Glossar: Begriffe mit M
62 Begriffe von M² bis Mutterindex, kurz erklärt und wo möglich mit Quelle. Alle Begriffe von A bis Z
- M²
Modigliani-Kennzahl: die Rendite, die ein Portfolio bei gleicher Volatilität wie die Benchmark gehabt hätte. Macht Sharpe Ratios in Prozentpunkten vergleichbar.
- Macaulay-Duration
Mittlere Bindungsdauer der Zahlungen einer Anleihe, gewichtet mit ihren Barwerten, in Jahren. Bei einer Nullkuponanleihe entspricht sie der Restlaufzeit.
Quelle: Macaulay (1938)
- MACD (Moving Average Convergence Divergence)
Moving Average Convergence Divergence: Differenz zweier exponentieller Durchschnitte, üblich über 12 und 26 Perioden. Die Signallinie ist deren Durchschnitt über 9 Perioden; Kreuzungen gelten in der Charttechnik als Kauf- oder Verkaufssignal.
Mehr: Charttechnik, Chartmuster und Candlesticks aus Quant-Sicht
- Magic Formula (Zauberformel, Greenblatt-Formel, Magic Formula Investing)
Regel von Joel Greenblatt: Alle Aktien werden einmal nach der Gewinnrendite (operativer Gewinn geteilt durch Unternehmenswert) und einmal nach der Kapitalrendite (operativer Gewinn geteilt durch eingesetztes Kapital) in eine Rangfolge gebracht. Gekauft werden die Aktien mit der kleinsten Summe beider Ränge, also gut und günstig zugleich.
Beispiel: Aktie A: Rang 3 bei der Gewinnrendite und Rang 10 bei der Kapitalrendite, Summe 13; Aktie B: 8 + 4 = 12. B liegt vor A.
Quelle: Greenblatt (2005)
Mehr: Investorenlegenden: Anlagestile der bekanntesten Investoren von Graham bis Simons
- Mahalanobis-Distanz (Mahalanobis-Abstand, Mahalanobis Distance)
Abstand eines Vektors von Bewegungen vom Normalfall, gemessen in Standardabweichungen und unter Berücksichtigung der Korrelationen: d = √(xᵀ Σ⁻¹ x). Eine Bewegung gegen die üblichen Korrelationen zählt weiter als dieselbe Bewegung mit ihnen. Im Stresstest misst sie die Plausibilität eines Szenarios, als Turbulenzmaß die Ungewöhnlichkeit eines Zeitraums.
Beispiel: Aktien −30 % bei 4,5 % Monatsschwankung sind 6,67 Standardabweichungen. Bleiben die Zinsen dabei unverändert, obwohl sie mit Korrelation 0,3 mitlaufen, wächst der Abstand auf 6,67 / √(1 − 0,3²) = 6,99.
Quelle: Breuer u. a. (2009); Kritzman und Li (2010)
Mehr: Historischer Stresstest: wie du vergangene Krisen auf dein heutiges Portfolio überträgst
- Managed Futures (Managed-Futures-Fonds, Trendfolgefonds)
Anlageklasse der CTAs: Fonds und Mandate, die mit Futures auf Aktienindizes, Anleihen, Währungen und Rohstoffe long und short handeln, meist mit Trendsignalen und einer Zielvolatilität. In Portfolio Lab gibt es dafür die Anlageklasse „Trendfolge (Managed Futures)“.
Quelle: Fung und Hsieh (2001); Hurst u. a. (2017)
Mehr: CTAs und Managed Futures: Branche, Positionsgröße, Kosten und Krisenschutz · Methodik: Taktik-Methodik: wie die elf taktischen Modelle rechnen
- Management-Buyout (MBO, MBI, Management-Buy-in, Sweet Equity, Owner-Buyout)
Übernahme eines Unternehmens durch sein eigenes Management, meist zusammen mit einem Finanzinvestor und mit Schulden finanziert; beim Management-Buy-in (MBI) kommt das Management von außen. Die Manager investieren eigenes Geld und erhalten oft einen überproportionalen Anteil am Wertzuwachs (Sweet Equity). Laut Kaplan und Strömberg (2009) erhält der Vorstandschef in US-Buyouts im Median 5,4 % des Wertzuwachses, das Management zusammen 16 %.
Quelle: Kaplan und Strömberg (2009)
Mehr: Buyout-Fonds und Management-Buyouts: Wie LBO, MBO und MBI funktionieren
- Mandat (Verwaltungsmandat, Spezialmandat, Segregated Account, Separate Account)
Auftrag eines institutionellen Anlegers an einen Asset Manager, einen bestimmten Teil seines Vermögens nach festen Anlagerichtlinien und gegen eine Benchmark zu verwalten, entweder als eigenes Depot (Segregated Account) oder über einen Fonds, den nur dieser Anleger hält, etwa einen Spezialfonds.
Mehr: RFP und Mandatsvergabe: Wie institutionelle Anleger Asset Manager auswählen
- Marchenko-Pastur-Verteilung (Marchenko-Pastur-Grenze, Rauschgrenze, Marčenko-Pastur)
Verteilung der Eigenwerte einer Korrelationsmatrix, die aus reinem Zufall geschätzt ist. Bei N unabhängigen Reihen und T Beobachtungen liegen die Eigenwerte zwischen (1 − √q)² und (1 + √q)² mit q = N/T; nur Eigenwerte über der oberen Grenze deuten auf echte gemeinsame Bewegungen hin.
Beispiel: 50 Anlagen, 120 Monate: q = 50/120 ≈ 0,42 und obere Grenze (1 + √0,4167)² = 2,71.
Quelle: Marchenko und Pastur (1967); Laloux u. a. (1999)
Mehr: Jenseits von Markowitz: Schätzfehler, Rauschen und echte Diversifikation · Methodik: Dimensionen-Methodik: wie Portfolio Lab unabhängige Risiken zählt
- Margin Call (Nachschussforderung, Nachschusspflicht, Zwangsverkauf, Margin-Call)
Nachschussforderung beim Wertpapierkredit: Fällt das Eigenkapital unter die Mindestmarge, musst du Geld nachschießen oder Wertpapiere verkaufen, sonst verkauft der Kreditgeber. Bei Hebel 2 und 25 % Mindestmarge passiert das ohne Zinsen nach einem Kursrückgang um 33,33 % seit dem Kauf.
Quelle: Brunnermeier und Pedersen (2009); FINRA-Regel 4210 (2026)
Mehr: Hebel im Portfolio: Rendite, Risiko, Kosten und Margin Calls
- Marginaler Risikobeitrag
Wie stark die Portfoliovolatilität steigt, wenn man das Gewicht einer Position ein wenig erhöht: Kovarianz der Position mit dem Portfolio geteilt durch die Portfoliovolatilität.
Quelle: Roncalli (2013)
Mehr: Risikobeitrag: das Portfoliorisiko in seine Teile zerlegen
- Market Impact (Marktwirkung, Price Impact, Quadratwurzel-Gesetz)
Kursbewegung, die ein eigener Auftrag auslöst: Käufe treiben den Kurs, Verkäufe drücken ihn. Bei großen, gestückelten Aufträgen wächst sie empirisch etwa mit der Wurzel der Ordergröße (Quadratwurzel-Gesetz).
Beispiel: Tagesvolatilität 2 %, Order von 4 % des Tagesvolumens: 2 % × √0,04 = 0,40 %; bei 16 % des Volumens 2 % × √0,16 = 0,80 %.
Quelle: Tóth u. a. (2011); Kyle (1985)
Mehr: Ordertypen und Ausführung: von der Limit-Order über MOC und VWAP bis zu TAS und BTIC
- Market Maker (Designated Sponsor)
Händler, der fortlaufend Kauf- und Verkaufskurse stellt und so für Handelbarkeit sorgt. Bei ETFs verpflichten sich meist mehrere Market Maker zu verbindlichen Kursen mit begrenzter Spanne.
Mehr: ETF-Grundlagen: Kosten, Replikation und Ertragsverwendung
- Market on Cash Close (MOCC, MOCO, Market on Cash Open)
MOCC: Order auf einen Index-Future, die sich auf den Schluss des Kassamarkts bezieht, also auf die Schlussauktion der Aktien, nicht auf das spätere Handelsende des Futures. Kein einheitlicher Börsen-Ordertyp, die Umsetzung legt der Broker fest; für die Eröffnung heißt das Gegenstück MOCO (Market on Cash Open). Genau zum Indexstand plus Basis handeln lässt sich über BTIC und TACO an der CME oder TAIC an der Eurex.
Quelle: FIX Trading Community (2012); CME Group, TACO (2026)
Mehr: Ordertypen und Ausführung: von der Limit-Order über MOC und VWAP bis zu TAS und BTIC
- Market-on-Close-Order (MOC, LOC, MOO, LOO, Market-on-Open, Limit-on-Close)
Order, die in der Schlussauktion zum Schlusskurs ausgeführt wird; mit Limit heißt sie Limit-on-Close (LOC). Für die Eröffnungsauktion gibt es Market-on-Open (MOO) und Limit-on-Open (LOO). An der NYSE sind MOC- und LOC-Orders bis 15:50 Uhr Ortszeit einzugeben.
Quelle: NYSE (2024)
Mehr: Ordertypen und Ausführung: von der Limit-Order über MOC und VWAP bis zu TAS und BTIC
- Markov-Switching-Modell (Regime-Switching-Modell, Markov-Switching, Regimewechselmodell)
Regression oder Zeitreihenmodell, dessen Konstante, Steigungen oder Varianz je nach verborgenem Regime wechseln; das Regime folgt einer Markov-Kette. James Hamilton schätzte so 1989 Aufschwung und Rezession aus dem Wachstum des US-Bruttosozialprodukts.
Quelle: Hamilton (1989); Hamilton (1994)
Mehr: Regime-Modelle: Hidden Markov, Markov-Switching und Co.
- Marktbewertung
Einschätzung, ob ein Gesamtmarkt teuer oder günstig ist, etwa über CAPE, KGV, Dividendenrendite oder Gewinnrendite gegenüber Anleihezinsen. Sie hilft bei Renditeerwartungen, kaum beim kurzfristigen Timing.
Mehr: Shiller-KGV (CAPE): wie teuer ist der Aktienmarkt? · Methodik: Bewertung mit dem Shiller-KGV: Methodik
- Marktfaktor (Mkt-RF, Marktrisikoprämie)
Rendite des Aktienmarkts über dem risikofreien Zins (Mkt-RF). Erster Faktor fast aller Faktormodelle; seine Ladung ist das Markt-Beta.
Quelle: Sharpe (1964); Fama und French (1993)
Mehr: Faktorinvesting: die Fama-French-Faktoren verstehen · Methodik: Faktorregression, Faktor-Allokation und Faktorstatistik: Methodik
- Marktkapitalisierung
Börsenwert eines Unternehmens: Aktienkurs mal Anzahl der Aktien. Die meisten Indizes gewichten danach.
- Marktkapitalisierungsgewichtung
Jedes Unternehmen erhält im Index ein Gewicht entsprechend seinem Börsenwert, meist nur über die frei handelbaren Aktien. Die Gewichte passen sich mit den Kursen von selbst an; Umschichtungen sind selten.
- Marktmanipulation (Kursmanipulation, Marktmissbrauch)
Nach Art. 12 MAR Geschäfte, Aufträge oder die Verbreitung von Informationen, die falsche oder irreführende Signale über Angebot, Nachfrage oder Kurs eines Finanzinstruments geben oder ein künstliches Kursniveau herbeiführen. Art. 15 MAR verbietet sie; wirkt sie auf den Kurs ein, ist sie nach § 119 WpHG strafbar.
Quelle: MAR (2014); WpHG § 119 (1998)
Mehr: Pump and Dump und Pennystocks: Wie die Masche funktioniert
- Marktneutral (Market Neutral, Dollar-neutral, Beta-neutral)
Long- und Short-Seite heben das Marktrisiko gegenseitig auf. Dollar-neutral heißt gleiche Beträge long und short, beta-neutral heißt: Die Seiten sind so gewichtet, dass das Netto-Beta null ist. Risikolos ist das nicht: Spreads, andere Faktoren und Crowding bleiben.
Quelle: Frazzini und Pedersen (2014)
Mehr: Pairs-Trading und statistische Arbitrage: Idee, Methoden, Forschung · Methodik: Long/Short und statistische Arbitrage: Methodik
- Marktportfolio
Alle riskanten Anlagen nach ihrem Marktwert gewichtet. Im CAPM halten es alle Anleger; in der Praxis dient ein breiter Aktienindex als Ersatz, was Tests des Modells erschwert.
Quelle: Roll (1977)
Mehr: CAPM: Das Capital Asset Pricing Model und die Wertpapiermarktlinie
- Martin Ratio (Ulcer Performance Index)
Überrendite geteilt durch den Ulcer Index. Sie belohnt Strategien, die selten und nur kurz unter ihrem Höchststand liegen.
Quelle: Martin und McCann (1989); Bacon (2008)
Mehr: Risikokennzahlen jenseits der Sharpe Ratio: Treynor, Calmar, Omega, Ulcer Index und mehr
- Märzklausel (Märzklausel Sozialversicherung, Einmalzahlung im ersten Quartal)
Regel für Einmalzahlungen in der Sozialversicherung (§ 23a Abs. 4 SGB IV): Wird von Januar bis März mehr gezahlt, als von der anteiligen Beitragsbemessungsgrenze des Jahres bis dahin übrig ist, zählt die Zahlung zum Dezember des Vorjahres. Dort ist die Jahresgrenze meist noch nicht ausgeschöpft, sodass die ganze Zahlung beitragspflichtig wird.
Beispiel: 4.500 € im Monat und ein Bonus von 9.000 € im März 2026: Von der anteiligen Grenze der Krankenversicherung, 3 × 5.812,50 € = 17.437,50 €, sind nach 13.500 € laufendem Lohn nur 3.937,50 € übrig, also gilt die Märzklausel.
Methodik: Methodik der freien Finanzrechner: Lohn, Rente, FIRE, Auto, Immobilie und Depot
- Matching-Portfolio (Liability Hedging Portfolio, Absicherungsportfolio, Return-Seeking Portfolio, Renditeportfolio)
Teil des Vermögens, der die Zins- und Inflationsempfindlichkeit der Verbindlichkeiten nachbildet: lange Anleihen, Linker, Zins- und Inflationsswaps. Daneben steht das Renditeportfolio (Return-Seeking Portfolio), das einen Fehlbetrag schließen oder den Überschuss mehren soll.
Quelle: Leibowitz und Henriksson (1988)
- Matrix Pricing (Evaluated Pricing, Evaluated Price, Matrixpreis)
Bewertung eines selten gehandelten Wertpapiers, meist einer Anleihe, über notierte Vergleichspapiere mit ähnlichem Rating, Sektor und ähnlicher Laufzeit statt über eigene Kurse. Bewertungsdienste liefern solche Evaluated Prices.
Beispiel: Aufschläge von 90 bp bei vier und 120 bp bei acht Jahren Laufzeit ergeben für sechs Jahre interpoliert 105 bp.
Quelle: IFRS 13 (2011); SEC, Regel 2a-5 (2021)
Mehr: Market Making und Anleihenhandel: Spread, Inventar, Axes, RFQ, Cross Trades und Matrix Pricing
- Maximum Drawdown
Größter Rückgang vom Höchststand bis zum folgenden Tief im betrachteten Zeitraum.
Beispiel: Von 120 auf 90 sind −25 %; zurück auf 120 braucht es +33,3 %.
- Maximum-Diversification-Portfolio (Max. Diversifikation)
Portfolio mit dem höchsten Diversifikationsquotienten aus gewichteter Einzelvolatilität und Portfoliovolatilität. Es setzt auf Anlagen, die wenig miteinander korrelieren.
Quelle: Choueifaty und Coignard (2008)
Mehr: Risk Parity: gleiche Risikobeiträge statt gleicher Gewichte · Methodik: Optimierungsmethodik: Schätzung, Zielfunktionen, Black-Litterman, Resampling und Walk-forward
- Maximum-Likelihood-Schätzung (Maximum Likelihood, ML-Schätzung, Log-Likelihood)
Schätzverfahren, das die Parameter so wählt, dass die beobachteten Daten unter dem Modell am wahrscheinlichsten sind. Gerechnet wird meist mit der Log-Likelihood log L, der Summe der logarithmierten Dichten; sie ist auch die Grundlage von Informationskriterien wie AIC und BIC.
Methodik: Regime-Methodik: wie das Hidden-Markov-Modell rechnet
- Mean Reversion (Mittelwertumkehr)
Neigung einer Größe, nach Ausschlägen zu ihrem langfristigen Durchschnitt zurückzukehren. Bewertungskennzahlen wie das CAPE zeigen sie über Jahre, Renditen über kurze Zeiträume kaum.
- Median
Mittlerer Wert einer sortierten Reihe: Die Hälfte liegt darunter, die Hälfte darüber. In Monte-Carlo-Simulationen ist das Median-Endvermögen aussagekräftiger als der Mittelwert, weil wenige sehr gute Pfade den Mittelwert nach oben ziehen.
- Mehrstufige Attribution (Hierarchische Attribution, Multi-Level-Attribution)
Attribution in der Reihenfolge der Entscheidungen, etwa erst Anlageklassen, dann Regionen innerhalb jeder Anlageklasse, dann Titelauswahl. Jede Stufe misst eine Entscheidung; was auf der oberen Stufe Selektion ist, wird unten weiter zerlegt.
Quelle: Bacon (2019)
Mehr: Multi-Asset-Attribution: Gewichtungsschemata, Top-down und Bottom-up, Währungen und Overlays
- Meme-Aktie (Meme Stock, Meme-Aktien)
Aktie, deren Kurs vor allem Aufmerksamkeit und Stimmung in Foren und sozialen Medien treiben, nicht neue Nachrichten über das Unternehmen. Bekanntestes Beispiel ist GameStop im Januar 2021.
Beispiel: Laut SEC schloss GameStop am 27. Januar 2021 bei 347,51 US-Dollar, mehr als 1.600 % über dem Schlusskurs vom 11. Januar.
Quelle: SEC (2021)
Mehr: Alternative Daten: Stellenanzeigen, Reddit, X, Satelliten, Kartenzahlungen
- Mentale Buchführung (Mental Accounting)
Geld wird gedanklich in Töpfe geteilt und unterschiedlich behandelt, etwa Dividenden als Einkommen und Kursgewinne als Vermögen, obwohl beides wirtschaftlich gleichwertig ist.
- Merton-Quote
Optimaler Aktienanteil im einfachsten Lebenszyklusmodell: Risikoprämie geteilt durch (Risikoaversion × Varianz). Mit 4 % Prämie, 18 % Volatilität und Risikoaversion 3 ergäben sich rund 41 % Aktien.
Beispiel: 0,04 / (3 × 0,18²) = 41 %.
Quelle: Merton (1969)
Mehr: Kelly-Kriterium: Wie viel setzen für maximales Wachstum?
- Mezzanine (Mezzanine-Kapital, Mezzaninekapital, Equity Kicker, Nachrangdarlehen)
Finanzierung zwischen vorrangigen Krediten und Eigenkapital: nachrangig, oft unbesichert und höher verzinst, häufig mit PIK-Zinsen und einem Equity Kicker wie Optionsscheinen. Im Ausfall wird Mezzanine erst nach den vorrangigen Gläubigern bedient.
- Mietrendite (Bruttomietrendite, Nettomietrendite, Kaufpreisfaktor, Mietmultiplikator, Rental Yield)
Jahresmiete im Verhältnis zum Preis einer Immobilie. Brutto: Jahreskaltmiete geteilt durch den Kaufpreis. Netto: Miete minus nicht umlagefähige Kosten wie Verwaltung, Instandhaltung und Mietausfall, geteilt durch Kaufpreis plus Erwerbsnebenkosten. Der Kaufpreisfaktor ist der Kehrwert der Bruttomietrendite.
Beispiel: 300.000 € Kaufpreis, 30.000 € Nebenkosten, 12.000 € Kaltmiete und 2.400 € Kosten im Jahr: brutto 4,00 %, netto 2,91 %, Kaufpreisfaktor 25.
Mehr: Immobilien als Geldanlage: vermietete Wohnung, REITs, offene Fonds und Private Real Estate
- Mindestmarge (Maintenance Margin, Erhaltungsmarge, Nachschussgrenze)
Mindestanteil des Eigenkapitals am Wertpapierbestand eines Kreditdepots. Wird er unterschritten, folgt ein Margin Call. US-Broker müssen für Aktien auf Kredit mindestens 25 % verlangen.
Quelle: FINRA-Regel 4210 (2026)
Mehr: Hebel im Portfolio: Rendite, Risiko, Kosten und Margin Calls
- Mindestrendite (MAR, Minimum Acceptable Return)
Schwelle, unter der eine Rendite als Verlust im Sinne des Anlegers gilt (Minimum Acceptable Return), etwa 0 % oder der Geldmarktzins. Sortino Ratio und Omega Ratio hängen von ihr ab.
Quelle: Sortino und Price (1994)
- Mini-Future (Mini Future, Stop-Loss-Barriere)
Turbo ohne feste Laufzeit, dessen Stop-Loss-Barriere bei Long-Produkten über dem Basispreis liegt. Wird sie berührt, löst der Emittent seine Absicherung auf und zahlt einen Restwert aus. Springt der Kurs unter den Basispreis, bleibt nichts.
Beispiel: Basispreis 18.000, Stop-Loss 18.300, Bezugsverhältnis 0,01: Eine Auflösung bei 18.250 ergibt (18.250 − 18.000) × 0,01 = 2,50 €.
Mehr: Optionsscheine, Turbos und Zertifikate: Was sie sind und was man draufzahlt
- Minimum Track Record Length (MinTRL, Mindestlänge der Historie)
Mindestzahl an Perioden, nach der eine gemessene Sharpe Ratio mit gewählter Sicherheit, etwa 95 %, über einer Schwelle liegt. Sie wächst mit negativer Schiefe und Fat Tails und fällt mit dem Quadrat des Abstands zwischen Sharpe Ratio und Schwelle.
Beispiel: Sharpe Ratio 1,0 p. a. aus Monatsdaten, normalverteilt, Schwelle 0: rund 35 Monate für 95 % Sicherheit.
Quelle: Bailey und López de Prado (2012)
Mehr: Deflated Sharpe Ratio: Wie viel Können steckt in einer Sharpe Ratio?
- Minimum-Torsion-Wetten (Minimum-Torsion Bets, Minimum Torsion)
Unkorrelierte Faktoren, die den einzelnen Positionen eines Portfolios so ähnlich wie möglich bleiben: Jede Position bekommt einen unkorrelierten Zwilling. Ihre Anteile am Portfoliorisiko sind eindeutig, nie negativ und je Position deutbar, anders als Hauptkomponenten oder Euler-Beiträge.
Quelle: Meucci u. a. (2013)
Mehr: Jenseits von Markowitz: Schätzfehler, Rauschen und echte Diversifikation · Methodik: Dimensionen-Methodik: wie Portfolio Lab unabhängige Risiken zählt
- Minimum-Varianz-Portfolio
Mischung mit der geringsten möglichen Schwankung. Braucht keine Renditeschätzung, nur Volatilitäten und Korrelationen.
- Mischfonds (steuerlich)
Fonds mit mindestens 25 % Aktienanteil laut Anlagebedingungen. Für ihn gilt die halbe Teilfreistellung eines Aktienfonds, also 15 %.
Quelle: InvStG (2016)
Mehr: Abgeltungsteuer, Teilfreistellung und Sparerpauschbetrag bei ETFs · Methodik: Steuern im Backtest: wie Portfolio Lab Abgeltungsteuer und Vorabpauschale rechnet
- Mittelwert-Varianz-Optimierung (Markowitz-Optimierung, Mean-Variance)
Sucht die Gewichte, die für eine gewünschte Rendite die kleinste Varianz haben oder für ein gegebenes Risiko die höchste Rendite. Grundlage der Effizienzlinie; sehr empfindlich gegenüber geschätzten Renditen.
Quelle: Markowitz (1952)
Mehr: Effizienzlinie: Portfolio-Optimierung nach Markowitz · Methodik: Optimierungsmethodik: Schätzung, Zielfunktionen, Black-Litterman, Resampling und Walk-forward
- MMSI (Maritime Mobile Service Identity, Rufnummer Schiff)
Maritime Mobile Service Identity: neunstellige Kennung der Funkstation eines Schiffs, mit der jede AIS-Meldung beginnt; sie enthält eine Kennung des Landes. Portfolio Lab zählt verschiedene MMSI, damit ein Schiff nur einmal zählt, egal wie oft es meldet.
Quelle: ITU (2026)
- Modified Dietz
Näherung der geldgewichteten Rendite einer Periode: Gewinn geteilt durch das Anfangsvermögen plus die zeitgewichteten Zahlungen. Sie kommt ohne Iteration aus und wird in der Performancemessung häufig verwendet.
Quelle: Bacon (2008)
Mehr: Zeitgewichtete Rendite und geldgewichtete Rendite: Was misst was?
- Modifizierte Duration (Modified Duration)
Macaulay-Duration geteilt durch (1 + Rendite). Sie gibt an, um wie viel Prozent der Kurs ungefähr fällt, wenn die Rendite um einen Prozentpunkt steigt.
Mehr: Duration: wie stark Anleihen auf Zinsen reagieren · Methodik: Risikofaktoren im Look-through: Methodik
- Momentaner Terminzins (Instantaneous Forward Rate, momentane Forward Rate)
Terminzins für einen unendlich kurzen Zeitraum, der zu einem künftigen Zeitpunkt beginnt. Mit stetigen Nullkuponzinsen r(t) gilt f(t) = r(t) + t · r′(t). Die EZB veröffentlicht ihn täglich für ihre Zinskurven; der Wert in einem Jahr zeigt den eingepreisten kurzen Zins in einem Jahr samt Prämien.
Beispiel: Nullkuponzins für ein Jahr 2,0 %, der je Jahr Laufzeit um 0,1 Prozentpunkte steigt: f(1) = 2,0 + 1 × 0,1 = 2,1 %.
- Momentum
Neigung von Anlagen, die zuletzt gut gelaufen sind, noch eine Weile weiter gut zu laufen, meist gemessen über 6 bis 12 Monate.
Mehr: Taktische Allokation: Momentum, Dual Momentum und Trendfolge
- Momentum-Crash
Plötzlicher, sehr großer Verlust von Momentum-Strategien, typisch nach Bärenmärkten, wenn sich zuvor gefallene Aktien stark erholen. Eine Steuerung nach Volatilität mildert ihn.
Quelle: Daniel und Moskowitz (2016)
Mehr: Taktische Allokation: Momentum, Dual Momentum und Trendfolge
- Monatswechsel-Effekt (Turn-of-the-Month-Effekt)
Aktienrenditen ballen sich um den letzten und die ersten Handelstage eines Monats. Für US-Aktien gab es von 1926 bis 2005 im Mittel nur an diesen Tagen eine Prämie für das Marktrisiko.
Quelle: Ariel (1987); McConnell und Xu (2008)
Mehr: Saisonalität an der Börse: Sell in May, Januar-Effekt und wie man Kalendereffekte testet
- Moneyness (im Geld, am Geld, aus dem Geld)
Lage des Strikes zum Kurs oder Forward, oft als K/F oder ln(K/F) gemessen. Ein Call ist im Geld, wenn der Kurs über dem Strike liegt, am Geld bei Gleichstand und aus dem Geld darunter. Beim Put ist es umgekehrt.
Methodik: Optionsrechner: so bewertet Portfolio Lab Optionen
- Monte-Carlo-Fehler
Zufallsfehler einer Simulation, weil nur endlich viele Pfade gezogen werden. Er schrumpft mit der Wurzel der Pfadzahl: Viermal so viele Pfade halbieren ihn.
Beispiel: Erfolgsquote 80 % aus 10.000 Pfaden: Standardfehler √(0,8 × 0,2 / 10.000) = 0,40 Prozentpunkte.
Quelle: Glasserman (2003)
- Monte-Carlo-Simulation
Rechnet tausende zufällige Renditeverläufe durch, um die Bandbreite möglicher Ergebnisse und die Erfolgsquote eines Plans zu bestimmen.
- Multi-Signatur (Multisig, Multi-Sig, MPC)
Verfahren, bei dem eine Übertragung mehrere private Schlüssel braucht, die getrennt aufbewahrt werden. Ein einzelner verlorener oder gestohlener Schlüssel reicht dann weder für einen Verlust noch für einen Diebstahl. Ähnlich wirkt die Mehrparteienberechnung (MPC), die einen Schlüssel rechnerisch auf mehrere Parteien aufteilt.
Beispiel: 2-von-3-Verfahren: Geht ein Schlüssel verloren, genügen die beiden übrigen für jede Übertragung; wer nur einen Schlüssel stiehlt, kommt an nichts heran.
Mehr: Krypto im institutionellen Portfolio: Zugang, Verwahrung, Regulierung und Risikobudget
- Multifaktor
Kombination mehrerer Faktoren in einem Portfolio. Weil Faktoren wie Value und Momentum oft gegenläufig sind, schwankt die Mischung weniger als jeder Faktor allein.
Quelle: Ang (2014); Asness u. a. (2013)
- Multikollinearität
Erklärende Variablen einer Regression sind stark miteinander korreliert, etwa zwei ähnliche Aktienindizes. Die einzelnen Koeffizienten werden dann unsicher und schwanken stark, auch wenn das Modell insgesamt gut passt.
- Multiples Testen (Multiple Testing)
Wer viele Hypothesen testet, findet allein durch Zufall einige scheinbar signifikante. Bei 100 Tests auf dem 5-%-Niveau sind rund fünf Treffer zu erwarten, obwohl kein echter Effekt existiert; die Hürden müssen daher steigen.
Quelle: Harvey u. a. (2016); Bailey und López de Prado (2014)
Mehr: Backtest-Overfitting: Wenn die Vergangenheit zu gut aussieht
- Multiplikator (CPPI) (Multiplier)
Faktor, mit dem CPPI das Polster in eine Aktienposition übersetzt. Ein Multiplikator m verträgt einen Kurseinbruch von 1/m bis zur nächsten Umschichtung; höhere Werte bringen mehr Aufwärtspotenzial und mehr Gap-Risiko.
Quelle: Cont und Tankov (2009)
Mehr: CPPI: Wertsicherung mit Polster, Floor und Multiplikator · Methodik: CPPI-Backtest: Methodik
- Mutterindex (Parent Index)
Ausgangsindex, aus dem eine Indexvariante abgeleitet wird, etwa ein Weltindex, aus dem eine ESG- oder Klimavariante entsteht. Die Abweichung der Variante misst man mit Active Share und Tracking Error.
Mehr: ESG-ETFs: SFDR, Ratings, Rendite und die Grenzen nachhaltiger Fonds
Kurz und vereinfacht erklärt; keine Anlage- oder Steuerberatung.