Portfolio Lab

Glossar: Begriffe mit H

32 Begriffe von Haircut Sharpe Ratio bis Hypothetisches Szenario, kurz erklärt und wo möglich mit Quelle. Alle Begriffe von A bis Z

Haircut Sharpe Ratio (Haircut)

Sharpe Ratio nach einem Abschlag für Mehrfachtests: Der p-Wert der gemessenen Sharpe Ratio wird für die Zahl der getesteten Strategien korrigiert, etwa nach Bonferroni oder Holm, und in eine kleinere Sharpe Ratio zurückgerechnet. Der Haircut ist der prozentuale Abschlag.

Quelle: Harvey und Liu (2015)

Mehr: Deflated Sharpe Ratio: Wie viel Können steckt in einer Sharpe Ratio?

Halbstrenge Markteffizienz

Alle öffentlich verfügbaren Informationen wie Geschäftsberichte oder Nachrichten sind sofort im Kurs. Fundamentalanalyse auf Basis öffentlicher Daten bringt dann keine Überrendite.

Quelle: Fama (1970)

Mehr: Effizienzmarkthypothese: Warum es so schwer ist, den Markt zu schlagen

Halbwertszeit (Half-Life, Halbwertszeit der Mean Reversion)

Zeit, bis sich eine Abweichung vom Gleichgewicht halbiert hat. In der Kointegrationsanalyse zeigt sie, wie schnell sich der Abstand zweier Kurse wieder schließt; geschätzt wird sie meist aus einer AR(1)-Regression des Spreads (Ornstein-Uhlenbeck-Prozess).

Quelle: Uhlenbeck und Ornstein (1930)

Mehr: Pairs-Trading und statistische Arbitrage: Idee, Methoden, Forschung · Methodik: Asset-Analyse: Methodik von Korrelation bis Kointegration

Halloween-Effekt (Sell in May, Halloween-Indikator)

Aktienrenditen von November bis April liegen in den meisten Märkten über denen von Mai bis Oktober (die Börsenregel „Sell in May and go away“). Weltweit betrug der Unterschied im Mittel rund 4 %; eine allgemein akzeptierte Erklärung gibt es nicht.

Quelle: Bouman und Jacobsen (2002); Zhang und Jacobsen (2021)

Mehr: Saisonalität an der Börse: Sell in May, Januar-Effekt und wie man Kalendereffekte testet

Hamilton-Filter (Hamilton Filter, Vorwärtsfilter)

Rekursion für die gefilterten Wahrscheinlichkeiten der Regime eines Markov-Modells: Vorhersage mit der Übergangsmatrix, Gewichtung mit der Dichte der neuen Beobachtung in jedem Regime, Normierung auf 1. Sie nutzt nur Daten bis zur jeweiligen Periode und ist deshalb in Echtzeit verfügbar.

Beispiel: Vorhersage 10,8 % turbulent, Dichte einer Woche mit −3 % im ruhigen Regime 0,02544, im turbulenten 0,08074: 0,108 × 0,08074 / (0,892 × 0,02544 + 0,108 × 0,08074) = 27,8 % turbulent.

Quelle: Hamilton (1989)

Mehr: Regime-Modelle: Hidden Markov, Markov-Switching und Co. · Methodik: Regime-Methodik: wie das Hidden-Markov-Modell rechnet

Handelsverbot vor Abschlüssen (Closed Period, geschlossener Zeitraum, Blackout Period)

Geschlossener Zeitraum von 30 Kalendertagen vor der Ankündigung eines Zwischen- oder Jahresabschlussberichts, in dem Führungskräfte nach Art. 19 Abs. 11 MAR nicht mit Finanzinstrumenten des Emittenten handeln dürfen, weder für sich noch für Dritte. Ausnahmen erlaubt der Emittent nur in engen Fällen.

Quelle: MAR (2014)

Mehr: Insiderhandel: was verboten ist, was erlaubt ist und was Directors' Dealings verraten

Hauptkomponentenanalyse (PCA)

Zerlegt die gemeinsame Schwankung vieler Anlagen in unabhängige Komponenten. Erklärt die erste fast alles, steckt im Portfolio im Kern nur ein Risiko.

Mehr: Korrelation und Diversifikation: warum Mischen das Risiko senkt

Hazard-Rate (Hazard Rate, Crash-Hazard-Rate, Ausfallrate)

Wahrscheinlichkeit je Zeiteinheit, dass ein Ereignis im nächsten Moment eintritt, falls es bis dahin ausgeblieben ist. Im JLS-Modell beschreibt sie das Crash-Risiko einer Blase; steigt sie, muss der Kurs schneller steigen, um Anleger für das Risiko zu entschädigen.

Quelle: Johansen, Ledoit und Sornette (2000)

Mehr: Spekulationsblasen: Was sie sind und wie das LPPLS-Modell sie sucht

Heartbeat-Trade (Heartbeat Trades, Heartbeat-Trades)

Große Zeichnung und kurz darauf Rücknahme von ETF-Anteilen durch einen Authorized Participant, bei der der Fonds Titel mit hohen Buchgewinnen herausgibt. Ein US-ETF realisiert so keine Gewinne, die er ausschütten müsste. Dieser Steuervorteil spielt für Anleger in Deutschland keine Rolle.

Quelle: Moussawi u. a. (2025)

Mehr: Aktive ETFs: Wie sie funktionieren und was sie bringen

Hebel (Leverage, Hebelwirkung)

Einsatz von geliehenem Geld oder Derivaten, sodass das Engagement größer ist als das eigene Kapital. Hebel vervielfacht Gewinne und Verluste; die Sharpe Ratio bleibt vor Kreditkosten gleich, der Drawdown nicht.

Mehr: Hebel im Portfolio: Rendite, Risiko, Kosten und Margin Calls · Methodik: Backtest-Methodik: Daten, Ablauf, Rebalancing und Kosten

Hebelaversion (Leverage Aversion)

Viele Anleger dürfen oder wollen keinen Kredit aufnehmen und kaufen für mehr Rendite riskante Anlagen. Diese werden dadurch zu teuer, risikoarme zu billig. Das ist eine Erklärung für Risk Parity und die Low-Beta-Anomalie.

Quelle: Asness u. a. (2012); Frazzini und Pedersen (2014)

Mehr: Hebel im Portfolio: Rendite, Risiko, Kosten und Margin Calls

Hebelfaktor (Leverage Ratio, Zielhebel, Hebelgrad, Gearing)

Verhältnis von Wertpapierbestand zu Eigenkapital. Hebel 2 heißt: Auf 10.000 € Eigenkapital kommen 20.000 € Wertpapiere und 10.000 € Kredit. Unter 1 liegt ein Teil als Cash, über 1 ist ein Teil geliehen. Im Backtest von Portfolio Lab gilt der Hebelfaktor je Wertpapier und wird in jeder Periode neu hergestellt wie bei einem gehebelten ETF.

Mehr: Hebel im Portfolio: Rendite, Risiko, Kosten und Margin Calls · Methodik: Backtest-Methodik: Daten, Ablauf, Rebalancing und Kosten

Hedge-Ratio (Hedge Ratio, Absicherungsquote)

Verhältnis, in dem zwei Werte gegeneinander gehandelt werden, damit ihr Spread möglichst stabil bleibt. Meist die Steigung β einer Regression der logarithmierten Kurse von A auf B, rollierend oder mit einem Kalman-Filter geschätzt.

Quelle: Vidyamurthy (2004); Chan (2013)

Mehr: Pairs-Trading und statistische Arbitrage: Idee, Methoden, Forschung · Methodik: Long/Short und statistische Arbitrage: Methodik

Hedgefonds (Hedge Fund, Hedge-Fonds)

Investmentfonds mit großen Freiheiten: Er darf leer verkaufen, Kredit aufnehmen und Derivate einsetzen und verfolgt Strategien wie Long/Short Equity, Market Neutral, Event Driven, Global Macro oder Relative Value. In der EU zählt er zu den alternativen Investmentfonds (AIF).

Quelle: Fung und Hsieh (1997)

Mehr: Leerverkauf, Hedgefonds und Hedging: Arten und Wirkung

Hedonischer Preisindex (hedonische Regression, Hedonik, Hedonic Index, Qualitätsbereinigung)

Preisindex, der jeden Preis aus Merkmalen erklärt (bei Kunst etwa Künstler, Größe und Technik, bei Oldtimern Marke, Modell und Baujahr) und den Zeiteffekt schätzt, der nach dieser Bereinigung übrig bleibt. Er nutzt alle Verkäufe, hängt aber davon ab, welche Merkmale das Modell erfasst.

Quelle: Renneboog und Spaenjers (2013); Laurs und Renneboog (2019)

Mehr: Sammlerstücke als Geldanlage: Was Kunst, Wein, Uhren und Oldtimer wirklich bringen

Herdenverhalten

Anleger richten sich nach dem, was andere tun, statt nach eigener Analyse. Es verstärkt Übertreibungen nach oben und unten.

Herfindahl-Hirschman-Index (HHI)

Summe der quadrierten Gewichte, ein Maß für Konzentration. Sein Kehrwert ist die effektive Anzahl gleich großer Positionen.

Beispiel: Gewichte 50 %, 25 % und 25 %: 0,25 + 0,0625 + 0,0625 = 0,375, effektiv 2,67 Positionen.

Mehr: Look-through: was wirklich in deinen ETFs steckt

Heteroskedastizität

Die Streuung der Fehler oder Renditen ist nicht konstant, sondern wechselt mit der Zeit oder mit anderen Größen. Übliche Standardfehler sind dann falsch; robuste Schätzer wie Newey-West helfen.

Quelle: Newey und West (1987)

Hidden-Markov-Modell (HMM, Hidden Markov Model)

Statistisches Modell, in dem ein verborgener Zustand (etwa ruhiger oder unruhiger Markt) einer Markov-Kette folgt und je Zustand eine eigene Verteilung der beobachteten Renditen gilt. Geschätzt wird meist mit dem Baum-Welch-Algorithmus, die wahrscheinlichste Zustandsfolge liefert der Viterbi-Algorithmus.

Quelle: Rabiner (1989); Baum u. a. (1970); Viterbi (1967)

Mehr: Regime-Modelle: Hidden Markov, Markov-Switching und Co. · Methodik: Regime-Methodik: wie das Hidden-Markov-Modell rechnet

Hierarchical Risk Parity (HRP)

Gewichtungsverfahren, das Anlagen zuerst nach ihren Korrelationen in einen Baum gruppiert und das Risiko dann schrittweise zwischen den Ästen aufteilt. Es braucht keine Inverse der Kovarianzmatrix und ist dadurch stabiler.

Quelle: López de Prado (2016)

Mehr: Hierarchical Risk Parity: Portfolios aus Clustern bauen

High Yield (Hochzinsanleihe, Junk Bond)

Anleihen mit Rating unter BBB−, auch Hochzinsanleihen genannt. Sie bringen höhere Zinsen, verhalten sich in Krisen aber eher wie Aktien.

Methodik: Risikofaktoren im Look-through: Methodik

High-Water-Mark (Hochwassermarke, Highwatermark)

Höchster bisheriger Anteilswert, ab dem eine Performance Fee wieder fällig wird. Nach Verlusten muss der Fonds erst den alten Höchststand zurückgewinnen, bevor der Manager erneut am Gewinn beteiligt wird.

Beispiel: Höchststand 120, Rückgang auf 100, Anstieg auf 125: Performance Fee nur auf 5 der 25 Punkte Anstieg.

Mehr: CTAs und Managed Futures: Branche, Positionsgröße, Kosten und Krisenschutz

Historische Simulation

Value at Risk direkt aus den beobachteten Renditen: Man sortiert sie und liest das Quantil ab. Ohne Verteilungsannahme, aber abhängig davon, ob der Zeitraum Krisen enthält.

Quelle: Jorion (2007)

Mehr: Value at Risk und Conditional VaR: wie viel im schlechten Fall weg sein kann

Historisches Szenario (Historischer Stresstest, Krisenszenario, Historical Scenario)

Stressszenario aus einer echten Krise: Die Marktbewegungen eines Krisenfensters, etwa der Finanzkrise 2007 bis 2009, werden auf das heutige Portfolio übertragen, entweder als Wiederholung der damaligen Renditen oder über Faktoren und Betas. Vorteil: Das Szenario ist passiert und in sich stimmig. Nachteil: Die nächste Krise sieht anders aus.

Quelle: Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (2018)

Mehr: Historischer Stresstest: wie du vergangene Krisen auf dein heutiges Portfolio überträgst

HML (Value-Faktor, Wertfaktor)

High minus Low: Rendite von Aktien mit hohem Buchwert-Marktwert-Verhältnis (günstig, Value) minus solcher mit niedrigem (teuer, Growth).

Quelle: Fama und French (1992); Fama und French (1993)

Mehr: Faktorinvesting: die Fama-French-Faktoren verstehen · Methodik: Faktorregression, Faktor-Allokation und Faktorstatistik: Methodik

Hochfrequenzhandel (HFT, High Frequency Trading, High-Frequency Trading)

High Frequency Trading (HFT): algorithmischer Handel mit Infrastruktur für minimale Verzögerung, etwa Co-Location, Orders ohne menschliches Eingreifen und sehr vielen Nachrichten; in der EU im Schnitt mindestens zwei Nachrichten je Sekunde in einem Instrument oder vier über alle Instrumente eines Handelsplatzes.

Quelle: MiFID II, Art. 4 (2014); Delegierte Verordnung (EU) 2017/565, Art. 19 (2017)

Home Bias (Heimatmarktneigung)

Anleger halten überproportional viele Aktien ihres eigenen Landes, obwohl internationale Streuung Risiko senkt. In Studien lag der Inlandsanteil bei Anlegern aus Japan, den USA und Großbritannien jeweils weit über dem Weltmarktanteil.

Quelle: French und Poterba (1991); Coval und Moskowitz (1999)

Mehr: Home Bias: Die Vorliebe für den Heimatmarkt und was sie kostet

Humankapital

Barwert des künftigen Arbeitseinkommens. Bei sicheren Jobs ähnelt es einer Anleihe und spricht für mehr Aktien im Finanzvermögen junger Anleger; bei branchennahen Jobs eher für Vorsicht.

Quelle: Bodie u. a. (1992); Cocco u. a. (2005)

Mehr: Aktienquote nach Alter: Faustregeln, Gleitpfad und was die Theorie sagt

Hurdle Rate (Hurdle, Preferred Return, Vorzugsrendite, Hürde, Catch-up)

Vorzugsrendite (Preferred Return), die Anleger erhalten, bevor der Verwalter am Gewinn beteiligt wird. Mit Catch-up bekommt der Verwalter danach zunächst die weiteren Erlöse, bis er seinen vollen Anteil am gesamten Gewinn hat; reichen die Erlöse, ändert die Hurdle dann nichts an der Höhe der Gewinnbeteiligung.

Beispiel: Kapital 100 über fünf Jahre, Hurdle 8 %: Vorzugsrendite 100 × (1,08^5 − 1) = 46,93; voller Catch-up bei 20 % Carry: 46,93 / 4 = 11,73.

Mehr: Private Equity erklärt: Strategien, Fondsstruktur, Gebühren und was die Forschung zur Rendite zeigt

HVPI (HICP, Verbraucherpreisindex)

Harmonisierter Verbraucherpreisindex, die einheitlich berechnete Inflationsrate der EU-Länder. Die Europäische Zentralbank richtet ihr Ziel von 2 % daran aus.

Mehr: Reale Rendite: was nach der Inflation übrig bleibt · Methodik: Makro-Dashboard und Regime-Analyse: Methodik

Hypothesentest

Statistisches Verfahren, das prüft, ob Daten mit einer Annahme (Nullhypothese, etwa „Alpha = 0“) vereinbar sind. Ergebnis ist ein Annehmen oder Verwerfen bei einer gewählten Irrtumswahrscheinlichkeit.

Hypothetisches Szenario (Hypothetischer Stresstest, Hypothetical Scenario)

Ausgedachtes Stressszenario für ein Ereignis, das es so noch nicht gab, etwa ein Zinsschock von zwei Prozentpunkten oder ein Ölpreisschock. Es zwingt dazu, Zusammenhänge zu durchdenken; wie stark sich die nicht vorgegebenen Faktoren mitbewegen, legt man selbst fest oder leitet es aus Korrelationen ab.

Quelle: Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (2018)

Mehr: Szenarioanalyse und Sensitivitätsanalyse: Aktien-, Zins-, Kredit- und Währungsrisiko im Stresstest

Kurz und vereinfacht erklärt; keine Anlage- oder Steuerberatung.