Glossar: Begriffe mit E
56 Begriffe von E-Geld-Token bis Extremwerttheorie, kurz erklärt und wo möglich mit Quelle. Alle Begriffe von A bis Z
- E-Geld-Token (EMT, E-Money Token)
Kryptowert nach MiCA, der seinen Wert durch Bezug auf eine einzige amtliche Währung stabil halten soll (englisch E-Money Token, EMT). Ausgeben dürfen ihn nur Kreditinstitute und E-Geld-Institute; Inhaber können jederzeit zum Nennwert zurücktauschen, Zinsen sind verboten. Mindestens 30 % der eingenommenen Gelder liegen auf getrennten Konten bei Kreditinstituten.
Beispiel: Umlauf 500 Mio. €: mindestens 0,3 × 500 = 150 Mio. € als Einlagen bei Kreditinstituten, der Rest von bis zu 350 Mio. € in sicheren, hochliquiden Anlagen derselben Währung.
Quelle: MiCA (2023); BaFin, MiCAR (2024)
Mehr: Digital Assets: Tokenisierung, Stablecoins, Kryptowertpapiere und digitaler Euro
- EDGAR (SEC EDGAR, EDGAR-Datenbank)
Electronic Data Gathering, Analysis, and Retrieval: das elektronische Melde- und Abrufsystem der SEC. Darüber laufen Jahres- und Quartalsberichte von Unternehmen, Insidermeldungen sowie öffentliche 13F-Meldungen; alle lassen sich kostenlos durchsuchen. Für Bestände bekannter Investoren ist EDGAR die Primärquelle.
Quelle: SEC, Form 13F (2026)
Mehr: Investorenlegenden: Anlagestile der bekanntesten Investoren von Graham bis Simons
- Effektive Anzahl
1 geteilt durch die Summe der quadrierten Anteile: Wie viele gleich große Positionen hätten dieselbe Streuung?
Beispiel: Anteile von 40, 30, 20 und 10 % ergeben 3,33.
- Effektive Zahl der Versuche (Effective Number of Trials, unabhängige Versuche, Zahl der Varianten)
Zahl der wirklich unabhängigen Varianten, die bei einer Strategiesuche ausprobiert wurden. Ähnliche Varianten, etwa benachbarte Parameter, sind stark korreliert und zählen zusammen weniger als ihre Anzahl; López de Prado und Lewis (2019) schätzen die effektive Zahl mit einem Clustering-Verfahren. Sie gehört als N in die Deflated Sharpe Ratio.
Quelle: López de Prado und Lewis (2019); Bailey und López de Prado (2014)
Mehr: Backtest-Overfitting: Wenn die Vergangenheit zu gut aussieht
- Effektive Zahl der Wetten (Effective Number of Bets, ENB, effektive Anzahl unabhängiger Wetten)
Maß dafür, wie viele unkorrelierte, gleich große Risiken ein Portfolio eingeht: Exponential der Entropie der Varianzanteile, die unkorrelierte Bausteine (Hauptkomponenten oder Minimum-Torsion-Faktoren) zum Portfoliorisiko beitragen. 1 heißt ein einziges Risiko, N heißt N gleich große.
Beispiel: Varianzanteile 50 % und 50 %: exp(−2 × 0,5 × ln 0,5) = 2 Wetten; Anteile 90 % und 10 %: 1,38 Wetten.
Quelle: Meucci (2009)
Mehr: Jenseits von Markowitz: Schätzfehler, Rauschen und echte Diversifikation · Methodik: Dimensionen-Methodik: wie Portfolio Lab unabhängige Risiken zählt
- Effizienzlinie (Efficient Frontier)
Alle Portfolios, die für ihr Risiko die höchste erwartete Rendite bieten (Markowitz, 1952).
- Effizienzmarkthypothese (EMH, Markteffizienz)
These, dass Kurse alle verfügbaren Informationen widerspiegeln, sodass sich mit diesen Informationen keine systematischen Überrenditen erzielen lassen. Fama unterschied schwache, halbstrenge und strenge Form.
Quelle: Fama (1970); Malkiel (2003)
Mehr: Effizienzmarkthypothese: Warum es so schwer ist, den Markt zu schlagen
- Eigenkapitalrendite (ROE, ROIC, Return on Equity, Kapitalrendite)
Jahresüberschuss geteilt durch das Eigenkapital (ROE). Die Kapitalrendite ROIC setzt dagegen den operativen Gewinn nach Steuern ins Verhältnis zum ganzen investierten Kapital und lässt sich direkt mit dem WACC vergleichen: Nur wenn sie darüber liegt, schafft Wachstum Wert.
Mehr: Fundamentalanalyse: Unternehmen bewerten wie ein Investor
- Eigenwert
In der Hauptkomponentenanalyse die Varianz, die eine Hauptkomponente erklärt. Der Anteil des größten Eigenwerts an der Summe zeigt, wie stark ein einziger Faktor alle Anlagen gemeinsam treibt.
Quelle: Pearson (1901)
Methodik: Asset-Analyse: Methodik von Korrelation bis Kointegration
- Eingepreiste Zinsänderung (eingepreiste Zinssenkungen, eingepreiste Zinserhöhungen, eingepreiste Zinsschritte)
Abstand zwischen dem Terminzins für einen künftigen Zeitraum und dem heutigen Leitzins, oft in Zinsschritten zu 0,25 Prozentpunkten ausgedrückt. Positiv heißt: Der Markt preist Erhöhungen ein, negativ Senkungen, jeweils samt Laufzeit- und Liquiditätsprämien.
Beispiel: Terminzins in einem Jahr 2,20 %, Einlagesatz 2,50 %: −0,30 Prozentpunkte ÷ 0,25 = −1,2 Zinsschritte, also gut eine Senkung.
Mehr: Markterwartungen: Was Zinskurve, Inflationsanleihen und Optionen über die Zukunft verraten · Methodik: Makro-Dashboard und Regime-Analyse: Methodik
- Einheitswurzel (Unit Root, Dickey-Fuller-Test)
Eigenschaft einer nicht stationären Zeitreihe, die wie ein Random Walk wandert und nicht zu einem Mittelwert zurückkehrt. Der Dickey-Fuller-Test prüft darauf; Kointegrationstests bauen auf ihm auf.
Quelle: Dickey und Fuller (1979)
- Einlagensicherung (Einlagensicherungssystem, Deposit Guarantee)
Gesetzlicher Schutz von Bankguthaben bei einer Bankpleite: in der EU bis 100.000 € je Einleger und Bank, für bestimmte Gutschriften wie einen Immobilienverkauf befristet höher. Wertpapiere wie ETFs sind keine Einlagen; sie sind als Sondervermögen geschützt.
Quelle: EinSiG § 8 (2015); Richtlinie (EU) 2026/804 (2026)
Mehr: Geldmarkt-ETF oder Tagesgeld: Zinsen, Sicherheit und Steuern im Vergleich
- Einmalanlage (Lump Sum)
Das ganze verfügbare Geld wird auf einmal angelegt. Weil Märkte im Mittel steigen, schlägt sie das gestaffelte Investieren in den meisten historischen Zeiträumen, aber nicht immer, und der Schreck bei sofortigen Verlusten ist größer.
Quelle: Rozeff (1994); Constantinides (1979)
Mehr: Sparplan oder Einmalanlage: Größeren Betrag auf einmal oder in Raten anlegen?
- ELTIF (ELTIF 2.0, European Long-Term Investment Fund, Europäischer langfristiger Investmentfonds)
European Long-Term Investment Fund: EU-Fondsform für nicht börsennotierte Unternehmen, Kredite, Infrastruktur und Immobilien. Seit ELTIF 2.0 (ab 10. Januar 2024) gelten mindestens 55 % zulässige Anlagen; Privatanleger dürfen nach einer Geeignetheitsprüfung und ohne gesetzliche Mindestanlage kaufen.
Quelle: Verordnung (EU) 2023/606 (2023)
Mehr: ELTIF: Private Markets für Privatanleger nach den Regeln von ELTIF 2.0
- EM-Algorithmus (Expectation-Maximization, EM-Verfahren)
Expectation-Maximization: Verfahren für Maximum-Likelihood-Schätzungen mit fehlenden oder verborgenen Daten. Es wechselt zwischen dem E-Schritt, der die verborgenen Größen mit den aktuellen Parametern als Wahrscheinlichkeiten schätzt, und dem M-Schritt, der die Parameter mit diesen Gewichten neu bestimmt. Typische Anwendungen sind Mischverteilungen wie das Gaussian Mixture Model und Hidden-Markov-Modelle.
Quelle: Dempster u. a. (1977)
Mehr: Regime-Modelle: Hidden Markov, Markov-Switching und Co. · Methodik: Regime-Methodik: wie das Hidden-Markov-Modell rechnet
- Emittentenmarge (Issuer Margin, Emissionsaufschlag)
Differenz zwischen Ausgabe- oder Briefkurs eines strukturierten Produkts und dem fairen Wert seiner Bausteine aus Anleihe und Optionen. Sie deckt Vertrieb, Absicherung und Gewinn des Emittenten.
Beispiel: Fairer Wert 82,76 €, Briefkurs 84,00 €: Marge 84 / 82,76 − 1 = 1,50 %.
Quelle: Henderson und Pearson (2011); Baule u. a. (2008)
Mehr: Optionsscheine, Turbos und Zertifikate: Was sie sind und was man draufzahlt
- Emittentenrisiko (Issuer Risk, Bonitätsrisiko des Emittenten)
Risiko, dass der Herausgeber einer Schuldverschreibung (Anleihe, Zertifikat, ETN oder ETC) zahlungsunfähig wird. Dann bekommt der Anleger nur, was im Insolvenzverfahren übrig bleibt, auch wenn sich der Basiswert gut entwickelt hat; die gesetzliche Einlagensicherung zahlt dafür nicht.
Quelle: EinSiG (2015); BGH (2011)
Mehr: Kontrahenten- und Emittentenrisiko: CVA, ETCs, Zertifikate und Swaps
- Emotionale Dividende (Emotional Dividend, Konsumdividende, nicht finanzieller Ertrag, Passion Investment, demonstrativer Konsum)
Nutzen, den der Besitz eines Sachwerts selbst stiftet: Freude an einem Bild, Fahrspaß, Ansehen. Er ersetzt einen Teil der finanziellen Rendite: Nach Mandel (2009) sind die finanziellen Renditen von Kunst deshalb niedrig; Dimson u. a. (2015) finden bei gereiften Spitzenweinen einen wachsenden nicht finanziellen Nutzen.
Quelle: Mandel (2009); Dimson u. a. (2015)
Mehr: Sammlerstücke als Geldanlage: Was Kunst, Wein, Uhren und Oldtimer wirklich bringen
- Endowment-Modell (Yale-Modell, Swensen-Modell, Stiftungsmodell)
Anlageansatz großer Universitätsstiftungen, geprägt von David Swensen in Yale: breite Streuung über viele Anlageklassen, wenig Anleihen und ein hoher Anteil illiquider Anlagen wie Private Equity, Immobilien und Hedgefonds, um von Illiquiditätsprämien und guten Managern zu profitieren. Setzt einen sehr langen Anlagehorizont voraus.
Quelle: Swensen (2000)
Mehr: Investorenlegenden: Anlagestile der bekanntesten Investoren von Graham bis Simons
- Endwert (Terminal Value, Restwert, ewige Rente)
Wert aller Cashflows nach dem Ende der Detailplanung, meist als ewige Rente mit konstantem Wachstum: letzter Cashflow × (1 + g) / (WACC − g). Er macht oft den größten Teil des Unternehmenswerts aus und reagiert stark auf WACC und Wachstum.
Mehr: Fundamentalanalyse: Unternehmen bewerten wie ein Investor
- Engle-Granger-Test (Engle-Granger-Verfahren, Kointegrationstest, Engle-Granger Two-Step)
Zweistufiger Test auf Kointegration: Erst schätzt eine Regression die Beziehung zweier Reihen, dann prüft ein Einheitswurzeltest, ob die Residuen stationär sind. Weil die Beziehung geschätzt ist, gelten strengere kritische Werte; p-Werte liefern die Formeln von MacKinnon.
Quelle: Engle und Granger (1987); MacKinnon (1994)
Mehr: Pairs-Trading und statistische Arbitrage: Idee, Methoden, Forschung · Methodik: Long/Short und statistische Arbitrage: Methodik
- Engpass (Seehandel) (Chokepoint, maritimer Engpass, Meerenge, Seeweg)
Meerenge oder Kanal, durch die ein großer Teil des Seehandels muss, etwa die Straßen von Malakka und Hormus, der Suezkanal oder der Panamakanal. 2024 flossen allein durch Hormus rund 20 Mio. Barrel Öl am Tag; fällt ein Engpass aus, müssen Schiffe lange Umwege fahren.
Quelle: EIA (2024); Dunn und Barden (2025)
Mehr: Schiffsdaten und Satellitenbilder: Was sie über Rohstoffe verraten · Methodik: Schiffe an Engpässen (Beta): Methodik
- Entgeltpunkte (Rentenpunkte, Entgeltpunkt, EP)
Rechengröße der gesetzlichen Rente (§ 70 SGB VI): Ein Jahr mit dem Durchschnittsentgelt aller Versicherten bringt einen Entgeltpunkt, halb so viel Lohn einen halben. Lohn über der Beitragsbemessungsgrenze zählt nicht. Die Monatsrente ist Entgeltpunkte × Zugangsfaktor × aktueller Rentenwert.
Beispiel: 48.000 € Jahresbrutto 2026 bei 51.944 € vorläufigem Durchschnittsentgelt: 0,924 Entgeltpunkte, also 0,924 × 42,52 € = 39,29 € Monatsrente; höchstens zählen 101.400 € / 51.944 € = 1,95 Punkte im Jahr.
Quelle: Deutsche Rentenversicherung (2025); Deutsche Rentenversicherung (2026)
Methodik: Methodik der freien Finanzrechner: Lohn, Rente, FIRE, Auto, Immobilie und Depot
- Entgeltumwandlung (bAV, betriebliche Altersvorsorge, Direktversicherung, Gehaltsumwandlung)
Teil des Bruttogehalts fließt statt aufs Konto in eine betriebliche Altersversorgung. Bis 8 % der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung ist das steuerfrei, bis 4 % auch sozialversicherungsfrei; der Arbeitgeber muss 15 % zuschießen, soweit er Sozialbeiträge spart. Im Alter sind die Leistungen voll steuer- und meist beitragspflichtig.
Beispiel: 2026: 8 % × 101.400 € = 8.112 € steuerfrei, 4 % × 101.400 € = 4.056 € auch frei von Sozialabgaben.
Quelle: BetrAVG § 1a (1974); EStG § 3 Nr. 63 (2009); SvEV (2006)
- Entnahmerate
Anteil des Startvermögens, der jährlich entnommen wird, meist inflationsangepasst. Die bekannte 4-%-Regel stammt aus US-Daten von William Bengen (1994).
- EONIA
Euro Overnight Index Average, der frühere Referenzzins für Tagesgeld im Euroraum bis 2021. Für lange Zeitreihen wird er mit €STR verkettet.
Methodik: Kennzahlen-Methodik: wie Portfolio Lab Rendite und Risiko misst
- Ereigniskontrakt (Event Contract, Event-Kontrakt, binärer Kontrakt)
Kontrakt, dessen Auszahlung vom Eintritt eines Ereignisses abhängt, meist 1 bei Ja und 0 bei Nein. Wirtschaftlich ist das eine digitale Option auf ein Ereignis. In den USA behandelt die CFTC solche Kontrakte als Swaps, die nur an registrierten Handelsplätzen angeboten werden dürfen.
Quelle: CFTC (2022)
Mehr: Prognosemärkte als Wetten auf Ereignisse: was sie können und was nicht
- Ereignisstudie (Event-Studie, Event Study, Schätzfenster, Ereignisfenster)
Methode, die die Kursreaktion auf ein Ereignis wie Gewinnzahlen, eine Übernahme oder eine Indexaufnahme misst: Aus einem Schätzfenster vor dem Ereignis wird die normale Rendite geschätzt, im Ereignisfenster die abnormale Rendite gemessen und über viele Ereignisse getestet.
Quelle: MacKinlay (1997); Fama u. a. (1969)
Mehr: Event-Studien: Wie man Kursreaktionen auf Ereignisse misst und testet
- Erfolgsquote
Anteil der simulierten Pfade, in denen das Geld bis zum Ende reicht oder ein Ziel erreicht wird.
- Erhaltungsrücklage (Instandhaltungsrücklage, Rücklage im Hausgeld, Sonderumlage)
Geld, das eine Eigentümergemeinschaft für Reparaturen am Gemeinschaftseigentum ansammelt, etwa an Dach, Fassade, Heizung oder Aufzug; früher hieß sie Instandhaltungsrücklage. Jeder Eigentümer zahlt sie anteilig mit dem Hausgeld (§ 19 Abs. 2 Nr. 4 WEG). Ist sie zu klein, drohen Sonderumlagen.
Beispiel: 100 m², Gebäude 31 Jahre alt, Instandhaltung nach II. BV 14,58 € je m² und Jahr, davon 70 % für das Gemeinschaftseigentum: 100 × 14,58 € × 70 % / 12 = 85,05 € im Monat.
Quelle: WEG (1951); II. BV (1990)
Mehr: Was Wohnen im Eigentum wirklich kostet: Kaufnebenkosten, Wohnnebenkosten und Instandhaltung · Methodik: Methodik der freien Finanzrechner: Lohn, Rente, FIRE, Auto, Immobilie und Depot
- Ersatzbemessungsgrundlage
Kennt die Bank die Anschaffungskosten nicht, etwa nach einem Depotwechsel ohne Datenübertragung, setzt sie 30 % des Verkaufserlöses als Gewinn an. Korrigieren lässt sich das über die Steuererklärung.
Beispiel: Verkauf für 10.000 € ohne bekannte Anschaffungskosten: 10.000 × 0,3 = 3.000 € gelten als Gewinn.
Quelle: EStG (2009)
Mehr: Abgeltungsteuer, Teilfreistellung und Sparerpauschbetrag bei ETFs
- Ersparte Miete (Imputierte Miete, Eigenmiete)
Der laufende Ertrag einer selbstgenutzten Immobilie: die Miete, die der Eigentümer für eine vergleichbare Wohnung zahlen müsste. Sie wird nicht ausgezahlt, ist aber neben der Wertänderung der wichtigste Teil der Rendite.
Mehr: Das ganze Vermögen: Gesamtvermögen aus Depot, Haus, Humankapital und Auto
- Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (Initial Claims, Initial Jobless Claims, Erstanträge, Continuing Claims, fortgesetzte Anträge)
Zahl der neuen Anträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA je Woche, wöchentlich vom US-Arbeitsministerium veröffentlicht. Sie ist einer der schnellsten Indikatoren für Entlassungen. Die fortgesetzten Anträge zeigen, wie viele weiter Unterstützung beziehen.
Methodik: Konjunktur-Puls: wie Portfolio Lab Frühindikatoren rechnet
- Ertragsanteil (Ertragsanteilsbesteuerung, Ertragsanteil Rente)
Bei privaten Leibrenten, etwa aus einer verrenteten privaten Rentenversicherung, wird nur dieser pauschale Zinsanteil der Rente besteuert. Er hängt vom Alter bei Rentenbeginn ab und steht in einer Tabelle in § 22 EStG.
Beispiel: Rentenbeginn mit 65: 18 %, mit 67: 17 % der Rente sind steuerpflichtig.
Quelle: EStG § 22 (2009)
- Ertragswertverfahren (Liegenschaftszinssatz, Ertragswert, Reinertrag, Kapitalisierungszins, Cap Rate)
Verfahren der Immobilienbewertung nach der ImmoWertV für Renditeobjekte: Aus marktüblich erzielbaren Erträgen, Bewirtschaftungskosten, Bodenwert, Restnutzungsdauer und Liegenschaftszinssatz ergibt sich der Ertragswert. Der Liegenschaftszinssatz ist ein Kapitalisierungszins, abgeleitet aus Kaufpreisen und Reinerträgen; steigt er, sinkt der Wert.
Beispiel: Stark vereinfacht als ewige Rente: 9.600 € Reinertrag ergeben bei 3,2 % einen Wert von 300.000 €, bei 3,7 % von 259.459 €.
Quelle: ImmoWertV (2021)
Mehr: Immobilien als Geldanlage: vermietete Wohnung, REITs, offene Fonds und Private Real Estate
- Erwartete maximale Sharpe Ratio (SR₀, Expected Maximum Sharpe Ratio, Hürde der Deflated Sharpe Ratio)
Sharpe Ratio, die die beste von N unabhängigen Varianten ohne echten Vorteil allein durch Zufall erwarten lässt: SR₀ = Streuung × ((1 − γ) × Φ⁻¹(1 − 1/N) + γ × Φ⁻¹(1 − 1/(N × e))) mit der Euler-Mascheroni-Konstante γ. Sie ist die Hürde der Deflated Sharpe Ratio und steigt mit der Zahl und der Streuung der Varianten.
Beispiel: Zehn Varianten, Streuung ihrer Sharpe Ratios 0,3 p. a.: 0,3 × (0,4228 × 1,282 + 0,5772 × 1,789) = 0,47 p. a.
Quelle: Bailey und López de Prado (2014)
Mehr: Deflated Sharpe Ratio: Wie viel Können steckt in einer Sharpe Ratio?
- Erwartungshypothese (Erwartungstheorie, Expectations Hypothesis, Erwartungstheorie der Zinsstruktur)
Annahme, dass lange Zinsen nur den Durchschnitt der erwarteten kurzen Zinsen widerspiegeln und Terminzinsen damit genau die erwarteten Zinsen sind. In den Daten hält sie nicht: Terminzinsen enthalten Laufzeitprämien, die über die Zeit schwanken.
Quelle: Campbell und Shiller (1991); Fama (1984)
Mehr: Markterwartungen: Was Zinskurve, Inflationsanleihen und Optionen über die Zukunft verraten
- Erwartungswert (Expected Value, Mittelwert einer Verteilung)
Mit den Wahrscheinlichkeiten gewichteter Durchschnitt aller möglichen Ergebnisse, in einer Simulation der Mittelwert über alle Pfade. Bei schiefen Verteilungen wie dem Endvermögen nach vielen Jahren liegt er über dem Median: Wenige sehr gute Pfade ziehen ihn nach oben.
Beispiel: Lognormalverteilung mit Median 1 und σ = 0,5: Erwartungswert e^(0,5² / 2) = 1,13.
Mehr: Volatility Drag: Warum Schwankung Rendite kostet · Methodik: Methodik der freien Finanzrechner: Lohn, Rente, FIRE, Auto, Immobilie und Depot
- ESG (Environmental, Social, Governance, Nachhaltigkeitskriterien)
Abkürzung für Environmental, Social, Governance (Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung). Sammelbegriff für Kriterien, nach denen Anleger Unternehmen über die Finanzkennzahlen hinaus beurteilen.
Mehr: ESG-ETFs: SFDR, Ratings, Rendite und die Grenzen nachhaltiger Fonds
- ESG-Rating (Nachhaltigkeitsrating, ESG-Score)
Note eines Ratinganbieters, wie gut ein Unternehmen ESG-Kriterien erfüllt. Die Ratings verschiedener Anbieter weichen stark voneinander ab, vor allem weil sie dieselben Kategorien unterschiedlich messen und verschiedene Kategorien einbeziehen.
Quelle: Berg u. a. (2022)
Mehr: ESG-ETFs: SFDR, Ratings, Rendite und die Grenzen nachhaltiger Fonds
- ETC (Exchange Traded Commodity)
Exchange Traded Commodity: börsengehandelte Schuldverschreibung auf einen Rohstoff, oft mit physischer Hinterlegung, etwa bei Gold. Kein Sondervermögen: Es besteht ein Emittentenrisiko, das die Besicherung mindert.
- ETF (Exchange Traded Fund, börsengehandelter Indexfonds)
Exchange Traded Fund: börsengehandelter Investmentfonds, der meist einen Index nachbildet. Er lässt sich während der Handelszeit wie eine Aktie kaufen und verkaufen und ist als Sondervermögen geschützt.
Quelle: Ben-David u. a. (2017)
Mehr: ETF-Grundlagen: Kosten, Replikation und Ertragsverwendung
- ETN (Exchange Traded Note)
Exchange Traded Note: unbesicherte Schuldverschreibung, deren Rückzahlung von einem Index abhängt. Fällt der Emittent aus, ist das Geld weg, auch wenn der Index gestiegen ist.
- Euler-Zerlegung
Mathematischer Grund, warum sich Risikobeiträge exakt aufaddieren: Volatilität ist in den Gewichten homogen vom Grad eins, also gleich der Summe aus Gewicht mal partieller Ableitung.
Quelle: Roncalli (2013)
Mehr: Risikobeitrag: das Portfoliorisiko in seine Teile zerlegen
- EV/EBITDA (Enterprise Value, Unternehmenswert, EV/EBITDA-Multiple)
Unternehmenswert (Börsenwert plus Nettofinanzschulden) geteilt durch das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Anders als das KGV hängt die Kennzahl kaum davon ab, wie ein Unternehmen finanziert ist; Firmen mit hohen Investitionen wirken damit aber leicht billiger, als sie sind.
Mehr: Fundamentalanalyse: Unternehmen bewerten wie ein Investor
- Ewige Entnahmerate (Perpetual Withdrawal Rate)
Höchste Entnahme pro Jahr in Prozent des Startvermögens, laufend an die Inflation angepasst, bei der das Vermögen am Ende real mindestens so groß ist wie am Anfang. Sie liegt unter der sicheren Entnahmerate, die das Kapital aufbrauchen darf.
Mehr: Sichere Entnahmerate: was die 4-%-Regel taugt · Methodik: Backtest-Methodik: Daten, Ablauf, Rebalancing und Kosten
- Ex-post-Kostenausweis (Kostenausweis, MiFID-II-Kostenreport, Ex-post-Kosteninformation)
Jährliche, individuelle Aufstellung aller tatsächlich angefallenen Kosten und Nebenkosten nach MiFID II als Betrag in Euro und als Prozentsatz, mit einer Veranschaulichung, wie die Kosten die Rendite kumuliert mindern.
Quelle: EU-Kommission (2017)
Mehr: Portfolio-Reporting: Rendite, Risiko, Attribution und Kosten richtig berichten
- Ex-Tag (Ex-Dividenden-Tag, Ex-Datum, Dividendenabschlag)
Erster Handelstag, an dem eine Aktie ohne Anspruch auf die beschlossene Dividende gehandelt wird. Der Kurs fällt dann ungefähr um die Dividende; wie stark genau, hängt auch an den Steuersätzen der Anleger.
Quelle: Elton und Gruber (1970)
Mehr: Cum-Ex und Cum-Cum: Wie die Dividendengeschäfte funktionierten und was heute gilt
- Excess CAPE Yield
Gewinnrendite des Aktienmarkts (1 / CAPE) minus realer Zins zehnjähriger Staatsanleihen: der Mehrertrag von Aktien gegenüber Anleihen.
- Excess Growth Rate (Überschusswachstumsrate)
In der stochastischen Portfoliotheorie der Abstand zwischen der Wachstumsrate eines Portfolios und dem gewichteten Mittel der Wachstumsraten seiner Positionen: ½ × (Σ wᵢσᵢ² − σ_p²). Bei positiven Gewichten nie negativ, und je weniger die Positionen korrelieren, desto größer.
Beispiel: Zwei unkorrelierte Anlagen mit je 20 % Volatilität, 50/50: ½ × (0,04 − 0,02) = 0,01, also 1 Prozentpunkt Wachstumsrate pro Jahr.
Quelle: Fernholz (2002)
Mehr: Jenseits von Markowitz: Schätzfehler, Rauschen und echte Diversifikation · Methodik: Dimensionen-Methodik: wie Portfolio Lab unabhängige Risiken zählt
- Expected Exposure (EE, Potential Future Exposure, PFE)
Erwarteter positiver Marktwert der Geschäfte mit einem Vertragspartner zu einem künftigen Zeitpunkt, also der Betrag, der bei einem Ausfall im Mittel auf dem Spiel stünde. Die Potential Future Exposure (PFE) ist dagegen ein hohes Quantil dieses Werts, etwa 95 %.
Quelle: Gregory (2020)
Mehr: Kontrahenten- und Emittentenrisiko: CVA, ETCs, Zertifikate und Swaps
- Explosiver Kursverlauf (PSY-Test, GSADF-Test, SADF-Test, Explosive Behavior, Explosivitätstest, Rechtsseitiger Dickey-Fuller-Test)
Kurs, der zeitweise stärker wächst, als ein Random Walk erlaubt. Tests wie der PSY-Test von Phillips, Shi und Yu prüfen das mit rechtsseitigen Einheitswurzeltests über wechselnde Fenster und datieren Beginn und Ende solcher Phasen.
Quelle: Phillips, Wu und Yu (2011); Phillips, Shi und Yu (2015)
Mehr: Spekulationsblasen: Was sie sind und wie das LPPLS-Modell sie sucht
- Exposure-Gewicht (Nominalgewicht, Exposure-Gewichtung)
Gewicht eines Segments nach seinem wirtschaftlichen Exposure statt nach dem Marktwert: Futures und Swaps mit dem Nominalwert, Optionen mit Delta mal Basiswert, dazu eine Finanzierungszeile, damit die Gewichte auf 100 % aufgehen.
Beispiel: 50 % Aktien plus Aktien-Futures über 10 % des Vermögens: Exposure-Gewicht der Aktien 50 % + 10 % = 60 %, Finanzierung −10 %.
Mehr: Multi-Asset-Attribution: Gewichtungsschemata, Top-down und Bottom-up, Währungen und Overlays
- Express-Zertifikat (Autocallable, Autocall)
Zertifikat, das vorzeitig mit Kupon zurückgezahlt wird, wenn der Basiswert an einem Beobachtungstag über einer Schwelle liegt. Sonst läuft es weiter; am Ende schützt eine Barriere, darunter trägst du den Kursverlust. Zerlegt: Anleihe plus digitale Calls minus Down-and-in-Put.
Mehr: Optionsscheine, Turbos und Zertifikate: Was sie sind und was man draufzahlt
- Extremwerttheorie
Statistik der seltenen, sehr großen Ereignisse. Sie modelliert nur die Ränder einer Verteilung und schätzt damit Verluste jenseits dessen, was in kurzen Datenreihen je beobachtet wurde.
Kurz und vereinfacht erklärt; keine Anlage- oder Steuerberatung.