Portfolio Lab

Glossar: Begriffe mit O

18 Begriffe von OBPI bis Overlay, kurz erklärt und wo möglich mit Quelle. Alle Begriffe von A bis Z

OBPI (Option Based Portfolio Insurance, Optionsbasierte Wertsicherung)

Option Based Portfolio Insurance: Aktien plus Put oder sichere Anlage plus Call, auch mit laufend angepassten Positionen in Aktien und Cash nachgebildet. Der Schutz gilt zu einem festen Endtermin und kostet eine Optionsprämie.

Quelle: Bertrand und Prigent (2002); Rubinstein und Leland (1981)

Mehr: CPPI: Wertsicherung mit Polster, Floor und Multiplikator

Offener Immobilienfonds (Immobilien-Sondervermögen, Mindesthaltefrist, Rückgabefrist Immobilienfonds, offene Immobilienfonds)

Sondervermögen nach dem KAGB, das in viele Immobilien investiert und Anteile laufend ausgibt und zurücknimmt, aber erst nach einer Mindesthaltefrist von 24 Monaten und mit einer unwiderruflichen Rückgabeerklärung zwölf Monate im Voraus. Mindestens 5 % des Fondsvermögens müssen für Rücknahmen verfügbar sein; reicht das Geld nicht, setzt der Fonds die Rücknahme aus, nach 36 Monaten ohne ausreichende Liquidität wird er abgewickelt.

Quelle: KAGB (2013)

Mehr: Immobilien als Geldanlage: vermietete Wohnung, REITs, offene Fonds und Private Real Estate

OGAW (UCITS)

Organismus für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren: EU-Regelwerk für Publikumsfonds (englisch UCITS) mit Vorgaben zu Streuung, Liquidität, Verwahrung und Information. Fast alle in Deutschland angebotenen ETFs sind OGAW.

Mehr: ETF-Grundlagen: Kosten, Replikation und Ertragsverwendung

Omega (effektiver Hebel) (Effektiver Hebel, Lambda (Optionsschein))

Prozentuale Änderung des Preises eines Optionsscheins je 1 % Kursänderung des Basiswerts: Delta mal einfacher Hebel. Anders als der einfache Hebel berücksichtigt es, dass sich ein Schein aus dem Geld weniger bewegt als der Basiswert.

Beispiel: Delta 0,3836, Kurs 100 €, Bezugsverhältnis 0,1, Preis 0,53 €: Omega = 0,3836 × 100 × 0,1 / 0,53 = 7,24.

Mehr: Optionsscheine, Turbos und Zertifikate: Was sie sind und was man draufzahlt · Methodik: Optionsrechner: so bewertet Portfolio Lab Optionen

Omega Ratio

Verhältnis der Gewinne über einer Schwelle zu den Verlusten darunter, gewichtet mit ihren Wahrscheinlichkeiten. Sie nutzt die ganze Verteilung statt nur Mittelwert und Varianz; über 1 heißt: mehr Gewinn- als Verlustmasse.

Quelle: Bacon (2008)

Mehr: Risikokennzahlen jenseits der Sharpe Ratio: Treynor, Calmar, Omega, Ulcer Index und mehr

Opportunitätskosten (Kosten der entgangenen Gelegenheit)

Entgangener Ertrag der besten Alternative. Eigenkapital in einer Wohnung kostet keine Zinsen, aber die Rendite, die es im Depot gebracht hätte.

Beispiel: 120.000 € Eigenkapital bei 5 % erwarteter Rendite im Depot: 6.000 € Opportunitätskosten pro Jahr.

Mehr: Das ganze Vermögen: Gesamtvermögen aus Depot, Haus, Humankapital und Auto

Optimiertes Rollen (Enhanced Roll, optimierte Rollstrategie)

Rollstrategie für Rohstoff-Futures, die nicht stur in den nächstfälligen Kontrakt wechselt, sondern etwa den Kontrakt mit dem geringsten Contango oder der stärksten Backwardation wählt oder den Zeitpunkt des Wechsels verschiebt. Grundlage vieler „Enhanced“-Rohstoffindizes.

Quelle: Mouakhar und Roberge (2009)

Mehr: Aktiv oder passiv bei Anleihen und Rohstoffen: Warum die Regeln anders sind als bei Aktien

Optimiertes Sampling (Sampling)

Physisch replizierender ETF hält nur einen Teil der Indexwerte, ausgewählt so, dass Länder, Sektoren und Kennzahlen dem Index entsprechen. Üblich bei Indizes mit Tausenden Titeln.

Mehr: ETF-Grundlagen: Kosten, Replikation und Ertragsverwendung

Option

Recht, aber keine Pflicht, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put). Der Käufer zahlt dafür eine Prämie, der Verkäufer (Stillhalter) trägt das Risiko.

Quelle: Black und Scholes (1973)

Mehr: Optionsbewertung: wie faire Optionspreise entstehen · Methodik: Optionsrechner: so bewertet Portfolio Lab Optionen

Option-Adjusted Spread (OAS, optionsbereinigter Spread)

Spread einer Anleihe mit eingebetteten Optionen, etwa einem Kündigungsrecht des Emittenten, nach Abzug des Optionswerts; berechnet mit einem Zinsmodell. Ohne Optionen entspricht er dem Z-Spread, bei kündbaren Anleihen liegt er darunter.

Mehr: Anleihen-Mathematik: Preis, Rendite, Duration, Konvexität und Spreads rechnen

Optionsschein (Warrant, Call-Optionsschein, Put-Optionsschein)

Von einer Bank verbriefte und börslich handelbare Option auf einen Basiswert. Der Emittent ist Stillhalter, stellt laufend Geld- und Briefkurse und sichert sich ab. Wie bei jeder Schuldverschreibung trägst du das Emittentenrisiko.

Beispiel: Call-Optionsschein mit Strike 110 € und Bezugsverhältnis 0,1 für 0,53 €: Break-even am Verfallstag bei 110 + 0,53 / 0,1 = 115,30 €.

Quelle: Bartram u. a. (2008); Baule und Blonski (2015)

Mehr: Optionsscheine, Turbos und Zertifikate: Was sie sind und was man draufzahlt · Methodik: Optionsrechner: so bewertet Portfolio Lab Optionen

Oracle (Orakel, Price Oracle)

Dienst, der Daten von außerhalb der Blockchain (Kurse, Zinsen, Ereignisse) in einen Smart Contract liefert. Er ist eine Schwachstelle: Ist der gemeldete Wert falsch oder manipuliert, rechnet der Vertrag mit falschen Zahlen, etwa bei Nachschüssen oder Liquidationen.

Mehr: Digital Assets: Tokenisierung, Stablecoins, Kryptowertpapiere und digitaler Euro

Original Issue Discount (OID) (OID, Disagio, Upfront Fee)

Abschlag bei der Auszahlung eines Kredits oder einer Anleihe: Der Kreditnehmer erhält weniger als den Nennwert, zahlt aber den vollen Nennwert zurück. Der Abschlag erhöht die Rendite des Kreditgebers, verteilt über die Laufzeit, und zwar umso mehr, je früher zurückgezahlt wird.

Beispiel: Auszahlung zu 98, Rückzahlung zu 100 nach vier Jahren: grob 2 / 4 = 0,5 Prozentpunkte Rendite pro Jahr zusätzlich.

Mehr: Private Debt in der Praxis: Direct Lending, Unitranche, Mezzanine, Kreditstruktur und Fondsvehikel

Ornstein-Uhlenbeck-Prozess (OU-Prozess, Ornstein-Uhlenbeck Process)

Zufallsprozess, der mit einer Kraft proportional zu seinem Abstand vom Gleichgewicht zurückgezogen wird. Standardmodell für Spreads und Residuen in der statistischen Arbitrage; in Tagesdaten entspricht er einer AR(1)-Regression, aus der sich Rückkehrgeschwindigkeit und Halbwertszeit ergeben.

Quelle: Uhlenbeck und Ornstein (1930); Avellaneda und Lee (2010)

Mehr: Pairs-Trading und statistische Arbitrage: Idee, Methoden, Forschung · Methodik: Long/Short und statistische Arbitrage: Methodik

Out-of-Sample-R² (R²_OS, Out-of-sample R2)

Gütemaß für Prognosen außerhalb der Stichprobe: 1 minus der quadrierte Fehler des Modells geteilt durch den quadrierten Fehler des historischen Mittelwerts. Ein positiver Wert heißt, das Modell schlägt den Mittelwert; bei Monatsrenditen von Aktien sind schon kleine positive Werte selten.

Beispiel: Mittlerer quadratischer Fehler 19,90 statt 20,00 beim historischen Mittelwert: 1 − 19,90 / 20,00 = 0,5 %.

Quelle: Campbell und Thompson (2008); Welch und Goyal (2008)

Mehr: Prognosemodelle für Renditen: ARIMA, GARCH, LSTM und Machine Learning

Overcommitment (Overcommitment-Quote, Overcommitment-Strategie)

Mehr zusagen, als der Zielquote entspricht, weil nie die ganze Zusage gleichzeitig investiert ist: Frühe Fonds schütten schon aus, späte haben noch nicht alles abgerufen. Die Overcommitment-Quote setzt NAV plus offene Zusagen ins Verhältnis zum Zielbetrag; die offenen Zusagen müssen jederzeit bezahlbar sein.

Beispiel: Ziel 15 %, offene Zusagen 8,99 % des Vermögens: (15 + 8,99) / 15 = 1,60.

Mehr: Takahashi-Alexander-Modell: Cashflows von Private-Markets-Fonds planen

Overfitting (Überanpassung)

Ein Modell passt sich dem Rauschen der Vergangenheit an statt den echten Zusammenhängen. Kennzeichen: viele Parameter, glänzender Backtest, enttäuschende Ergebnisse danach.

Quelle: Bailey u. a. (2016); López de Prado (2018)

Mehr: Backtest-Overfitting: Wenn die Vergangenheit zu gut aussieht

Overlay (Derivate-Overlay, Futures-Overlay, Währungs-Overlay)

Derivate, meist Futures, Swaps oder Devisentermingeschäfte, die über ein bestehendes Portfolio gelegt werden, um Exposure oder Währungsrisiko zu verändern, ohne die Wertpapiere selbst zu kaufen oder zu verkaufen.

Mehr: Multi-Asset-Attribution: Gewichtungsschemata, Top-down und Bottom-up, Währungen und Overlays

Kurz und vereinfacht erklärt; keine Anlage- oder Steuerberatung.