Glossar: Begriffe mit W
20 Begriffe von Wachstum-Inflation-Regime bis Wrong-Way-Risk, kurz erklärt und wo möglich mit Quelle. Alle Begriffe von A bis Z
- Wachstum-Inflation-Regime
Einteilung der Wirtschaftslage nach steigendem oder fallendem Wachstum und steigender oder fallender Inflation. Aktien mögen Wachstum ohne Inflation, Anleihen fallende Inflation, Rohstoffe und Linker steigende.
Mehr: All-Weather-Portfolio: Für jedes Wirtschaftsklima gerüstet? · Methodik: Makro-Dashboard und Regime-Analyse: Methodik
- Wachstumsoptimaler Hebel (optimaler Hebel, Growth-optimal Leverage)
Hebel mit dem höchsten Median-Wachstum: L* = (μ − r − s) / σ² mit mittlerer stetiger Rendite μ, Finanzierungszins r, Aufschlag s und Volatilität σ. Darüber sinkt das typische Ergebnis wieder, obwohl der Erwartungswert weiter steigt; bei normalverteilten Renditen entspricht das dem Kelly-Kriterium.
Beispiel: Index mit 7 % Median-Rendite (stetig 6,77 %) und σ = 18 %: μ = 6,77 % + 1,62 % = 8,39 %; Zins 2 % und Aufschlag 1 % (stetig 1,98 % und 1,00 %): L* = (8,39 − 1,98 − 1,00) / 3,24 = 1,67.
Mehr: Gehebelte ETFs und Return Stacking: Funktion, lange Haltedauer, Kosten und Forschung · Methodik: Methodik der freien Finanzrechner: Lohn, Rente, FIRE, Auto, Immobilie und Depot
- Wachstumswert (Growth-Aktie)
Aktie mit hoher Bewertung, die Anleger wegen erwarteten starken Gewinnwachstums zahlen (Growth-Aktie). Oft Technologie- und Gesundheitsunternehmen.
- Wahldividende (Scrip Dividend, Optional Dividend, Aktiendividende)
Dividende, die Aktionäre bar oder in neuen Aktien beziehen können, manchmal mit Abschlag auf den Börsenkurs. Ein Index muss eine Option unterstellen: bei MSCI die Standardoption der Gesellschaft, ohne sie die Barauszahlung.
Quelle: MSCI Corporate-Events-Methodik (2022)
Mehr: Smart Indexing: Mehrwert für Indexfonds rund um Corporate Actions und Indexänderungen
- Währungsabsicherung (Hedging, Currency Hedge)
Ausschalten von Wechselkursschwankungen, meist über Devisentermingeschäfte, die jeden Monat erneuert werden. Bei Anleihen in Fremdwährung üblich, bei Aktien umstritten.
Quelle: Campbell u. a. (2010); Perold und Schulman (1988)
Mehr: Währungsrisiko: Wie Wechselkurse die Rendite verändern
- Währungseffekt (Currency Effect)
Teil der aktiven Rendite eines internationalen Portfolios, der auf Wechselkurse entfällt. Ohne eigenen Effekt steckt er unerkannt in Allokation oder Selektion; man trennt ihn in Zinsdifferenz und unerwartete Kursbewegung.
Quelle: Ankrim und Hensel (1994)
Mehr: Performance-Attribution: Brinson-Zerlegung, Faktoren und Verkettung über die Zeit
- Währungsgesicherte Anteilsklasse (Hedged)
Anteilsklasse, die das Wechselkursrisiko zur Anteilswährung absichert, etwa ein Welt-ETF in „EUR Hedged“. Kostet oder bringt ungefähr die Zinsdifferenz und meist etwas höhere Gebühren.
Mehr: Währungsrisiko: Wie Wechselkurse die Rendite verändern
- Währungsrisiko
Schwankung durch Wechselkurse: Steigt der Euro gegenüber dem Dollar, verlieren US-Aktien in Euro gerechnet. Maßgeblich ist die Währung der Wertpapiere, nicht die des Fonds.
- Walk-forward-Test
Rollierender Test einer Optimierung: Gewichte werden nur mit den bis dahin bekannten Daten bestimmt und auf die folgenden Monate angewendet.
- Web-Scraping (Scraping, Screen Scraping, Text und Data Mining)
Automatisches Auslesen von Webseiten durch Programme, etwa von Stellenanzeigen, Preisen oder Produktbewertungen. In Deutschland erlaubt § 44b UrhG Text und Data Mining rechtmäßig zugänglicher Inhalte, solange kein maschinenlesbarer Vorbehalt besteht; Nutzungsbedingungen und Datenschutz gelten daneben.
Quelle: UrhG (1965); Proskauer Rose (2022)
Mehr: Alternative Daten: Stellenanzeigen, Reddit, X, Satelliten, Kartenzahlungen
- Weekly Economic Index (WEI, Lewis-Mertens-Stock-Index, Weekly Economic Index (WEI))
Wochenindex der realen Wirtschaftsaktivität in den USA von Lewis, Mertens und Stock aus zehn Reihen wie Umsätzen im Handel, Anträgen auf Arbeitslosenhilfe, Stahlproduktion und Stromverbrauch, skaliert auf das BIP-Wachstum gegenüber dem Vorjahr. Er erscheint seit 2020, heute bei der Federal Reserve Bank of Dallas.
Quelle: Lewis u. a. (2022); Weekly Economic Index (Dallas Fed) (2026)
Methodik: Konjunktur-Puls: wie Portfolio Lab Frühindikatoren rechnet
- Weltportfolio
Aktienportfolio, das alle Länder ungefähr nach ihrer Marktkapitalisierung abdeckt, oft mit Schwellenländern und Beimischungen von Faktoren. Im deutschen Sprachraum vor allem durch Gerd Kommer bekannt.
Quelle: Kommer (2018)
- Wenige Gewinneraktien
Langfristig erklärt ein kleiner Teil der Aktien fast die gesamte Wertschöpfung des Marktes; die Mehrheit bringt weniger als Geldmarktpapiere. Wer breit streut, hält diese wenigen Gewinner sicher.
Quelle: Bessembinder (2018)
Mehr: Korrelation und Diversifikation: warum Mischen das Risiko senkt
- Wertpapierkredit (Lombardkredit, Effektenkredit, Margin-Kredit, Securities-based Lending)
Kredit, für den ein Wertpapierdepot als Sicherheit dient. Der Rahmen richtet sich nach den Beleihungswerten der Wertpapiere, der Zins liegt meist über dem Geldmarktzins. Wer damit zusätzliche Wertpapiere kauft, hebelt sein Depot.
Mehr: Hebel im Portfolio: Rendite, Risiko, Kosten und Margin Calls
- Wertpapierleihe (Securities Lending)
Der Fonds verleiht Wertpapiere gegen Sicherheiten und Gebühr. Die Erträge senken die Tracking Difference; das Risiko liegt in einem Ausfall des Entleihers bei gleichzeitig ungenügenden Sicherheiten.
Mehr: ETF-Grundlagen: Kosten, Replikation und Ertragsverwendung
- Wertpapiermarktlinie (Security Market Line)
Im CAPM der Zusammenhang zwischen Beta und erwarteter Rendite: risikofreier Zins plus Beta mal Marktprämie. Empirisch ist sie flacher, als das Modell vorhersagt.
Quelle: Sharpe (1964); Black (1972)
Mehr: CAPM: Das Capital Asset Pricing Model und die Wertpapiermarktlinie
- Wettbewerb um Kapital (Competition for Capital)
Jede Anlageidee muss zeigen, dass sie das Gesamtportfolio verbessert, statt ein festes Budget ihrer Anlageklasse zu füllen. Formal lohnt eine Anlage, wenn ihre Sharpe Ratio größer ist als ihre Korrelation mit dem Portfolio mal dessen Sharpe Ratio.
Beispiel: Portfolio mit Sharpe Ratio 0,40: Eine Anlage mit Korrelation 0,5 muss 0,5 × 0,40 = 0,20 übertreffen.
Quelle: Filbeck und Bok (2025)
Mehr: Strategische und taktische Asset-Allokation und der Total Portfolio Approach
- White's Reality Check (Reality Check, SPA-Test, Superior Predictive Ability)
Bootstrap-Test von Halbert White, ob die beste von vielen getesteten Regeln oder Prognosen einen Vergleichsmaßstab mehr als zufällig schlägt. Der SPA-Test von Peter Hansen ist trennschärfer. Auf technische Handelsregeln am Dow Jones angewandt, wiederholte sich der Vorsprung der besten Regel außerhalb der Stichprobe nicht.
Quelle: White (2000); Hansen (2005); Sullivan u. a. (1999)
Mehr: Charttechnik, Chartmuster und Candlesticks aus Quant-Sicht
- Wöchentlicher Aktivitätsindex (WAI, Weekly Activity Index, Bundesbank-WAI)
Experimenteller Wochenindex der Bundesbank für die reale Wirtschaftsaktivität in Deutschland, unter anderem aus Stromverbrauch, Lkw-Maut, Flügen, Suchanfragen und Kartenzahlungen. Er zeigt die trendbereinigte Wachstumsrate der letzten 13 Wochen gegenüber den 13 Wochen davor und wird revidiert.
Quelle: Eraslan und Götz (2021); Bundesbank, Wöchentlicher Aktivitätsindex (2026)
Methodik: Konjunktur-Puls: wie Portfolio Lab Frühindikatoren rechnet
- Wrong-Way-Risk (Wrong Way Risk, Right-Way-Risk)
Ausfallwahrscheinlichkeit des Vertragspartners und Exposure steigen gemeinsam, etwa wenn Ausfallschutz auf ein Unternehmen bei einem Verkäufer gekauft wird, dessen Bonität eng mit diesem Unternehmen zusammenhängt. Bewegen sich beide gegenläufig, spricht man von Right-Way-Risk.
Quelle: Hull und White (2012)
Mehr: Kontrahenten- und Emittentenrisiko: CVA, ETCs, Zertifikate und Swaps
Kurz und vereinfacht erklärt; keine Anlage- oder Steuerberatung.