Portfolio Lab

Glossar: Begriffe mit A

69 Begriffe von Abgeltungsteuer bis Axe, kurz erklärt und wo möglich mit Quelle. Alle Begriffe von A bis Z

Abgeltungsteuer

Steuer von 25 % auf Kapitalerträge in Deutschland, dazu 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf und gegebenenfalls Kirchensteuer. Zusammen sind das 26,375 % ohne Kirchensteuer.

Beispiel: Auf 1.000 € steuerpflichtigen Gewinn fallen 263,75 € an.

Mehr: Abgeltungsteuer, Teilfreistellung und Sparerpauschbetrag bei ETFs

Abnormale Rendite (Abnormal Return, CAR, kumulierte abnormale Rendite, Ereignisstudie)

Tatsächliche Rendite minus normale, erwartete Rendite, meist aus einem Marktmodell (α + β × Marktrendite). Über mehrere Tage aufsummiert ergibt sich die kumulierte abnormale Rendite (CAR), das Standardmaß in Ereignisstudien.

Beispiel: Bei Beta 1,2, einer Aktienrendite von 1,5 % und einer Marktrendite von 0,5 % beträgt die abnormale Rendite 1,5 − 1,2 × 0,5 = 0,90 %.

Quelle: Fama u. a. (1969)

Mehr: Insiderhandel: was verboten ist, was erlaubt ist und was Directors' Dealings verraten

Absicherungskosten (Hedgekosten)

Ertrag oder Kosten einer Währungsabsicherung, ungefähr die Zinsdifferenz zwischen beiden Währungen (gedeckte Zinsparität). Liegt der US-Zins über dem Euro-Zins, kostet die Absicherung von Dollar-Anlagen Rendite.

Beispiel: Euro-Zins 2 %, Dollar-Zins 4 %: Absicherung kostet etwa 2 − 4 = −2 % pro Jahr.

Mehr: Währungsrisiko: Wie Wechselkurse die Rendite verändern

Absolute Priority Rule (Absolute Vorrangregel, APR, Vorrangregel)

Grundsatz, dass in Insolvenz und Restrukturierung ein nachrangiger Gläubiger oder Eigentümer nichts erhält, solange ein vorrangiger nicht voll bedient ist. Im US-Recht Teil der Planbestätigung gegen eine ablehnende Klasse, in Deutschland im StaRUG als absolute Vorrangregel mit begrenzten Ausnahmen; in der Praxis gibt es Abweichungen.

Quelle: US Bankruptcy Code (1978); StaRUG (2020); Eberhart u. a. (1990)

Mehr: Distressed Debt: Strategien, Insolvenzrecht, Erlösquoten und Rendite beim Investieren in Krisen

Absolute Risikoaversion (Arrow-Pratt-Maß, Absolute Risk Aversion)

Maß von Pratt: A(w) = −u″(w) / u′(w). Gibt an, wie stark jemand einen festen Geldbetrag an Risiko scheut. Beim logarithmischen Nutzen sinkt es mit dem Vermögen, beim quadratischen steigt es, was echtem Verhalten widerspricht.

Quelle: Pratt (1964)

Absorption Ratio (Absorptionsquotient)

Anteil der Gesamtvarianz, den die wenigen größten Hauptkomponenten erklären. Steigt er, bewegen sich Märkte enger zusammen. Das ist ein Hinweis auf erhöhte Anfälligkeit für breite Rückgänge.

Quelle: Kritzman u. a. (2011)

Methodik: Asset-Analyse: Methodik von Korrelation bis Kointegration

Accruals-Anomalie (Accrual-Anomalie, Periodenabgrenzung)

Unternehmen, deren Gewinn zu einem großen Teil aus Periodenabgrenzungen (Accruals) statt aus Zahlungen besteht, brachten danach im Schnitt schlechtere Renditen. Solche Gewinne halten weniger lange an, und die Kurse berücksichtigten das erst verzögert.

Quelle: Sloan (1996)

Mehr: Fundamentalanalyse: Unternehmen bewerten wie ein Investor

Active Share

Halbe Summe der absoluten Gewichtsabweichungen eines Fonds von seinem Index. 0 % heißt Indexkopie, 100 % keine Überschneidung. Ein hoher Wert zeigt aktive Auswahl, aber noch kein Können.

Mehr: Aktiv oder passiv investieren: ETF gegen Fondsmanager

Activist Investor (Aktivistischer Investor, Aktivist, Aktivistischer Hedgefonds, Activist Investing, Shareholder Activism, Proxy Fight)

Aktivistischer Investor, oft ein Hedgefonds, der eine Minderheitsbeteiligung kauft und öffentlich oder im Gespräch auf Änderungen drängt: höhere Ausschüttungen, eine neue Strategie, den Verkauf von Sparten oder einen Wechsel im Management. Notfalls geschieht das per Proxy Fight, einer Kampfabstimmung auf der Hauptversammlung.

Beispiel: Laut Brav u. a. (2008) lag die Überrendite um die Bekanntgabe einer Kampagne in den USA 2001 bis 2006 bei etwa 7 %.

Quelle: Brav u. a. (2008)

Mehr: Investorenlegenden: Anlagestile der bekanntesten Investoren von Graham bis Simons

Ad-hoc-Mitteilung (Ad-hoc-Publizität, Ad-hoc-Meldung)

Pflichtveröffentlichung eines Emittenten nach Art. 17 MAR: Insiderinformationen, die ihn unmittelbar betreffen, muss er unverzüglich bekannt geben; aufschieben darf er nur unter engen Bedingungen. Seit dem 5. Juni 2026 ist bei gestreckten Vorgängen wie Übernahmen nur noch das Endereignis zu veröffentlichen.

Quelle: MAR (2014); Gleiss Lutz (2026)

Mehr: Insiderhandel: was verboten ist, was erlaubt ist und was Directors' Dealings verraten

Adaptive Allocation

Taktische Regel, die jeden Monat die Anlagen mit dem besten Momentum auswählt und sie dann nach minimaler Varianz oder inverser Volatilität gewichtet.

Mehr: Taktische Allokation: Momentum, Dual Momentum und Trendfolge

Adverse Selektion (Adverse Selection, Informationsasymmetrie)

Risiko eines Market Makers, vor allem mit besser informierten Händlern zu handeln: Er kauft, bevor Kurse fallen, und verkauft, bevor sie steigen. Die Geld-Brief-Spanne gleicht diese Verluste aus.

Beispiel: Wert 99 oder 101 mit gleicher Wahrscheinlichkeit, 20 % informierte Aufträge: Brief 100,20, Geld 99,80.

Quelle: Glosten und Milgrom (1985)

Mehr: Market Making und Anleihenhandel: Spread, Inventar, Axes, RFQ, Cross Trades und Matrix Pricing

Aframax (Aframax-Tanker, AFRA)

Mittelgroßer Tanker mit etwa 80.000 bis 120.000 t Tragfähigkeit, kleiner als Suezmax und VLCC. Portfolio Lab ordnet Tanker von 230 bis unter 265 m Länge so ein.

Quelle: EIA (2014); Notteboom u. a. (2026)

Methodik: Schiffe an Engpässen (Beta): Methodik

Agentenbasiertes Modell (Agent-Based Model, agentenbasierte Modelle)

Simulation vieler einfacher Händler, die nach Regeln handeln und zwischen Strategien wechseln, etwa Trends folgen oder auf den fairen Wert setzen. Erzeugt Fat Tails und Volatilitäts-Clustering aus dem Zusammenspiel, auch wenn die Nachrichten keine solchen Muster haben.

Quelle: Lux und Marchesi (1999)

AIS (Automatic Identification System, Automatisches Identifikationssystem, AIS-Transponder, Schiffsortung, ship tracking)

Automatic Identification System: Funksystem für die Sicherheit auf See. Schiffe senden über UKW automatisch Kennung, Position, Kurs und Fahrt, dazu Name, Typ, Abmessungen, Tiefgang und Ziel. Pflicht ist es nach SOLAS für Schiffe ab 300 BRZ in der Auslandsfahrt; die Reichweite liegt auf See typischerweise bei 20 bis 30 Seemeilen.

Quelle: IMO (2015); ITU (2026)

Mehr: Schiffsdaten und Satellitenbilder: Was sie über Rohstoffe verraten · Methodik: Schiffe an Engpässen (Beta): Methodik

Aktien-Anleihen-Korrelation

Zusammenhang zwischen Aktien- und Staatsanleiherenditen. Seit Ende der 1990er-Jahre meist negativ, was Mischportfolios stabilisierte; in Phasen hoher Inflation wie 2022 war sie positiv.

Mehr: 60/40-Portfolio: Die klassische Mischung aus Aktien und Anleihen

Aktienanleihe (Reverse Convertible)

Anleihe mit hohem Kupon, bei der der Emittent am Ende Aktien statt des Nennwerts liefern darf, wenn die Aktie unter dem Basispreis schließt. Zerlegt: Anleihe plus verkaufter Put; der Kupon enthält die Putprämie.

Beispiel: Nennwert 1.000 €, Basispreis 90 €: Schließt die Aktie bei 70 €, bekommst du Aktien im Wert von 1.000 × 70 / 90 = 777,78 € plus Kupon.

Quelle: Wilkens u. a. (2003); Célérier und Vallée (2017)

Mehr: Optionsscheine, Turbos und Zertifikate: Was sie sind und was man draufzahlt

Aktienfonds (steuerlich) (Kapitalbeteiligungsquote)

Fonds, der laut Anlagebedingungen fortlaufend mehr als 50 % seines Werts in Aktien anlegt. Er erhält für Privatanleger 30 % Teilfreistellung.

Quelle: InvStG (2016)

Mehr: Abgeltungsteuer, Teilfreistellung und Sparerpauschbetrag bei ETFs · Methodik: Steuern im Backtest: wie Portfolio Lab Abgeltungsteuer und Vorabpauschale rechnet

Aktienrisikoprämie (Equity Risk Premium, Aktienprämie)

Mehrrendite von Aktien gegenüber sicheren Anlagen als Ausgleich für ihr Risiko. Historisch lag sie in vielen Ländern über Jahrzehnte bei mehreren Prozentpunkten pro Jahr, mit großen Unterschieden zwischen Ländern und Zeiträumen.

Quelle: Dimson u. a. (2002); Mehra und Prescott (1985)

Mehr: Aktienrisikoprämie: Wie viel mehr Aktien bringen und warum das ein Rätsel ist

Aktienrückkauf (Share Buyback, Rückkauf eigener Aktien)

Ein Unternehmen kauft eigene Aktien an der Börse zurück und schüttet so Geld an die Aktionäre aus, die verkaufen. Die übrigen halten danach einen größeren Anteil. Rückkäufe ersetzen in den USA seit den 1980er-Jahren zunehmend Dividenden und tauchen in der Dividendenrendite nicht auf.

Quelle: Grullon und Michaely (2002)

Mehr: Dividendenstrategie und Dividenden-ETFs kritisch betrachtet: Irrelevanz, Steuern, Faktoren

Aktienverlusttopf

Verluste aus dem Verkauf einzelner Aktien lassen sich nur mit Gewinnen aus einzelnen Aktien verrechnen. Verluste aus ETFs landen dagegen im allgemeinen Verlusttopf.

Mehr: Abgeltungsteuer, Teilfreistellung und Sparerpauschbetrag bei ETFs

Aktive Rendite (Active Return)

Differenz zwischen der Rendite eines Portfolios und seiner Benchmark. Ihr Durchschnitt geteilt durch ihre Schwankung (Tracking Error) ergibt die Information Ratio.

Mehr: Tracking Error und Information Ratio: Abweichung vom Index

Aktiver ETF (aktiv gemanagter ETF, Active ETF)

Börsengehandelter Fonds, dessen Manager die Titel nach eigenem Ermessen auswählt und gewichtet, statt einem Index zu folgen. Meist günstiger als klassische aktive Fonds, aber teurer als Index-ETFs; auch er muss nach Kosten seine Benchmark erst einmal schlagen.

Quelle: Easley u. a. (2021)

Mehr: Aktive ETFs: Wie sie funktionieren und was sie bringen

Aktiver Fonds (aktiv gemanagter Fonds)

Fonds, dessen Manager Titel auswählt und gewichtet, um eine Benchmark zu schlagen. Die meisten aktiven Fonds bleiben über lange Zeiträume nach Kosten hinter ihrem Vergleichsindex zurück.

Quelle: French (2008); Fama und French (2010)

Mehr: Aktiv oder passiv investieren: ETF gegen Fondsmanager

Aktives Risikobudget (Tracking-Error-Budget, Risikobudget für TAA)

Wie weit ein Portfolio von seiner Benchmark abweichen darf, gemessen als Tracking Error. Es wird auf taktische Allokation und Auswahl verteilt; weil sich Varianzen addieren, wachsen die Budgets mit der Wurzel.

Beispiel: Schwankt der Renditeunterschied zwischen Aktien und Anleihen mit 16,28 %, erlaubt ein Budget von 1 % Tracking Error eine Abweichung des Aktiengewichts um höchstens 6,1 Prozentpunkte.

Quelle: Grinold und Kahn (2000)

Mehr: Strategische und taktische Asset-Allokation und der Total Portfolio Approach

All-Weather-Portfolio

Portfolio, das für alle Kombinationen aus Wachstum und Inflation gerüstet sein soll: Aktien, lang laufende Anleihen, inflationsgeschützte Anleihen, Gold und Rohstoffe, gewichtet nach Risiko statt nach Kapital.

Mehr: All-Weather-Portfolio: Für jedes Wirtschaftsklima gerüstet?

Allokationseffekt (Allocation Effect)

Teil der aktiven Rendite aus abweichenden Segmentgewichten. Nach Brinson-Fachler (wᵢ − Wᵢ) × (bᵢ − B): Ein Übergewicht zahlt sich aus, wenn das Segment die Gesamtbenchmark schlägt.

Beispiel: 10 Prozentpunkte Übergewicht in einem Segment mit 8 % Rendite bei einer Benchmark von 6,8 %: 0,10 × 1,2 = 0,12 Prozentpunkte.

Quelle: Brinson und Fachler (1985)

Mehr: Performance-Attribution: Brinson-Zerlegung, Faktoren und Verkettung über die Zeit

Alpha (Jensen-Alpha)

Rendite eines Fonds, die sich nicht durch sein Marktrisiko (Beta) oder andere Faktoren erklären lässt. Positiv heißt: besser, als das eingegangene Risiko erwarten ließ.

Mehr: Beta und Alpha: wie stark ein Fonds mit dem Markt geht

Alpha Decay (Signalzerfall, Alpha-Zerfall)

Rückgang der Rendite eines Signals, sobald es bekannt wird und mehr Investoren es nutzen. Veröffentlichte Renditeprädiktoren brachten nach der Veröffentlichung im Schnitt 58 % weniger als in der ursprünglichen Stichprobe.

Quelle: McLean und Pontiff (2016)

Mehr: Alternative Daten: Stellenanzeigen, Reddit, X, Satelliten, Kartenzahlungen

Alternative Daten (Alternative Data, Alt Data)

Informationen über Unternehmen und Märkte jenseits von Kursen, Bilanzen und amtlicher Statistik, etwa Stellenanzeigen, Beiträge in sozialen Medien, Satellitenbilder, Kartenzahlungen oder Standortdaten. Sie sind oft früher verfügbar, müssen aber erst aufbereitet werden und kosten häufig viel Geld.

Quelle: Zhu (2019)

Mehr: Alternative Daten: Stellenanzeigen, Reddit, X, Satelliten, Kartenzahlungen

Altersvorsorgedepot (Altersvorsorge-Depot, Riester-Nachfolger, Standarddepot, Altersvorsorgereformgesetz)

Staatlich gefördertes Depot ohne Garantiepflicht, das ab dem 1. Januar 2027 die Riester-Rente für neue Verträge ablöst. Jeder Anbieter muss ein Standarddepot anbieten, dessen Kosten auf 1,0 % begrenzt sind; die Grundzulage beträgt 50 Cent je Euro bis 360 € und 25 Cent je Euro bis 1.800 € Eigenbeitrag.

Beispiel: Bei 1.800 € Eigenbeitrag: 360 × 0,5 + 1.440 × 0,25 = 540 € Grundzulage.

Quelle: Bundesregierung, Altersvorsorgereform (2026); Bundestag, Altersvorsorgedepot (2026)

Mehr: Die neue Aktienrente in Deutschland: Frühstart-Rente, Generationenkapital, Altersvorsorgedepot

Amerikanische Option (Europäische Option, frühe Ausübung)

Option, die jederzeit bis zum Verfall ausgeübt werden darf, im Gegensatz zur europäischen Option nur am Verfallstag. Bei Calls ohne Dividende lohnt die frühe Ausübung nie, bei Puts tief im Geld schon; das Recht dazu kostet einen Aufpreis.

Beispiel: Put mit Kurs und Strike 100, einem Jahr, 5 % Zins und 20 % Volatilität: europäisch 5,57, amerikanisch 6,09.

Quelle: Merton (1973)

Mehr: Optionsbewertung: wie faire Optionspreise entstehen · Methodik: Optionsrechner: so bewertet Portfolio Lab Optionen

Amihud-Maß (ILLIQ, Amihud-Illiquidität)

Illiquiditätsmaß aus Tagesdaten: der Durchschnitt des Verhältnisses von absoluter Tagesrendite zu Tagesumsatz in Geld. Je höher der Wert, desto stärker bewegt ein Euro Umsatz den Kurs; er lässt sich für jede Aktie mit Kursen und Umsätzen berechnen.

Beispiel: Renditen +1,2 %, −0,8 %, +2,0 % bei Umsätzen von 2,0, 1,6 und 2,5 Mio. €: (0,6 + 0,5 + 0,8) / 3 = 0,63 % je Mio. € Umsatz.

Quelle: Amihud (2002)

Mehr: Liquiditätsrisiko: Marktliquidität messen, Liquiditätsprämien und die Werkzeuge offener Fonds

Angst-Gier-Index (Fear & Greed Index, Fear and Greed)

Stimmungsindex von 0 (extreme Angst) bis 100 (extreme Gier) aus mehreren Marktreihen wie Momentum, Volatilität und der Nachfrage nach sicheren Häfen. Portfolio Lab rechnet einen eigenen Index nach offener Methode aus sechs Bausteinen.

Methodik: Stimmung: Methodik für Angst-Gier-Index, Put/Call und COT

Ankereffekt (Anchoring)

Eine zufällige oder irrelevante Zahl, etwa der eigene Kaufkurs oder ein früherer Höchststand, beeinflusst Urteile. Der Kaufkurs sagt nichts darüber, ob eine Anlage heute gut ist.

Anlage KAP

Formular der Einkommensteuererklärung für Kapitalerträge. Nötig etwa für die Günstigerprüfung, für Verlustverrechnung über mehrere Banken oder wenn Erträge ohne Steuerabzug zugeflossen sind.

Anlageklasse

Gruppe von Anlagen mit ähnlichem Risiko und ähnlicher Rendite, etwa Aktien, Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Rohstoffe, Immobilien oder Geldmarkt.

Anleihen-Carry (Bond Carry, Carry und Roll-down, Carry einer Anleihe)

Ertrag einer Anleihe bei unveränderter Zinskurve: Kupon plus Roll-down, oft gemessen über dem Geldmarktzins. Bei steiler Kurve bringen lange Laufzeiten mehr Carry, tragen aber mehr Zinsrisiko; deshalb vergleicht man auch den Carry je Durationseinheit.

Quelle: Koijen u. a. (2018)

Mehr: Carry Trade: Zinsen kassieren mit Währungen und Anleihen · Methodik: Carry-Backtest: Methodik für Devisen- und Anleihen-Carry

Annahmeschluss (Cut-off, Orderannahmeschluss, Forward Pricing)

Uhrzeit, bis zu der Aufträge für Fondsanteile bei der Fondsgesellschaft eingehen müssen, um zum nächsten Nettoinventarwert abgerechnet zu werden. Weil dieser Wert erst danach feststeht, kennt beim Auftrag niemand den Abrechnungspreis.

Mehr: Indexanbieter und Bewertungszeitpunkt: Warum gleiche Indizes verschieden rechnen

Annualisieren

Kennzahlen auf ein Jahr hochrechnen: Renditen mit Zinseszins, Volatilitäten mit der Wurzel der Zeit (Monatswerte × √12, Tageswerte × √252).

Mehr: Volatilität: wie stark ein Portfolio schwankt

Annuitätendarlehen (Annuitätenkredit, anfängliche Tilgung, Annuität)

Kredit mit gleichbleibender Rate aus Zins und Tilgung, die übliche Form der Baufinanzierung. Weil die Restschuld sinkt, wird der Zinsanteil jeden Monat kleiner und der Tilgungsanteil größer. Die Rate legt man meist über Sollzins und anfängliche Tilgung fest: Darlehen × (Sollzins + Tilgung) / 12.

Beispiel: 476.420 € zu 4,1 % mit 2 % anfänglicher Tilgung: 476.420 € × 6,1 % / 12 = 2.421,80 € im Monat, davon im ersten Monat 1.627,77 € Zins.

Mehr: Was Wohnen im Eigentum wirklich kostet: Kaufnebenkosten, Wohnnebenkosten und Instandhaltung · Methodik: Methodik der freien Finanzrechner: Lohn, Rente, FIRE, Auto, Immobilie und Depot

Anomalie

Renditemuster, das ein Standardmodell wie das CAPM nicht erklärt, etwa Momentum oder der Low-Volatility-Effekt. Nach der Veröffentlichung schwächen sich viele Anomalien ab.

Quelle: McLean und Pontiff (2016)

Mehr: Effizienzmarkthypothese: Warum es so schwer ist, den Markt zu schlagen

Anteilsklasse (Share Class)

Variante desselben Fonds mit eigener Ertragsverwendung, Währung, Gebühr oder Währungsabsicherung. Sie hat eine eigene ISIN, investiert aber in dasselbe Portfolio.

Mehr: Thesaurierend oder ausschüttend: Welcher ETF passt besser?

Arbeitgeberaktien (Belegschaftsaktien, Company Stock)

Aktien des Unternehmens, bei dem man arbeitet, etwa aus Belegschaftsprogrammen. Einkommen und Vermögen hängen dann am selben Risiko; die fehlende Streuung kostet nach Studien einen großen Teil des Marktwerts.

Quelle: Benartzi (2001); Meulbroek (2005)

Mehr: Das ganze Vermögen: Gesamtvermögen aus Depot, Haus, Humankapital und Auto

Arbitrage Pricing Theory (APT)

Theorie, nach der erwartete Renditen von mehreren gemeinsamen Risikofaktoren abhängen. Sie lässt offen, welche Faktoren das sind, und ist die Grundlage aller Mehrfaktormodelle.

Quelle: Ross (1976)

Mehr: CAPM: Das Capital Asset Pricing Model und die Wertpapiermarktlinie

ARCH-Modell (ARCH)

Autoregressive bedingte Heteroskedastizität: Die heutige Varianz hängt von den quadrierten Überraschungen der Vortage ab. Das Modell bildet Volatilitäts-Clustering ab; Robert Engle erhielt dafür 2003 den Nobelpreis.

Quelle: Engle (1982)

ARIMA-Modell (ARIMA, ARMA, Box-Jenkins-Methode)

Zeitreihenmodell nach Box und Jenkins aus Autoregression (AR), Differenzenbildung (I) und gleitendem Mittel vergangener Schocks (MA). Für Renditen sind die geschätzten Gewichte meist klein, die Prognose kehrt schnell zum Mittelwert zurück.

Beispiel: AR(1) mit φ = 0,10: Eine Monatsrendite von 3 % bei einem Mittel von 0,6 % hebt die Prognose für den Folgemonat nur auf 0,84 %.

Quelle: Box und Jenkins (1970)

Mehr: Prognosemodelle für Renditen: ARIMA, GARCH, LSTM und Machine Learning

Arithmetisches Mittel (Durchschnittsrendite)

Einfacher Durchschnitt der Periodenrenditen. Es überschätzt das tatsächliche Vermögenswachstum, sobald die Renditen schwanken; dafür ist es die richtige Größe für die erwartete Rendite einer einzelnen Periode.

Beispiel: +50 % und −50 % ergeben im Mittel 0 %, das Vermögen sinkt aber auf 75 %.

Mehr: Volatility Drag: Warum Schwankung Rendite kostet

Artikel-6-Fonds

Fonds ohne Nachhaltigkeitsanspruch im Sinne der SFDR. Er legt nur offen, ob und wie Nachhaltigkeitsrisiken in die Anlageentscheidungen einfließen.

Quelle: SFDR (2019)

Mehr: ESG-ETFs: SFDR, Ratings, Rendite und die Grenzen nachhaltiger Fonds

Artikel-8-Fonds

Fonds, der ökologische oder soziale Merkmale bewirbt, umgangssprachlich „hellgrün“. Wie streng er auswählt, schreibt die SFDR nicht vor. Von wenigen Ausschlüssen bis zu strengen Filtern ist alles möglich.

Quelle: SFDR (2019)

Mehr: ESG-ETFs: SFDR, Ratings, Rendite und die Grenzen nachhaltiger Fonds

Artikel-9-Fonds

Fonds, der nachhaltige Investitionen als Ziel anstrebt, umgangssprachlich „dunkelgrün“. Hat er ein Klimaziel, muss er sich auf einen Klimaindex der EU beziehen oder erklären, wie er das Ziel erreicht.

Quelle: SFDR (2019)

Mehr: ESG-ETFs: SFDR, Ratings, Rendite und die Grenzen nachhaltiger Fonds

Asiatische Option (Average-Option, Durchschnittsoption)

Option auf den Durchschnittskurs über mehrere Fixings statt auf den Schlusskurs. Sie ist billiger als die Standardoption und schwerer zu beeinflussen; verbreitet bei Rohstoffen und Währungen. Für den arithmetischen Durchschnitt gibt es keine exakte Formel.

Quelle: Kemna und Vorst (1990); Levy (1992)

Mehr: Optionsbewertung: wie faire Optionspreise entstehen · Methodik: Optionsrechner: so bewertet Portfolio Lab Optionen

Asset Location

Welche Anlage in welchem Depot liegt, wenn Depots steuerlich unterschiedlich behandelt werden, etwa private Altersvorsorge und normales Depot. Gleiche Aufteilung, aber geschickter verteilt, kann Steuern sparen.

Quelle: Dammon u. a. (2004)

Asset-Liability-Management (ALM)

Planung, bei der das Vermögen den künftigen Zahlungen gegenübergestellt wird: Barwert der Verpflichtungen, Deckungsgrad und nötige Rendite.

Mehr: Asset-Liability-Management: Vermögen an künftigen Ausgaben ausrichten

Asset-Swap-Spread (ASW, ASW-Spread, Asset Swap)

Aufschlag auf einen variablen Referenzzins, den eine Festzinsanleihe bringt, wenn ihr Zinsrisiko per Zinsswap getauscht wird. Er misst das Kreditrisiko der Anleihe und dient neben dem Z-Spread als Vergleichsgröße zur CDS-Prämie.

Mehr: Basis-Trades: positive und negative Basis bei Anleihen, CDS und Futures

Asymmetrische Korrelation

Aktien korrelieren in fallenden Märkten stärker als in steigenden. Die Streuung über Aktienmärkte schützt deshalb gerade im Crash weniger, als die Durchschnittskorrelation verspricht.

Quelle: Longin und Solnik (2001); Ang und Chen (2002)

Mehr: Korrelation und Diversifikation: warum Mischen das Risiko senkt

Atomare Abwicklung (Atomic Settlement, T+0, Lieferung gegen Zahlung in Echtzeit)

Abwicklung, bei der Lieferung und Zahlung in einem einzigen, unteilbaren Schritt geschehen: Beide Seiten wechseln oder keine. Auf einem gemeinsamen Register entfällt so das Erfüllungsrisiko zwischen Handel und Abwicklung; dafür müssen Geld und Wertpapier schon vorher bereitliegen.

Beispiel: Aktienkauf über 10 Mio. € bei 1,5 % Tagesvolatilität: Bei T+2 beträgt das Wiedereindeckungsrisiko zum 99-%-Niveau etwa 10 Mio. € × 2,326 × 1,5 % × √2 = 493.419 €, bei atomarer Abwicklung 0 €.

Mehr: Digital Assets: Tokenisierung, Stablecoins, Kryptowertpapiere und digitaler Euro

Aufgeld (Buyer's Premium) (Buyer's Premium, Käuferaufgeld, Hammerpreis, Auktionsgebühr, Verkäuferprovision)

Aufschlag, den der Käufer bei einer Auktion zusätzlich zum Zuschlag (Hammerpreis) an das Auktionshaus zahlt, meist in Stufen nach Preis. Bei großen internationalen Häusern lag er im Frühjahr 2026 in der untersten Stufe bei 27 bis 29 % des Zuschlags, oberhalb von 8 Mio. US-Dollar bei 15 %. Der Verkäufer zahlt zusätzlich eine Provision.

Beispiel: Zuschlag 100.000 € und 25 % Aufgeld: Der Käufer zahlt 125.000 €.

Quelle: Grossman LLP (2026)

Mehr: Sammlerstücke als Geldanlage: Was Kunst, Wein, Uhren und Oldtimer wirklich bringen

Aufgeld (Optionsschein)

Prozentsatz, um den der Erwerb des Basiswerts über einen Optionsschein teurer ist als der direkte Kauf. Beim Call: (Strike + Preis / Bezugsverhältnis − Kurs) / Kurs. Es entspricht dem Anstieg, den der Basiswert bis zum Verfall braucht, damit du ohne Verlust bleibst.

Beispiel: Kurs 100 €, Strike 110 €, Preis 0,53 €, Bezugsverhältnis 0,1: (110 + 5,30 − 100) / 100 = 15,30 %.

Mehr: Optionsscheine, Turbos und Zertifikate: Was sie sind und was man draufzahlt

Augmented-Dickey-Fuller-Test (ADF-Test, Augmented Dickey-Fuller, erweiterter Dickey-Fuller-Test)

Erweiterter Dickey-Fuller-Test auf eine Einheitswurzel: Die Regression enthält zusätzlich verzögerte Differenzen, damit Autokorrelation den Test nicht verfälscht. Ein stark negativer Testwert spricht für eine stationäre Reihe, etwa einen Spread, der zum Mittel zurückkehrt.

Quelle: Said und Dickey (1984); Dickey und Fuller (1979)

Mehr: Pairs-Trading und statistische Arbitrage: Idee, Methoden, Forschung · Methodik: Long/Short und statistische Arbitrage: Methodik

Ausgabeaufschlag

Einmalige Gebühr beim Kauf von Fondsanteilen über die Fondsgesellschaft oder Bank, bei aktiven Fonds oft bis 5 %. Beim Börsenkauf von ETFs fällt er nicht an, dafür Ordergebühr und Spread.

Mehr: Aktiv oder passiv investieren: ETF gegen Fondsmanager

Ausschlusskriterien (Negativ-Screening, Ausschlussverfahren)

Regeln, nach denen ein Fonds bestimmte Unternehmen nicht kauft, etwa Hersteller umstrittener Waffen, Tabakkonzerne, Kohleunternehmen oder Firmen mit schweren Verstößen gegen den UN Global Compact.

Mehr: ESG-ETFs: SFDR, Ratings, Rendite und die Grenzen nachhaltiger Fonds

Ausschüttend

Ein Fonds, der Dividenden und Zinsen an die Anleger auszahlt, meist quartalsweise oder jährlich. Gegenstück: thesaurierend.

Mehr: ETF-Grundlagen: Kosten, Replikation und Ertragsverwendung

Ausschüttungsquote (Payout Ratio, Ausschüttungsrate)

Anteil des Gewinns, den ein Unternehmen als Dividende auszahlt. Eine Quote nahe oder über 100 % lässt wenig Spielraum: Fällt der Gewinn, muss die Dividende sinken oder aus der Substanz bezahlt werden.

Beispiel: Gewinn je Aktie 4 €, Dividende 3 €: Ausschüttungsquote 75 %.

Mehr: Dividendenstrategie und Dividenden-ETFs kritisch betrachtet: Irrelevanz, Steuern, Faktoren

Ausübungspreis (Strike, Basispreis)

Preis, zu dem der Inhaber einer Option den Basiswert kaufen oder verkaufen darf. Liegt er nahe am aktuellen Kurs, heißt die Option am Geld.

Auszahlplan (Entnahmeplan, Fondsentnahmeplan, ETF-Auszahlplan)

Regelmäßige Entnahme aus einem angelegten Kapital, meist monatlich; der Rest bleibt investiert und arbeitet weiter. Anders als bei einer lebenslangen Rente kann das Geld aufgebraucht sein, dafür bleibt der Rest verfügbar und vererbbar.

Mehr: Sichere Entnahmerate: was die 4-%-Regel taugt · Methodik: Methodik der freien Finanzrechner: Lohn, Rente, FIRE, Auto, Immobilie und Depot

Authorized Participant (AP, zugelassener Händler)

Zugelassener Marktteilnehmer, meist eine große Bank, der beim ETF-Anbieter direkt Anteile erzeugen oder zurückgeben darf. Er nutzt Preisabweichungen zur Arbitrage.

Mehr: ETF-Grundlagen: Kosten, Replikation und Ertragsverwendung

Autokorrelation

Zusammenhang einer Zeitreihe mit sich selbst zeitversetzt: Folgt auf einen guten Monat eher wieder ein guter? Aktienrenditen sind kaum autokorreliert, geglättete Bewertungen (Immobilienfonds) stark.

Axe (Bid-Axe, Ask-Axe, Offer-Axe, axed)

Konkretes Interesse eines Händlers, ein Wertpapier zu kaufen (Bid-Axe) oder zu verkaufen (Ask- oder Offer-Axe), meist weil er eine Position abbauen oder eindecken will. Nach dem Standard der ICMA ist die Menge anzugeben, der Preis freiwillig.

Quelle: ICMA und FIX Trading Community (2025)

Mehr: Market Making und Anleihenhandel: Spread, Inventar, Axes, RFQ, Cross Trades und Matrix Pricing

Kurz und vereinfacht erklärt; keine Anlage- oder Steuerberatung.