Portfolio Lab

Glossar: Begriffe mit R

66 Begriffe von R² bis Rule-10b5-1-Plan, kurz erklärt und wo möglich mit Quelle. Alle Begriffe von A bis Z

R²

Bestimmtheitsmaß einer Regression zwischen 0 und 1: Anteil der Schwankung, den die erklärenden Größen (etwa der Markt) erklären.

Mehr: Beta und Alpha: wie stark ein Fonds mit dem Markt geht

Random Matrix Theory (Zufallsmatrixtheorie, RMT)

Theorie großer Zufallsmatrizen, in der Geldanlage als Maßstab für Rauschen in geschätzten Korrelationsmatrizen genutzt: Der größte Teil des Spektrums von Aktienkorrelationen sieht aus wie Zufall, nur wenige große Eigenwerte wie der Marktfaktor tragen Information. Darauf bauen Verfahren auf, die das Rauschband einer Matrix bereinigen.

Quelle: Laloux u. a. (1999); Plerou u. a. (1999); Bun u. a. (2017)

Mehr: Jenseits von Markowitz: Schätzfehler, Rauschen und echte Diversifikation · Methodik: Dimensionen-Methodik: wie Portfolio Lab unabhängige Risiken zählt

Random Walk (Zufallspfad)

Jede Änderung ist unabhängig von den vorherigen. Kurse eines effizienten Marktes sollten sich näherungsweise so bewegen; Abweichungen deuten auf Trends oder Mean Reversion.

Quelle: Fama (1965); Lo und MacKinlay (1988)

Mehr: Effizienzmarkthypothese: Warum es so schwer ist, den Markt zu schlagen

Rangkorrelation (Spearman-Korrelation)

Korrelation der Ränge statt der Werte (Spearman). Sie misst, ob zwei Größen gleichgerichtet steigen, auch wenn der Zusammenhang nicht linear ist, und reagiert weniger auf Ausreißer.

Rating

Einschätzung der Kreditwürdigkeit eines Emittenten durch eine Ratingagentur, von AAA (beste) bis D (ausgefallen). Ratings reagieren oft träge auf Veränderungen.

Rationale Blase (Rational Bubble, Rationale Spekulationsblase)

Blase, die mit rationalem Verhalten vereinbar ist: Anleger kaufen trotz Überbewertung, weil die Blase schnell genug wächst, um das Risiko des Platzens auszugleichen. Je wahrscheinlicher das Platzen, desto schneller muss sie wachsen.

Quelle: Blanchard und Watson (1982)

Mehr: Spekulationsblasen: Was sie sind und wie das LPPLS-Modell sie sucht

Reale Rendite

Rendite nach Abzug der Inflation: (1 + nominal) / (1 + Inflation) − 1.

Beispiel: 7 % nominal bei 2,5 % Inflation sind real 4,39 %.

Mehr: Reale Rendite: was nach der Inflation übrig bleibt

Realisierte Volatilität (historische Volatilität)

Tatsächlich eingetretene Schwankung, meist aus den Tagesrenditen der letzten 21 Handelstage, annualisiert mit √252. Im Mittel liegt sie unter der impliziten Volatilität.

Mehr: VIX: das Angstbarometer der Börse richtig lesen · Methodik: Volatilitäts-Dashboard: Methodik

Realzins (realer Zins)

Zins nach Abzug der Inflation. Genau gilt (1 + Nominalzins) / (1 + Inflation) − 1; näherungsweise Nominalzins minus Inflation.

Beispiel: 5 % Zins bei 3 % Inflation: 1,05 / 1,03 − 1 = 1,94 %.

Quelle: Fisher (1930)

Mehr: Reale Rendite: was nach der Inflation übrig bleibt

Rebalancing

Zurücksetzen der Gewichte auf die Zielaufteilung, durch Umschichten oder durch gezielte Sparraten.

Mehr: Rebalancing: das Portfolio zurück auf Kurs bringen

Rebalancing-Bonus (Diversifikationsertrag, Diversification Return)

Zusatzrendite, die durch regelmäßiges Zurückführen auf feste Gewichte entstehen kann, wenn Anlagen schwanken und wenig korrelieren. Er ist kein sicherer Ertrag und kann in langen Trends negativ ausfallen.

Quelle: Booth und Fama (1992); Willenbrock (2011)

Mehr: Rebalancing: das Portfolio zurück auf Kurs bringen

Rechnungszins (Diskontsatz der Verbindlichkeiten, Rechnungszinssatz)

Zins, mit dem künftige Verbindlichkeiten auf heute abgezinst werden. Je höher er ist, desto kleiner erscheinen Barwert und Fehlbetrag. Genauer als ein einziger Zins ist eine Diskontkurve mit einem eigenen Zins je Laufzeit.

Beispiel: 1.000 €, fällig in zehn Jahren, sind bei 3 % Rechnungszins heute 744 € wert, bei 2 % schon 820 €.

Mehr: Liability Driven Investing und Cashflow Driven Investing: Verbindlichkeiten mit Anleihen decken · Methodik: ALM-Methodik: wie Portfolio Lab Vermögen gegen Verpflichtungen rechnet

Recovery Rate (Erlösquote, Wiedereinbringungsquote, Loss Given Default, LGD, Verlustquote, erwarteter Verlust)

Erlösquote: Anteil einer ausgefallenen Forderung, den der Gläubiger am Ende zurückbekommt, etwa durch Verwertung von Sicherheiten oder eine Restrukturierung. Ihr Gegenstück ist die Verlustquote (Loss Given Default) = 1 − Recovery Rate; der erwartete Verlust ist Ausfallwahrscheinlichkeit mal Verlustquote. Sie hängt vor allem am Rang der Forderung und an den Sicherheiten.

Beispiel: Ausfallrate 5,0 % über zehn Jahre und Recovery Rate 81,5 % wie bei Projektkrediten in den Daten von Moody's: erwarteter Verlust 0,93 % über zehn Jahre.

Quelle: Moody's (2020)

Mehr: Infrastruktur-Investments: Equity und Debt, Erlösmodelle, Bewertung und Forschung

Referenzportfolio (Reference Portfolio)

Einfaches, günstiges Portfolio aus Indexanlagen mit dem Risiko, das der Eigentümer tragen will, etwa 80 % Aktien und 20 % Anleihen. Es ist Maßstab und Hürde für das tatsächliche, aktiv gesteuerte Portfolio.

Quelle: NZ Super Fund (2023); CPP Investments (2023); CalPERS (2025)

Mehr: Strategische und taktische Asset-Allokation und der Total Portfolio Approach

Reflexivität (Reflexivity, Reflexivitätstheorie, Boom-Bust-Zyklus)

Theorie von George Soros: Die Erwartungen der Marktteilnehmer spiegeln die Wirklichkeit nicht nur, sie verändern sie auch. Steigende Kurse erleichtern etwa die Finanzierung und verbessern so die Zahlen, auf die sich die Kurse stützen. So können sich Übertreibungen selbst verstärken, bis sie in einen Abschwung kippen.

Quelle: Soros (2003)

Mehr: Investorenlegenden: Anlagestile der bekanntesten Investoren von Graham bis Simons

Regulierte Rendite (Regulatory Asset Base, RAB, Eigenkapitalzinssatz, Anreizregulierung, Netzrendite, Kapitalverzinsung Netze)

Verzinsung des eingesetzten Kapitals, die ein Regulierer Betreibern natürlicher Monopole wie Strom- und Gasnetzen erlaubt. Sie fließt über die Netzentgelte; der Regulierer wägt dabei ab, ob die Netze finanzierbar bleiben und die Verbraucher vor überhöhten Entgelten geschützt sind. Festgelegt wird sie je Regulierungsperiode, Zinsänderungen kommen also verzögert an.

Beispiel: Entwurf der Bundesnetzagentur für die Gasnetze 2028 bis 2032: 40 % Eigenkapital zu 5,76 % vor Steuern und 60 % Fremdkapital zu 2,43 % ergeben eine WACC von 3,76 %.

Quelle: Bundesnetzagentur (2026)

Mehr: Infrastruktur-Investments: Equity und Debt, Erlösmodelle, Bewertung und Forschung

REIT (Real Estate Investment Trust, REIT-AG, REITs, Immobilienaktie, Mortgage REIT, börsennotierte Immobilien)

Real Estate Investment Trust: börsennotierte Immobiliengesellschaft, die auf Gesellschaftsebene steuerbefreit ist, wenn sie den Großteil ihres Gewinns ausschüttet. Die deutsche REIT-AG muss mindestens 90 % ihres Jahresüberschusses ausschütten, ist von Körperschaft- und Gewerbesteuer befreit und darf keine inländischen Mietwohnungen halten, die vor 2007 gebaut wurden. Mortgage REITs halten Hypothekenkredite statt Gebäuden.

Quelle: REIT-Gesetz (2007)

Mehr: Immobilien als Geldanlage: vermietete Wohnung, REITs, offene Fonds und Private Real Estate · Methodik: Anlageklassen mit langer Historie: Methodik

Relative Strength Index (RSI)

Indikator von Welles Wilder: RSI = 100 − 100 / (1 + RS), wobei RS die durchschnittlichen Gewinne der letzten 14 Perioden durch die durchschnittlichen Verluste teilt. Über 70 gilt ein Kurs als überkauft, unter 30 als überverkauft. Das ist eine Beschreibung der jüngsten Bewegung, keine Vorhersage.

Beispiel: Gewinne von zusammen 13,0 und Verluste von 3,0 Punkten in 14 Tagen: RS = 4,33, RSI = 81,25.

Quelle: Wilder (1978)

Mehr: Charttechnik, Chartmuster und Candlesticks aus Quant-Sicht

Relatives Momentum (Cross-Sectional Momentum, Relative Stärke)

Vergleich mehrerer Anlagen untereinander: Die stärksten der letzten Monate werden gekauft, die schwächsten gemieden (Cross-Sectional Momentum).

Quelle: Jegadeesh und Titman (1993); Asness u. a. (2013)

Mehr: Taktische Allokation: Momentum, Dual Momentum und Trendfolge

Rendite bis Fälligkeit (YTM, Effektivrendite, Yield to Maturity)

Zins, mit dem die abgezinsten Zahlungen einer Anleihe genau ihren Kurs ergeben. Sie ist die Rendite, die man bei Halten bis zum Ende erzielt, wenn alle Kupons zu diesem Satz wieder angelegt werden.

Mehr: Duration: wie stark Anleihen auf Zinsen reagieren

Rendite-Äquivalent (Bond-Equivalent Yield, Rendite-Äquivalent (T-Bill), Diskontsatz T-Bill)

Umrechnung des Diskontsatzes, mit dem US-Schatzwechsel (T-Bills) notieren, in eine Rendite, die sich mit Anleiherenditen vergleichen lässt. Für 3-Monats-Bills mit 91 Tagen Laufzeit: 365 · d / (360 − 91 · d).

Beispiel: Diskont 5,10 %: 365 × 0,051 / (360 − 91 × 0,051) = 5,24 %.

Quelle: Estrella und Trubin (2006)

Mehr: Markterwartungen: Was Zinskurve, Inflationsanleihen und Optionen über die Zukunft verraten · Methodik: Makro-Dashboard und Regime-Analyse: Methodik

Rendite-Dreieck

Tabelle der annualisierten Renditen für jedes Start- und Endjahr. Sie zeigt auf einen Blick, wie stark das Ergebnis vom Einstiegszeitpunkt abhängt.

Methodik: Backtest-Methodik: Daten, Ablauf, Rebalancing und Kosten

Renditebeitrag (Contribution)

Anteil einer Position an der Gesamtrendite eines Portfolios: Gewicht mal Rendite, über die Perioden verkettet. Die Beiträge aller Positionen summieren sich zur Portfoliorendite.

Methodik: Backtest-Methodik: Daten, Ablauf, Rebalancing und Kosten

Renditelücke der Anleger (Behavior Gap)

Unterschied zwischen der Rendite eines Fonds oder Marktes und der Rendite, die Anleger darin tatsächlich erzielen. Durch prozyklisches Kaufen und Verkaufen liegt die Anlegerrendite meist darunter.

Quelle: Dichev (2007)

Mehr: Zeitgewichtete Rendite und geldgewichtete Rendite: Was misst was?

Renditeminderung durch Kosten (Reduction in Yield, RIY, Kostenwirkung)

Um wie viel die laufenden Kosten die jährliche Rendite senken (englisch Reduction in Yield). Gehen die Kosten aus dem Fondsvermögen ab, bleibt (1 + r) × (1 − TER) − 1. Über die Laufzeit kosten die Gebühren zusätzlich die Rendite, die sie sonst gebracht hätten.

Beispiel: 7 % vor Kosten und TER 0,2 %: 1,07 × 0,998 − 1 = 6,786 %, also 0,214 Prozentpunkte weniger im Jahr.

Mehr: ETF-Grundlagen: Kosten, Replikation und Ertragsverwendung · Methodik: Methodik der freien Finanzrechner: Lohn, Rente, FIRE, Auto, Immobilie und Depot

Renditeprognose aus Bewertung

Hohe Bewertungen gingen historisch niedrigeren Renditen der folgenden zehn Jahre voraus. Die Vorhersagekraft ist über lange Horizonte erkennbar, kurzfristig gering und außerhalb der Stichprobe schwächer.

Quelle: Campbell und Shiller (1998); Welch und Goyal (2008)

Mehr: Shiller-KGV (CAPE): wie teuer ist der Aktienmarkt? · Methodik: Bewertung mit dem Shiller-KGV: Methodik

Rentenanwartschaft (Rentenansprüche, Anwartschaft)

Bisher erworbener Anspruch auf eine spätere Rente, etwa aus der gesetzlichen Rentenversicherung, einer Pension oder Betriebsrente. Ihr Barwert ist ein großer, anleiheähnlicher Posten im Gesamtvermögen.

Mehr: Das ganze Vermögen: Gesamtvermögen aus Depot, Haus, Humankapital und Auto · Methodik: ALM-Methodik: wie Portfolio Lab Vermögen gegen Verpflichtungen rechnet

Rentenbarwertfaktor (Annuitätenfaktor, Barwertfaktor)

Barwert einer Folge gleich hoher Zahlungen von je 1 €: Er sagt, wie viel Kapital heute nötig ist, um n Zahlungen beim Zins i je Periode zu leisten. Nachschüssig (1 − (1 + i)^−n) / i, vorschüssig das (1 + i)-Fache. Kapital geteilt durch den Faktor ergibt die tragbare Entnahme.

Beispiel: 360 Monate bei 5 % p.a., also 0,4074 % im Monat, vorschüssig: Faktor 189,43; aus 300.000 € trägt das 1.583,71 € im Monat.

Mehr: Sichere Entnahmerate: was die 4-%-Regel taugt · Methodik: Methodik der freien Finanzrechner: Lohn, Rente, FIRE, Auto, Immobilie und Depot

Repeat-Sales-Index (Repeat Sales, Repeat-Sales-Regression, Wiederholungsverkaufsindex, Mei-Moses-Index)

Preisindex aus wiederholten Verkäufen desselben Objekts: Die Preisänderung zwischen Kauf und Verkauf wird in einer Regression auf die Perioden dazwischen verteilt. Das umgeht Qualitätsunterschiede zwischen Objekten, nutzt aber nur mehrfach verkaufte Stücke, und die kommen eher zum Verkauf, wenn ihr Preis gestiegen ist. Bekannt aus Hauspreisindizes, genutzt auch für Kunst.

Quelle: Bailey u. a. (1963); Mei und Moses (2002)

Mehr: Sammlerstücke als Geldanlage: Was Kunst, Wein, Uhren und Oldtimer wirklich bringen

Replikation

Wie ein ETF seinen Index nachbildet: physisch (alle oder ausgewählte Wertpapiere) oder synthetisch über einen Swap.

Mehr: ETF-Grundlagen: Kosten, Replikation und Ertragsverwendung

Replikationskrise (Replication Crisis, Replikationsrate)

Streit darüber, wie viele veröffentlichte Renditemuster sich nachbauen lassen. Eine große Studie fand 65 % von 452 Anomalien nicht signifikant; spätere kamen je nach Messung auf Replikationsraten bis 82,4 %.

Quelle: Hou u. a. (2020); Jensen u. a. (2023)

Repo-Geschäft (Repo, Wertpapierpensionsgeschäft, Repurchase Agreement, Haircut, Reverse Repo)

Verkauf eines Wertpapiers mit der Vereinbarung, es zu festem Termin und Preis zurückzukaufen. Wirtschaftlich ist das ein besicherter Kredit. Der Sicherheitsabschlag (Haircut) bestimmt, wie viel Eigenkapital nötig ist; über ein Reverse Repo lassen sich Anleihen auch für Leerverkäufe beschaffen.

Beispiel: 10 Mio. € Anleihen mit 10 % Haircut: 9 Mio. € Repo, 1 Mio. € Eigenkapital, Hebel 10.

Mehr: Basis-Trades: positive und negative Basis bei Anleihen, CDS und Futures

Request for Proposal (RFP, Ausschreibung Asset Management, RFI, Request for Information)

Formelle Ausschreibung, mit der ein institutioneller Anleger Asset Manager um ein Angebot für ein Mandat bittet: Fragen zu Firma, Team, Anlageprozess, Risiko, Performance, Kosten und Operations, dazu Gebührenangebot und Referenzen. Vorstufe ist oft ein kürzerer Request for Information (RFI), mit dem die Longlist auf eine Shortlist verkleinert wird.

Quelle: CMA, Anordnung (2019)

Mehr: RFP und Mandatsvergabe: Wie institutionelle Anleger Asset Manager auswählen

Request for Quote (RFQ, Preisanfrage)

Anfrage an mehrere Händler zugleich nach einem handelbaren Kurs für eine bestimmte Menge; gehandelt wird mit dem besten Angebot. Üblicher elektronischer Weg im Anleihenhandel und bei großen ETF-Orders.

Quelle: O'Hara und Zhou (2021)

Mehr: Market Making und Anleihenhandel: Spread, Inventar, Axes, RFQ, Cross Trades und Matrix Pricing

Resampled Efficient Frontier

Viele Effizienzlinien aus leicht veränderten, simulierten Eingaben werden gemittelt. Die gemittelten Gewichte sind breiter gestreut und schwanken weniger als die einer einzigen Optimierung.

Quelle: Michaud (1989)

Mehr: Effizienzlinie: Portfolio-Optimierung nach Markowitz

Residuum

Teil einer Rendite, den ein Regressionsmodell nicht erklärt. Die Standardabweichung der Residuen ist das spezifische (idiosynkratische) Risiko eines Fonds oder einer Aktie.

Return Stacking (Stacked ETF, Return Stacked, Stacking)

Zwei Renditequellen auf demselben Kapital: Mit Futures oder Swaps wird über einen Kern wie Aktien eine zweite Anlage gelegt, etwa Anleihen oder Managed Futures. Die zweite bringt nur ihre Rendite über dem Geldmarkt; Verluste beider Quellen addieren sich.

Beispiel: 100 % Aktien (+8 %) plus 100 % Trend-Overlay (+6 % bei 3 % Geldmarkt): 8 + (6 − 3) = 11 %.

Quelle: Kung und Pohlman (2004)

Mehr: Gehebelte ETFs und Return Stacking: Funktion, lange Haltedauer, Kosten und Forschung · Methodik: Backtest-Methodik: Daten, Ablauf, Rebalancing und Kosten

Reue-Aversion (Regret Aversion)

Wunsch, späteres Bedauern zu vermeiden. Er erklärt, warum viele lieber in Raten investieren: Fällt der Markt nach dem ersten Kauf, ist nur ein Teil betroffen.

Quelle: Statman (1995)

Reversal-Effekt (Umkehreffekt, Reversal, Kurzfrist-Reversal, Langfrist-Reversal)

Die Beobachtung, dass Aktien mit schlechter Rendite in der Vergangenheit später überdurchschnittlich abschneiden und umgekehrt, kurzfristig von einem Monat auf den nächsten, langfristig über drei bis fünf Jahre. Strategien, die regelmäßig Gewinner verkaufen und Verlierer kaufen, haben eine Neigung zu diesem Effekt.

Quelle: De Bondt und Thaler (1985); Jegadeesh (1990)

Mehr: Equal Weight vs. Cap Weight: Gewichtung, Rebalancing und Faktorneigungen

Reverse Stresstest (Reverse Stress Test, inverser Stresstest)

Umgekehrter Stresstest: Gesucht sind die Marktbewegungen, die einen festgelegten Verlust verursachen würden, bei Banken das Scheitern, bei Anlegern etwa ein Verlust von 20 % oder das Verfehlen eines Finanzziels.

Quelle: Glasserman u. a. (2015); Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (2018)

Mehr: Szenarioanalyse und Sensitivitätsanalyse: Aktien-, Zins-, Kredit- und Währungsrisiko im Stresstest

Rezenzeffekt (Recency Bias)

Jüngste Erfahrungen wiegen zu schwer: Nach guten Jahren erwarten Anleger zu viel, nach Crashs zu wenig. Deshalb fließt oft Geld in Fonds, nachdem sie gut gelaufen sind.

Rezession

Deutlicher, breiter Rückgang der Wirtschaftsleistung über mehrere Monate. Als Faustregel gelten zwei Quartale mit sinkendem Bruttoinlandsprodukt; in den USA datiert ein Gremium des NBER die Phasen offiziell.

Quelle: Estrella und Mishkin (1998)

Methodik: Makro-Dashboard und Regime-Analyse: Methodik

Rezessionswahrscheinlichkeit (Rezessionsrisiko, Recession Probability)

Aus einem Modell geschätzte Wahrscheinlichkeit, dass in einem künftigen Monat eine Rezession herrscht. Bekannt ist das Probit-Modell des New York Fed mit dem Spread 10 Jahre minus 3 Monate, zwölf Monate voraus. Sie ist eine Modellzahl, kein Marktpreis.

Beispiel: Mit α = −0,6045 und β = −0,7374 und einem Spread von null: Φ(−0,6045) = 27,3 %.

Quelle: Estrella und Trubin (2006); Estrella und Mishkin (1998)

Mehr: Markterwartungen: Was Zinskurve, Inflationsanleihen und Optionen über die Zukunft verraten · Methodik: Makro-Dashboard und Regime-Analyse: Methodik

Rho

Preisänderung einer Option, wenn der risikolose Zins um einen Prozentpunkt steigt. Calls gewinnen bei höheren Zinsen, Puts verlieren; bei langen Laufzeiten ist Rho spürbar, bei kurzen meist klein.

Mehr: Optionsbewertung: wie faire Optionspreise entstehen · Methodik: Optionsrechner: so bewertet Portfolio Lab Optionen

Risikoadjustierte Rendite

Rendite im Verhältnis zum eingegangenen Risiko. Kennzahlen wie Sharpe, Sortino, Treynor oder Calmar machen Portfolios mit unterschiedlichem Risiko vergleichbar.

Mehr: Sharpe Ratio: Rendite pro Einheit Risiko

Risikobeitrag (Risk Contribution)

Anteil einer Position an der Portfoliovolatilität: Gewicht mal marginaler Risikobeitrag. Die Beiträge aller Positionen summieren sich genau zur Portfoliovolatilität.

Quelle: Roncalli (2013)

Mehr: Risikobeitrag: das Portfoliorisiko in seine Teile zerlegen · Methodik: Backtest-Methodik: Daten, Ablauf, Rebalancing und Kosten

Risikobudgetierung (Risk Budgeting)

Die Allokation wird über Risikoanteile statt über Kapitalanteile festgelegt, etwa 60 % des Risikos aus Aktien. Risk Parity ist der Sonderfall gleicher Risikobudgets.

Quelle: Roncalli (2013); Maillard u. a. (2010)

Mehr: Risikobeitrag: das Portfoliorisiko in seine Teile zerlegen

Risikofreier Zins

Rendite einer praktisch sicheren Anlage im selben Zeitraum, in Euro der Geldmarktzins (€STR, früher EONIA). Wird von Renditen abgezogen, um Überrenditen zu messen.

Mehr: Sharpe Ratio: Rendite pro Einheit Risiko

Risikoneutrale Bewertung (Risikoneutrales Maß)

Rechentechnik der Optionsbewertung: Man tut so, als verdienten alle Anlagen im Mittel den risikolosen Zins, und zinst den Erwartungswert der Auszahlung damit ab. Das Ergebnis gleicht dem Preis des Nachbaus aus Basiswert und Kredit; über echte Wahrscheinlichkeiten sagt es nichts.

Quelle: Cox u. a. (1979)

Mehr: Optionsbewertung: wie faire Optionspreise entstehen

Risikoneutrale Wahrscheinlichkeit (risikoneutrale Dichte, Risk-neutral Probability, eingepreiste Wahrscheinlichkeit)

Wahrscheinlichkeit, die man aus Preisen abliest, wenn man sie als Erwartungswerte unter dem risikoneutralen Maß deutet, etwa aus Optionspreisen. Sie enthält die Prämie, die Anleger für Absicherung zahlen; für Kursrückgänge liegt sie deshalb meist über der tatsächlichen Häufigkeit.

Quelle: Breeden und Litzenberger (1978); Carr und Wu (2009)

Mehr: Markterwartungen: Was Zinskurve, Inflationsanleihen und Optionen über die Zukunft verraten

Risk Parity

Gewichtung, bei der jede Anlage gleich viel zum Gesamtrisiko beiträgt. Schwankungsarme Anlagen bekommen dadurch mehr Gewicht.

Mehr: Effizienzlinie: Portfolio-Optimierung nach Markowitz

Risk-on, Risk-off

Marktphasen, in denen Anleger entweder gemeinsam in riskante Anlagen drängen (Risk-on) oder in sichere Häfen flüchten (Risk-off). In Risk-off-Phasen steigen Korrelationen zwischen riskanten Anlagen.

RMW (Profitabilitätsfaktor)

Robust minus Weak: Rendite profitabler minus wenig profitabler Unternehmen. Teil des Fünf-Faktoren-Modells.

Quelle: Fama und French (2015); Novy-Marx (2013)

Mehr: Faktorinvesting: die Fama-French-Faktoren verstehen · Methodik: Faktorregression, Faktor-Allokation und Faktorstatistik: Methodik

Robo-Advisor (Robo Advisor, Robo-Advice, digitale Vermögensverwaltung)

Digitale Vermögensverwaltung: Nach einem Online-Fragebogen ordnet eine Software Anleger einer Risikostufe zu, legt das Geld in ein Musterportfolio aus ETFs an, führt Sparpläne aus und schichtet automatisch um. Kosten: Gebühr in Prozent des Vermögens plus laufende Kosten der Fonds.

Quelle: D'Acunto u. a. (2019); BaFin (2026)

Robuster z-Wert (MAD, Median Absolute Deviation, Median der absoluten Abweichungen, robuste Standardisierung)

Standardisierung mit Median und MAD (Median der absoluten Abweichungen vom Median) statt Mittel und Standardabweichung: z = (x − Median) / (1,4826 · MAD). Der Faktor 1,4826 macht die MAD bei normalverteilten Daten zur Standardabweichung; einzelne Ausreißer wie die Pandemiemonate verschieben Median und MAD kaum.

Beispiel: Median der Vergleichswerte 1,0 %, MAD 2,0 Prozentpunkte, aktueller Wert −2,0 %: z = (−2,0 − 1,0) / (1,4826 × 2,0) = −1,01.

Quelle: Rousseeuw und Croux (1993)

Methodik: Konjunktur-Puls: wie Portfolio Lab Frühindikatoren rechnet

Roll-down (Rolldown)

Kursgewinn einer Anleihe, die bei steigender Zinskurve mit der Zeit in kürzere Laufzeiten mit niedrigerer Rendite hineinwandert. Zusammen mit dem Kupon bildet er den Carry einer Anleihe.

Mehr: Zinskurve: Was die Zinsstruktur verrät und warum eine inverse Kurve als Warnsignal gilt · Methodik: Carry-Backtest: Methodik für Devisen- und Anleihen-Carry

Roll-Kritik (Roll Critique, Rolls Kritik)

Für jedes effiziente Portfolio gilt die lineare Beziehung zwischen Beta und erwarteter Rendite mathematisch exakt. Das CAPM sagt daher nur, dass das Marktportfolio effizient ist; weil das echte Marktportfolio nicht beobachtbar ist, lässt es sich nicht direkt testen.

Quelle: Roll (1977)

Roll-Rendite

Gewinn oder Verlust, wenn ein Terminkontrakt zum Verfall auf den Kassakurs zuläuft. Bei VIX-Futures im Contango meist deutlich negativ.

Mehr: VIX: das Angstbarometer der Börse richtig lesen

Rollen (Roll)

Ersetzen eines auslaufenden Futures durch einen späteren, um die Position zu halten. Je nach Form der Terminstruktur kostet oder bringt das Rendite, bei VIX-Futures meist kräftig Verlust.

Quelle: Whaley (2013)

Mehr: VIX: das Angstbarometer der Börse richtig lesen · Methodik: Volatilitäts-Dashboard: Methodik

Rollierende Rendite

Rendite über ein festes Fenster, das Monat für Monat weiterwandert, etwa alle 10-Jahres-Zeiträume eines Backtests. Zeigt, wie stark Ergebnisse vom Startzeitpunkt abhängen.

Rollierende Volatilität

Volatilität über ein gleitendes Fenster, etwa 36 Monate. Sie zeigt, dass Risiko nicht konstant ist: In Krisen steigt sie sprunghaft, in ruhigen Phasen sinkt sie.

Mehr: Volatilität: wie stark ein Portfolio schwankt

Rückgabebeschränkung (Gate) (Gate, Gating, Rücknahmebeschränkung, Redemption Gate)

Obergrenze für Rücknahmen je Termin. Wollen mehr Anleger aussteigen, wird anteilig ausgezahlt; der Rest wartet auf einen späteren Termin.

Beispiel: Grenze 10 Mio. €, Rückgabewünsche 20 Mio. €: Jeder bekommt 50 % seines Wunsches ausgezahlt.

Quelle: Delegierte Verordnung (EU) 2024/2759 (2024)

Mehr: ELTIF: Private Markets für Privatanleger nach den Regeln von ELTIF 2.0

Rücknahmeaussetzung (Aussetzung der Rücknahme, Suspension)

Vorübergehender Stopp der Anteilsrücknahme eines offenen Fonds wegen außergewöhnlicher Umstände; solange werden auch keine Anteile ausgegeben. In Deutschland kann auch die BaFin sie anordnen. Bei offenen Immobilienfonds folgt auf eine zu lange Aussetzung die Abwicklung.

Quelle: KAGB (2026); KAGB (2013)

Mehr: Liquiditätsrisiko: Marktliquidität messen, Liquiditätsprämien und die Werkzeuge offener Fonds

Rückschaufehler (Hindsight Bias)

Im Nachhinein erscheinen Ereignisse vorhersehbarer, als sie waren. Wer meint, den letzten Crash kommen gesehen zu haben, überschätzt seine Fähigkeit, den nächsten vorherzusehen.

Ruinwahrscheinlichkeit

Wahrscheinlichkeit, dass ein Vermögen bei geplanten Entnahmen vor dem Ende des Planungszeitraums aufgebraucht ist. Gegenstück der Erfolgsquote einer Monte-Carlo-Simulation.

Quelle: Milevsky und Robinson (2000)

Mehr: Monte-Carlo-Simulation: wie sicher ist dein Plan?

Rule-10b5-1-Plan (10b5-1-Plan, Rule 10b5-1, Trading Plan)

Im Voraus festgelegter Handelsplan, auf den sich Insider in den USA gegen den Vorwurf des Insiderhandels berufen können, wenn sie ihn ohne Kenntnis wesentlicher nicht öffentlicher Informationen abgeschlossen haben. Seit den Änderungen von 2022 gilt für Directors und Officers eine Wartezeit von mindestens 90 und höchstens 120 Tagen.

Quelle: SEC, Rule 10b5-1 (2022)

Mehr: Insiderhandel: was verboten ist, was erlaubt ist und was Directors' Dealings verraten

Kurz und vereinfacht erklärt; keine Anlage- oder Steuerberatung.