorabpauschale.

Methodik: Steuern im Backtest: wie Portfolio Lab Abgeltungsteuer und Vorabpauschale rechnet

Sortino Ratio

Wie die Sharpe Ratio, aber geteilt durch die Downside Deviation. Schwankungen nach oben zählen nicht als Risiko.

Mehr: Sortino Ratio und Calmar Ratio: Risiko nach unten

Sparer-Pauschbetrag (Sparerpauschbetrag)

Steuerfreier Betrag für Kapitalerträge: 1.000 € im Jahr, 2.000 € für zusammen veranlagte Paare.

Mehr: Abgeltungsteuer, Teilfreistellung und Sparerpauschbetrag bei ETFs

Sparplan

Regelmäßiger Kauf von Fondsanteilen mit einem festen Betrag. Die Sparrate kann gezielt in untergewichtete Positionen fließen und so Rebalancing ohne Verkäufe ersetzen.

Mehr: Rebalancing: das Portfolio zurück auf Kurs bringen

Sparplanfähig

Ein Fonds kann bei einer Bank oder einem Broker über regelmäßige Raten bespart werden. Viele Anbieter führen ETF-Sparpläne ohne Ordergebühr; Spread und Ausführungskurs zählen trotzdem.

Mehr: Sparplan oder Einmalanlage: Größeren Betrag auf einmal oder in Raten anlegen?

Spekulationsblase (Blase, Börsenblase, Speculative Bubble)

Kurse steigen weit über das, was Erträge und Aussichten rechtfertigen, getrieben von Erwartungen weiter steigender Kurse. Blasen sind im Nachhinein leicht zu erkennen, vorher kaum zuverlässig.

Quelle: Shiller (2000); Fama (2014)

Mehr: Spekulationsblasen: Was sie sind und wie das LPPLS-Modell sie sucht · Methodik: Blasen-Indikator (LPPLS): Methodik

Spot-Zins (Kassazins, Nullkuponzins, Spot Rate, Zero Rate)

Rendite einer Nullkuponanleihe für eine bestimmte Laufzeit. Mit Spot-Zinsen wird jede Zahlung einer Anleihe mit ihrem eigenen Zins abgezinst; man gewinnt sie Schritt für Schritt aus Kupon-Anleihen oder Swapsätzen (Bootstrapping) und leitet daraus Terminzinsen ab.

Quelle: Tuckman und Serrat (2012)

Mehr: Anleihen-Mathematik: Preis, Rendite, Duration, Konvexität und Spreads rechnen

Sprachmodell (LLM, Large Language Model, großes Sprachmodell)

Großes, mit Texten trainiertes KI-Modell (Large Language Model, LLM). In der Quant-Forschung bewertet es Schlagzeilen; in Backtests kann sein Vorwissen über den Ausgang oder über bekannte Firmen die Ergebnisse verzerren.

Quelle: Lopez-Lira und Tang (2026); Glasserman und Lin (2023)

Spread eines Paares (Spread, Pair Spread, Paar-Spread)

Abstand zweier Kurse beim Pairs-Trading, etwa ln A − β × ln B oder die Differenz der normierten Kurse. Kehrt er zu seinem Mittel zurück, verdient die Position; läuft er weiter auseinander, verliert sie. Nicht zu verwechseln mit der Geld-Brief-Spanne.

Quelle: Vidyamurthy (2004)

Mehr: Pairs-Trading und statistische Arbitrage: Idee, Methoden, Forschung · Methodik: Long/Short und statistische Arbitrage: Methodik

Spread-Duration

Wie stark eine Anleihe verliert, wenn ihr Risikoaufschlag gegenüber Staatsanleihen um einen Prozentpunkt steigt. Bei festem Kupon etwa gleich der Duration.

Mehr: Duration: wie stark Anleihen auf Zinsen reagieren

Staatsnahe Anleihe (Agency, Supranational)

Anleihe von Förderbanken, Agenturen oder Regionen, die einem Staat gehören oder von ihm garantiert werden, etwa der KfW. Leichter Renditeaufschlag zu Staatsanleihen.

Methodik: Risikofaktoren im Look-through: Methodik

Stablecoin (Stable Coin, Stablecoins)

Token, der einen festen Wert halten soll, meist 1 US-Dollar oder 1 Euro. Fiat-gedeckte Stablecoins halten dafür Bankeinlagen und kurzlaufende Staatspapiere, andere Bauarten Kryptowerte oder nur einen Algorithmus. Inhaber haben eine Forderung gegen den Emittenten, keine gesicherte Einlage; zweifeln sie an der Reserve, droht ein Run.

Beispiel: Reserve 10 Mrd. €, davon 70 % in Staatsanleihen zu 2,0 % und 30 % als Einlagen zu 1,5 %: Ertrag 0,7 × 2,0 % + 0,3 × 1,5 % = 1,85 % oder 185 Mio. € im Jahr.

Quelle: Gorton und Zhang (2023); BIZ (2026)

Mehr: Digital Assets: Tokenisierung, Stablecoins, Kryptowertpapiere und digitaler Euro

Stagflation

Gleichzeitig schwaches Wachstum und hohe Inflation, wie in den 1970er-Jahren. Für klassische Aktien-Anleihen-Portfolios die schwierigste Lage, weil beide Anlageklassen leiden können.

Methodik: Makro-Dashboard und Regime-Analyse: Methodik

Standardabweichung

Wurzel der Varianz: typischer Abstand der Werte von ihrem Mittelwert. Bei Renditen heißt sie Volatilität; aus Stichproben teilt man durch n − 1 statt durch n (Bessel-Korrektur).

Mehr: Volatilität: wie stark ein Portfolio schwankt

Standardfehler

Unsicherheit einer Schätzung, etwa des Mittelwerts: Standardabweichung geteilt durch die Wurzel der Anzahl Beobachtungen. Er sinkt nur langsam mit mehr Daten: Für die halbe Unsicherheit braucht man viermal so viele.

Beispiel: Monatsrendite 0,5 %, Standardabweichung 4 %, 120 Monate: Standardfehler 4 % / √120 = 0,37 %.

Standardfehler der Sharpe Ratio (Standard Error of the Sharpe Ratio, Konfidenzintervall der Sharpe Ratio)

Unsicherheit einer geschätzten Sharpe Ratio. Für unabhängige, normalverteilte Renditen beträgt er je Periode √((1 + SR² / 2) / (T − 1)); negative Schiefe und Fat Tails vergrößern ihn auf √((1 − γ₃ × SR + (γ₄ − 1) / 4 × SR²) / (T − 1)) mit der Kurtosis γ₄ (Normalverteilung 3). Annualisiert wird mit √(Perioden je Jahr).

Beispiel: Sharpe Ratio 0,6 p. a. aus 120 Monaten, normalverteilt: √((1 + 0,1732² / 2) / 119) × √12 = 0,32 p. a.

Quelle: Lo (2002); Bailey und López de Prado (2012); Opdyke (2007)

Mehr: Deflated Sharpe Ratio: Wie viel Können steckt in einer Sharpe Ratio?

Stationäre Verteilung (Stationäre Wahrscheinlichkeit, Gleichgewichtsverteilung)

Langfristiger Anteil der Zeit, den eine Markov-Kette in jedem Zustand verbringt: die Verteilung π mit π A = π. Bei zwei Zuständen ist der Anteil des Zustands 0 gleich a₁₀ / (a₀₁ + a₁₀), mit den beiden Wechselwahrscheinlichkeiten a₀₁ und a₁₀.

Beispiel: Wechsel von ruhig nach turbulent mit 0,02, zurück mit 0,10 je Woche: turbulent 0,02 / (0,02 + 0,10) = 16,7 % der Zeit, ruhig 83,3 %.

Mehr: Regime-Modelle: Hidden Markov, Markov-Switching und Co. · Methodik: Regime-Methodik: wie das Hidden-Markov-Modell rechnet

Stationärer Bootstrap

Block-Bootstrap mit zufälliger, geometrisch verteilter Blocklänge. Die gezogene Reihe bleibt dadurch stationär, und das Ergebnis hängt weniger von einer festen Blocklänge ab.

Quelle: Politis und Romano (1994)

Mehr: Bootstrap: Zukunftsszenarien aus der eigenen Historie

Stationarität

Eine Zeitreihe ist stationär, wenn sich Mittelwert, Streuung und Abhängigkeiten über die Zeit nicht ändern. Renditen sind näherungsweise stationär, Kurse nicht. Deshalb rechnet man mit Renditen.

Statistische Arbitrage (Statistical Arbitrage, StatArb, Stat Arb)

Long/Short-Strategien, die auf vorübergehende, statistisch geschätzte Fehlbewertungen setzen: bei Paaren, bei Aktien gegen einen Faktor oder in großen Portfolios. Anders als echte Arbitrage ist sie nicht risikofrei; sie gewinnt nur im Schnitt vieler Trades.

Quelle: Avellaneda und Lee (2010); Krauss (2017)

Mehr: Pairs-Trading und statistische Arbitrage: Idee, Methoden, Forschung · Methodik: Long/Short und statistische Arbitrage: Methodik

Steigung M4–M7

Siebter gegenüber viertem VIX-Future, also M7 / M4 − 1. Beschreibt den mittelfristigen Teil der VIX-Futures-Kurve, auf den sich mittelfristige VIX-Produkte beziehen.

Methodik: Volatilitäts-Dashboard: Methodik

Steilheit der Zinskurve (Term Spread, Zinsdifferenz)

Differenz zwischen langfristigem und kurzfristigem Zins, etwa zehnjährige Rendite minus Dreimonatszins. Laut Studien ein guter Frühindikator für Rezessionen über mehrere Quartale.

Quelle: Estrella und Mishkin (1998)

Mehr: Zinskurve: Was die Zinsstruktur verrät und warum eine inverse Kurve als Warnsignal gilt · Methodik: Makro-Dashboard und Regime-Analyse: Methodik

Stellenanzeigen-Index (Job Postings Index, Stellenanzeigen, Online-Stellenanzeigen, Indeed Job Postings Index)

Index der online ausgeschriebenen Stellen eines Landes gegenüber einem Basistag, etwa aus den Anzeigen einer großen Jobbörse. Er zeigt früh, wie viele Arbeitskräfte Unternehmen suchen, bildet aber nur die online ausgeschriebenen Stellen dieser Börse ab und hängt von ihrem Marktanteil ab.

Quelle: Indeed Hiring Lab (2026)

Mehr: Alternative Daten: Stellenanzeigen, Reddit, X, Satelliten, Kartenzahlungen · Methodik: Konjunktur-Puls: wie Portfolio Lab Frühindikatoren rechnet

Sterling Ratio

Rendite geteilt durch den durchschnittlichen größten jährlichen Drawdown (in einer verbreiteten Fassung zuzüglich 10 Prozentpunkten). Verwandt mit der Calmar Ratio, aber weniger abhängig von einem einzelnen Crash.

Quelle: Bacon (2008)

Mehr: Risikokennzahlen jenseits der Sharpe Ratio: Treynor, Calmar, Omega, Ulcer Index und mehr

Stetige Wachstumsrate (Log-Wachstumsrate, logarithmische Wachstumsrate, Growth Rate, stetige Rendite)

Wachstumsrate mit stetiger Verzinsung: g = log(1 + CAGR), also die mittlere logarithmierte Rendite je Jahr. Anders als CAGR-Werte lassen sich stetige Wachstumsraten gewichten und über Zeiträume addieren; deshalb rechnen Zerlegungen von Renditen gern mit ihnen.

Beispiel: CAGR 8 %: log(1,08) = 7,70 % stetig; zwei Jahre ergeben 2 × 7,70 % = 15,39 % = log(1,08²).

Mehr: CAGR: die durchschnittliche jährliche Rendite richtig berechnen

Steuerstundung

Steuern werden später statt früher gezahlt, etwa weil Gewinne erst beim Verkauf versteuert werden. Das gestundete Geld arbeitet weiter und bringt Zinseszins. Das ist ein Vorteil von Kaufen und Halten.

Mehr: Thesaurierend oder ausschüttend: Welcher ETF passt besser? · Methodik: Steuern im Backtest: wie Portfolio Lab Abgeltungsteuer und Vorabpauschale rechnet

Stichprobe

Beobachteter Ausschnitt der Wirklichkeit, etwa 20 Jahre Monatsrenditen. Alle Kennzahlen daraus sind Schätzungen mit Unsicherheit; ein anderer Zeitraum hätte andere Werte geliefert.

Stilanalyse

Renditebasierte Analyse nach William Sharpe (1992): Welche Mischung aus Stil-Indizes bildet einen Fonds am besten nach?

Mehr: Stilanalyse nach Sharpe: was ein Fonds wirklich macht

Stilbox (Style Box)

Raster aus Größe (groß, mittel, klein) und Stil (Value, Blend, Growth), in das Fonds nach ihren Positionen eingeordnet werden. Die renditebasierte Stilanalyse kommt zu einer ähnlichen Einordnung ohne Positionsdaten.

Mehr: Stilanalyse nach Sharpe: was ein Fonds wirklich macht

Stochastische Portfoliotheorie (SPT, Stochastic Portfolio Theory)

Von Robert Fernholz begründete Theorie über die langfristigen Wachstumsraten von Portfolios und Aktienmärkten, mit wenigen Annahmen über die Kursentwicklung. Ein Kernergebnis: Ein regelmäßig auf feste Gewichte zurückgesetztes Portfolio wächst schneller als das gewichtete Mittel seiner Positionen.

Quelle: Fernholz und Shay (1982); Fernholz (2002)

Mehr: Jenseits von Markowitz: Schätzfehler, Rauschen und echte Diversifikation · Methodik: Dimensionen-Methodik: wie Portfolio Lab unabhängige Risiken zählt

Straddle

Call und Put mit gleichem Strike und gleicher Laufzeit zusammen gekauft. Gewinnt bei großen Bewegungen in beide Richtungen und verliert bei ruhigem Markt die Prämie. Er ist eine Wette auf Volatilität.

Beispiel: Strike 100, 91 Tage, Kurs 100, 3 % Zins, 20 % Volatilität: Einstand 7,96, Break-even 92,04 und 107,96.

Quelle: Coval und Shumway (2001)

Mehr: Optionsbewertung: wie faire Optionspreise entstehen · Methodik: Optionsrechner: so bewertet Portfolio Lab Optionen

Strangle

Put und Call mit verschiedenen Strikes aus dem Geld zusammen gekauft. Billiger als ein Straddle, braucht aber eine größere Bewegung, um Gewinn zu bringen.

Beispiel: Put 95 und Call 105, 91 Tage, Kurs 100, 3 % Zins, 20 % Volatilität: Einstand 3,97, Break-even 91,03 und 108,97.

Mehr: Optionsbewertung: wie faire Optionspreise entstehen

Strategische Asset Allocation (SAA)

Langfristige Zielaufteilung auf Anlageklassen, etwa 60 % Aktien und 40 % Anleihen. Sie erklärt den größten Teil der Schwankung eines Portfolios über die Zeit.

Quelle: Brinson u. a. (1986); Ibbotson und Kaplan (2000)

Mehr: 60/40-Portfolio: Die klassische Mischung aus Aktien und Anleihen

Stresstest (Stress Test, Stressszenario, Krisenszenario)

Szenarioanalyse mit bewusst schweren, aber noch plausiblen Annahmen: Wie viel verliert ein Portfolio oder eine Bank, wenn mehrere Risikofaktoren gleichzeitig ungünstig laufen? Banken müssen Stresstests regelmäßig rechnen.

Quelle: Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (2018)

Mehr: Szenarioanalyse und Sensitivitätsanalyse: Aktien-, Zins-, Kredit- und Währungsrisiko im Stresstest

Streubesitz (Free Float)

Anteil der Aktien, der frei an der Börse gehandelt wird, ohne feste Großaktionäre. Indexanbieter gewichten meist nach dem Börsenwert des Streubesitzes.

Streubesitzdividende (Streubesitzdividenden, § 8b Abs. 4 KStG)

Dividende aus einer Beteiligung von weniger als 10 % am Grund- oder Stammkapital zu Beginn des Kalenderjahres. Bei einer Kapitalgesellschaft als Empfängerin ist sie nach § 8b Abs. 4 KStG voll steuerpflichtig, während Dividenden aus größeren Beteiligungen zu 95 % steuerfrei sind.

Beispiel: Mit Körperschaftsteuer, Soli und Gewerbesteuer bei Hebesatz 400 %: 15,825 % + 14 % = 29,825 % in der GmbH.

Quelle: KStG (2002)

Mehr: Vermögensverwaltende GmbH: Ab wann lohnt sie sich? Steuern, Kosten und Break-even

Strukturbruch (Structural Break, Bai-Perron-Test)

Dauerhafte Änderung eines Zusammenhangs ab einem Zeitpunkt, etwa nach einem Wechsel der Geldpolitik oder des Währungsregimes. Anders als ein Markov-Regime kehrt der alte Zustand nicht zurück. Verfahren nach Bai und Perron schätzen und testen Zahl und Lage mehrerer Brüche.

Quelle: Bai und Perron (1998)

Mehr: Regime-Modelle: Hidden Markov, Markov-Switching und Co.

Stückzinsen (aufgelaufene Zinsen, Accrued Interest)

Zinsen, die seit dem letzten Kupontermin einer Anleihe aufgelaufen sind. Der Käufer zahlt sie dem Verkäufer zusätzlich zum Kurs, weil er beim nächsten Termin den vollen Kupon bekommt.

Beispiel: Kupon 3 %, 226 von 365 Tagen seit dem letzten Termin (act/act): 3 × 226 / 365 = 1,86 € je 100 € Nennwert.

Quelle: Tuckman und Serrat (2012)

Mehr: Anleihen-Mathematik: Preis, Rendite, Duration, Konvexität und Spreads rechnen

Subscription Line (Subscription Facility, Capital Call Facility, Kapitalabruflinie, Subscription Line of Credit)

Kurzfristiger Kredit an einen Fonds, besichert durch die noch offenen Zusagen der Anleger. Der Fonds kauft zuerst auf Kredit und ruft das Geld später ab; das verkürzt die J-Kurve und hebt den IRR vor allem früh in der Laufzeit, während Zinsen das Multiple senken. ILPA empfiehlt, den IRR mit und ohne Kreditlinie auszuweisen und Ziehungen auf 180 Tage zu begrenzen.

Beispiel: ILPA-Beispiel: ohne Kreditlinie IRR 6,62 % und TVPI 1,45, mit zweijähriger Linie IRR 7,98 % und TVPI 1,35.

Quelle: ILPA (2017)

Mehr: Private Markets messen: J-Kurve, Cashflows, Glättung und Public Proxy

Substanzwert (Value-Aktie)

Aktie mit niedriger Bewertung im Verhältnis zu Buchwert, Gewinn oder Dividende (Value-Aktie). Oft reife Unternehmen in Branchen wie Banken, Energie oder Industrie.

Mehr: Faktorinvesting: die Fama-French-Faktoren verstehen

Suezmax (Suezmax-Tanker)

Tankerklasse mit etwa 125.000 bis 180.000 t Tragfähigkeit; der Name stammt von der Größe, die ursprünglich gerade noch durch den Suezkanal passte. Portfolio Lab ordnet Tanker von 265 bis unter 320 m Länge so ein.

Quelle: Notteboom u. a. (2026)

Methodik: Schiffe an Engpässen (Beta): Methodik

Superexponentielles Wachstum (Faster-than-exponential growth, Hyperbolisches Wachstum, Finite-Time Singularity)

Wachstum, bei dem nicht nur der Kurs, sondern auch die Wachstumsrate steigt, also schneller als exponentiell. Im LPPLS-Modell steigt die Wachstumsrate gegen den kritischen Zeitpunkt unbegrenzt, während der Kurs endlich bleibt (Singularität).

Quelle: Sornette und Cauwels (2015)

Mehr: Spekulationsblasen: Was sie sind und wie das LPPLS-Modell sie sucht

Surplus (Überschuss)

Überschuss des Vermögens über den Barwert der Verpflichtungen. Im Asset-Liability-Management wird das Risiko dieses Überschusses gesteuert, nicht das des Vermögens allein.

Quelle: Sharpe und Tint (1990); Waring (2004)

Mehr: Asset-Liability-Management: Vermögen an künftigen Ausgaben ausrichten · Methodik: ALM-Methodik: wie Portfolio Lab Vermögen gegen Verpflichtungen rechnet

Survey of Professional Forecasters (SPF, EZB-Umfrage, Umfrage der EZB)

Umfrage der EZB unter Fachleuten von Finanz- und anderen Unternehmen, seit 1999 viermal im Jahr: Punktprognosen und Wahrscheinlichkeitsverteilungen für Inflation, Kerninflation, Wachstum und Arbeitslosigkeit im Euroraum. Sie enthält keine Risikoprämie, ist aber auch kein Marktpreis.

Quelle: EZB, Survey of Professional Forecasters (2026)

Mehr: Markterwartungen: Was Zinskurve, Inflationsanleihen und Optionen über die Zukunft verraten · Methodik: Makro-Dashboard und Regime-Analyse: Methodik

Survivorship Bias (Überlebensverzerrung)

Verzerrung, weil nur überlebende Fonds oder Aktien in den Daten stehen. Geschlossene, meist schlechte Fonds fehlen, die Vergangenheit sieht dadurch besser aus, als sie für Anleger war.

Quelle: Brown u. a. (1992); Malkiel (1995)

Mehr: Aktiv oder passiv investieren: ETF gegen Fondsmanager

Svensson-Modell (Nelson-Siegel-Svensson-Modell, Svensson-Kurve)

Erweiterung des Nelson-Siegel-Modells um einen zweiten Buckel: Sechs Parameter beschreiben Niveau, Steigung und zwei Krümmungen der Zinskurve. Die EZB schätzt damit täglich ihre Zinsstrukturkurven für den Euroraum.

Quelle: Svensson (1994); EZB, Methodik der Zinskurven (2026)

Methodik: Makro-Dashboard und Regime-Analyse: Methodik

SVI-Parametrisierung (SVI, Stochastic Volatility Inspired)

Formel mit fünf Parametern für die gesamte implizite Varianz einer Laufzeit über die logarithmische Moneyness: w(k) = a + b(ρ(k − m) + √((k − m)² + s²)). Sie beschreibt Smile und Skew glatt und lässt sich auf Arbitragefreiheit prüfen.

Quelle: Gatheral und Jacquier (2014)

Mehr: Optionsbewertung: wie faire Optionspreise entstehen · Methodik: Optionsrechner: so bewertet Portfolio Lab Optionen

Swap-ETF (synthetischer ETF)

Synthetisch replizierender ETF: Er hält einen Wertpapierkorb und tauscht dessen Rendite über einen Swap gegen die Indexrendite.

Mehr: ETF-Grundlagen: Kosten, Replikation und Ertragsverwendung

Swing Pricing (Swing-Faktor, Verwässerungsschutz)

Schutz vor Verwässerung: Übersteigen die Nettozu- oder -abflüsse eines Tages eine Schwelle, verschiebt der Fonds den Anteilspreis um einen Swing-Faktor in Höhe der geschätzten Handelskosten, bei Abflüssen nach unten, bei Zuflüssen nach oben.

Beispiel: Bei 6 % Nettorückgaben, einer Schwelle von 5 % und 0,40 % Swing-Faktor erhalten Ausscheidende 99,60 € statt 100,00 € je Anteil.

Quelle: Jin u. a. (2021)

Mehr: Indexanbieter und Bewertungszeitpunkt: Warum gleiche Indizes verschieden rechnen

Systematisches Risiko (Marktrisiko)

Risiko, das alle Anlagen gemeinsam trifft und sich nicht wegdiversifizieren lässt, etwa Rezessionen oder Zinsschocks. Nur dafür gibt es nach dem CAPM eine Prämie.

Quelle: Sharpe (1964)

Mehr: CAPM: Das Capital Asset Pricing Model und die Wertpapiermarktlinie

Kurz und vereinfacht erklärt; keine Anlage- oder Steuerberatung.